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Nebenwerte : Zwangsverkäufe machen Fortune-Aktie zu klarem Kauf

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Bild: FAZ.NET

Abgaben eines kriselnden Hedge-Fonds drücken derzeit den Aktienkurs von Fortune Management. Dabei würde ein kürzlich eingefädeltes Milliardengeschäft steigende Notierungen erlauben.

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          Rätsel gibt aufmerksamen Beobachtern seit einiger Zeit die Aktienkursentwicklung von Fortune Management auf. Denn trotz überzeugenden Unternehmensmeldungen kommt die Notiz nun schon seit fast einem Jahr per saldo nicht mehr vom Fleck. In den vergangenen Tagen kam vielmehr sogar ein stärkerer Verkaufsdruck auf, der den Kurs im Tief bis auf 3,35 Euro drückte.

          Damit ist eine Meldung von Mitte Januar weitgehend wirkungslos verpufft, die in der Unternehmensgeschichte des integrierten Private-Equity-Konzerns mit Sitz in der Schweiz einem Meilenstein gleichkommt. Denn da wurde mitgeteilt, dass mit der in Abu Dhabi ansässigen Holdinggesellschaft Al Nasser International Group die Fortune Super Equity Management LLC (FSEM) gegründet wurde.

          Börsenwert bereits durch Biodiesel-Beteiligung weitgehend abgedeckt

          Hinter FSEM steckt eine Private-Equity-Gesellschaft, die primär im Nahen Osten in die Branchen Öl, Metall, Gas, Energie und Infrastruktur sowie Logistik und Engineering investieren will. Die Beteiligung von zehn Prozent, die Fortune an dem Projekt hält, ist deshalb von so großer Bedeutung, weil die beiden ersten Fonds dieser Gesellschaft vermutlich mit einem gesamten Kapital von 32 Milliarden Euro ausgestattet sein werden.

          Da Fortune davon rund zwei Prozent an Verwaltungsgebühr plus eine erfolgsabhängige Gebühr kassieren wird, bleibt bei den Schweizern unter dem Strich ein großer Betrag hängen. Außerdem kann die Tatsache, dass sich Fortune hier gegen andere, größere Mitbewerber letztlich durchgesetzt hat, als Qualitätsbeweis gewertet werden.

          An der Börse wird Fortune Management derzeit dennoch nur eine Marktkapitalisierung von insgesamt rund 400 Millionen Euro zugestanden. Dieser Wert ist aber wohl schon durch die 65prozentige Beteiligung an dem Biodieselproduzenten Gate zu einem großen Teil abdeckt. Dieser soll vermutlich noch im vierten Quartal 2007 entweder an die Börse gebracht oder verkauft werden und wird in seinem Gesamtwert auf rund 500 Millionen Euro taxiert.

          Nun ist der Markt für Biodiesel zuletzt auch wegen steuerlich veränderter Rahmenbedingungen eingebrochen, der genannte Wertansatz für Gate ist dennoch als durchaus realistisch zu bezeichnen. Denn Gate kann nicht nur 360.000 Tonnen Biodiesel produzieren, sondern auch 220.000 Tonnen Rapsöl. Und mit Rapsöl lässt sich noch immer gutes Geld verdienen, so dass sich für den integrierten Biodiesel-Anbieter, der den Produktionsprozess von der Ölmühle über eigene Tanklagerkapazitäten bis hin zu den Umesterungsanlagen vollständig umfasst, Interessenten zu einem angemessenen Preis finden lassen müssten.

          Abgaben eines Hedge-Fonds belasten den Kurs

          Abgebaut werden dürfte mittelfristig auch das Vermögensverwaltungsgeschäft. Im Kauf anderer Vermögensverwalter bestand zunächst zwar der eigentliche Geschäftszweck, aber gemessen an den neuen Aktivitäten ist dieser Bereich längst nicht mehr so lukrativ. Deshalb kann auch hier getrost mit baldigen Veränderungen bei der Konsolidierung dieses Geschäfts gerechnet werden. Außerdem lehren die in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen, dass sich das umtriebige Managementteam nicht lange auf den erworbenen Lorbeeren ausruhen wird. Aktionäre dürfen deshalb mittelfristig auf die Erschließung neuer lukrativer Geschäfte hoffen.

          Bei so vielen Pluspunkten bleibt die Frage zu klären, warum der Aktienkurs momentan trotzdem so unter Druck steht. Gerüchten am Markt zufolge hat dies primär mit den permanenten Abgaben eines britischen Hedge-Fonds zu tun. Dieser hielt dem Vernehmen nach ursprünglich mehrere Millionen Fortune-Aktien und ist jetzt zu einer Liquidierung seiner Positionen gezwungen, weil ihn Anlageverluste dazu zwingen. Sollte dies tatsächlich der Grund für den vorherrschenden Verkaufsdruck sein, dann besteht deutliches Erholungspotential, sobald diese Verkäufe abgewickelt sind. Fundamental betrachtet steht höheren Kursen bei Fortune nichts entgegen.

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