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Nebenwerte : Zwei Aktien mit günstigen Prognosen

Aktienhandel bei der Baader Bank zum Oktoberfest Bild: dpa

Die Suche nach günstig bewerteten Nebenwerten ist derzeit mühsam. Nur zwei Aktien spuckt die Datenbank aus. Dabei zeigt die Baader Bank Vorteile gegenüber der VIB Vermögen.

          3 Min.

          Wer sich auf der Suche nach Nebenwerten an fundamentalen Kriterien orientiert, ist stets auf der Suche nach günstig bewerteten Aktien. Solche zu finden ist nicht immer ganz leicht. Legt man beispielsweise ein prognostiziertes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von weniger als 10 für das laufende und kommende Jahr an und soll das Unternehmen unter dem Buchwert bewertet sein, so bleiben an den deutschen Börsen noch genau 2 Aktien übrig, sofern man noch auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 100 Millionen Euro und eine Dividende Wert legt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          2009 gut von der Krise erholt

          Ganz vorne steht die auf den Wertpapierhandel spezialisierte Baader Bank, die an den Börsen in Frankfurt, München, Stuttgart, Düsseldorf und Berlin insgesamt über 300.000 Orderbücher betreut.

          2008 hatte auch Baader die Finanzkrise zu spüren begonnen. Das Provisionsergebnis war gegenüber dem vorangegangenen Jahr um rund ein Sechstel auf rund 39 Millionen Euro gefallen, und trotz eines besseren Handelsergebnisses fiel der Gewinn um 70 Prozent auf 8,6 Millionen Euro nicht zuletzt aufgrund einer Risikovorsorge von 3 Millionen Euro und Abschreibungen von 4,26 Millionen Euro. Angesichts der Bilanzsumme von nur 365 Millionen Euro waren diese Belastungen vergleichsweise hoch.

          Schon das Jahr 2009 brachte trotz weitere, geringer Abschreibungen eine erhebliche Verbesserung, da sich der Jahresüberschuss auf 18,6 Millionen Euro mehr als verdoppelte. Zu verdanken war dies abermals vor allem einem starken Handelsergebnis von 75,8 Millionen Euro, wobei mehr als zwei Drittel auf die Orderbuchführung und den Eigenhandel entfielen.

          2010 eher etwas schwächer

          2010 verspricht allerdings nicht unbedingt so erfolgreich zu werden. Denn nach neun Monaten hinkt das Handelsergebnis mit nur knapp 45 Millionen Euro dem Vorjahreswert von mehr als 60 Millionen Euro deutlich hinterher. Die Zukunft sieht Baader allerdings eher im zins- und provisonsergebnisorientierten Bankgeschäft, das zunehmend eine größere Rolle spiele, obgleich es einzelne rückläufige Komponenten des Wertpapierhandelsgeschäfts nicht kompensieren könne.

          Da dadurch auch der Gewinn rückläufig ist, ist die Aktie auf Basis des Jahres 2010 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 12 nicht eben preiswert. Doch soll sich dies 2011 spürbar ändern: Die Analysten von HSBC sowie GSC und Independent Research rechnen im Durchschnitt mit einem Gewinnanstieg um mehr als drei Viertel auf knapp 20 Millionen Euro.

          Interessant ist durchaus auch die Dividendenrendite, die auf rund 4,5 Prozent taxiert wird. Zudem ist die Baader Bank mehrheitlich ein Familienunternehmen, zu dem auch der Vorstandsvorsitzende Uto Baader gehört. Üblicherweise sind Familienunternehmen stärker an konstant hohen Ausschüttungen interessiert, sofern diese leistbar sind. Eine gewisse Ergebnisvolatilität lässt sich zwar nicht übersehen, doch könnten diese sich mit der Weltwirtschaft weiter stabilisieren.

          Unspektakuläre VIB Vermögen

          Interessant sehen auch die Kennziffern der VIB Vermögen aus, eines vorwiegend in Süddeutschland aktiven Gewerbeimmobilienvermieters. Immerhin liegt das KGV für das kommende Jahr derzeit nur wenig über 9. Im kommenden Geschäftsjahr soll es laut Analystenprognose unter 9 sinken.

          Derzeit stehen die Zeichen auf Konsolidierung und der Bewirtschaftung des Portfolios, dessen Leerstandsrate mit angabegemäß 1 Prozent recht niedrig ausfällt.

          Den Nettoinventarwert gab VIB zuletzt mit 12,23 Euro an. Damit beträgt der Aktienkurs nur wenig mehr als der Hälfte des Inventarwerts, was die Aktie günstig bewertet erscheinen lässt. Auch die prognostizierte Dividendenrendite von rund 3,4 Prozent lässt sich sehen.

          Charttechnische Unterschiede

          Charttechnisch zeigen sich bei de Aktien dagegen nicht unbedingt attraktiv. Der Kurs der Baader-Aktie ist seit dem Frühjahr um 18 Prozent abgerutscht. Seit Oktober geht die Notierung allerdings seitwärts und zeit sich bei 3 Euro gut unterstützt.

          VIB nahm eine umgekehrte Entwicklung. Nach dem Jahrestief im März legte der Kurs bis Anfang November um 46 Prozent auf 8,55 Euro zu. Spätestens nach den unspektakulären Neun-Monats-Ergebnissen aber kam begann der Kurs zu bröckeln und konnte sich erst zu Jahresbeginn wieder etwas fangen. Damit bleib die Notierung über der Unterstützung des Jahres 2008. Bricht diese jedoch, könnte es bis unter 7 Euro abwärts gehen, möglicherweise bis auf 6 Euro.

          Aus dieser Perspektive eignen sich beide Aktien daher eher als langfristige Investition, wobei Baader die unmittelbareren Chancen zuzusprechen sind.

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