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Nebenwerte : Nur Spekulationen helfen SDax-Werten

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Bild: FAZ.NET

Während sich die deutschen Standardwerte am Donnerstag leicht erholen können und zumindest nicht weiter verlieren, gehen die Kursverluste in den Nebenwerte-Indizes munter weiter, vor allem im SDax. Sonderfaktoren helfen nur wenigen Werten weiter.

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          Mit Nebenwerten ließ sich in den vergangenen Jahren einfacher, schneller und mehr Geld verdienen als mit Standardwerten. Das ist eine Tatsache, die sich viele Anleger zunutze gemacht haben und die unter anderem auch die bessere Entwicklung bedingte. Denn die Sache ist ja mal wieder ganz einfach: Je mehr Anleger eine bestimmte Ansicht über den Markt vertreten und dementsprechend handeln, desto eher erfüllt sie sich.

          Und so brachte es der SDax in den vergangenen drei Jahren auf einen durchschnittlichen Kursanstieg von 3,2 Prozent im Monat, der MDax auf 3,28 Prozent, während sich der Dax mit 2,8 Prozent bescheiden mußte.

          Kein Trend bei Einzelwerten

          Die Kehrseite der Medaille zeigt sich nunmehr am Donnerstag. Während sich die Standardindizes gefangen haben und der Dax wenigstens um die Nullinie oszilliert, befinden sich die Nebenwerte-Indizes unverändert auf Talfahrt. Der MDax liegt 1,5 Prozent unter Wasser, der SDax sogar 2,9 Prozent und der tecDax bringt es gar auf ein Minus von 3,25 Prozent.

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          Das ist auch nicht weiter verwunderlich. Technologie-Aktien gelten von jeher als volatiler und ebenso gilt, je kleiner ein Wert, desto schwankungsanfälliger ist er. Außerdem ist das Korrekturpotential größer, da Anleger ja die schönen Gewinne irgendwie zu sichern bestrebt sind.

          Betrachtet man im SDax die Einzelwerte, läßt sich allerdings kaum ein Trend ausmachen. Aus gerechnet König & Bauer führen mit einem Minus von 15,8 Prozent die Liste der Wochenverlierer an. Dabei zeichnet sich die Aktie weder durch die höchsten Kursgewinne aus, noch durch ein besonders auffälliges Handelsvolumen.

          Bisheriger Trend spielt kaum eine Rolle

          Und auch die Bewertung der Aktie war mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 2006 nicht übermäßig hoch. Da wiesen (und weisen!) andere Werte ganz andere Bewertungen auf. So weist etwa Highlight Communications mit einem Wochenplus von 0,8 Prozent immer noch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21 auf, Grenke-Leasing mit einem Wochenminus von rund zwei Prozent ein KGV von 24.

          Auch daß die konservativen Werte stärker unter Druck stünden läßt sich nicht sagen. Zweitgrößter Verlierer ist die Aktie des Internet-Wettanbieters Fluxx.com mit einem Minus von 15,2 Prozent und einem KGV von immer noch knapp 32.

          Die Gründe für die Kursverluste lassen sich offenbar nicht über einen Kamm scheren, sondern sind anscheinend recht individuell, laufen aber zwangsläufig immer auf Gewinnmitnahmen heraus. Während bei den eher konservativen Werten wie König & Bauer oder Deutz diese aufgrund einer guten Wertentwicklung gesichert werden sollen, geht es bei Fluxx.com wohl eher um das Einbringen der letzten Resterträge. Denn das Papier befindet sich bereits seit drei Monaten tendenziell im freien Fall, spätestens nach dem Sportwetten-Urteil des Bundesverfassungsgerichts (Wetten auf die Wettanbieter).

          Die beiden großen Verlierer Balda und Comdirect weisen dagegen schon seit längerer Zeit eine Seitwärtsentwicklung auf, die jetzt wohl als Vorbote einer Trendumkehr interpretiert wird.

          Spekulationen halten einige Werte über Wasser

          Interessant ist der Blick auf die „Top-Performer“. So ist bei der schwer angeschlagenen WCM ein Wochenplus von knapp drei Prozent aufgelaufen, das einem Jahresminus von 16,67 Prozent und einem Fünf-Jahres-Minus von 97,7 Prozent gegenüber steht. Hier sind allem Anschein nach nur noch Zocker am Werk, so daß hier einfach kaum Gewinne mehr mitgenommen werden können - mangels eben solcher.

          Spekulationen alten den Kurs der DIS hoch. Hoffnungen auf ein höheres Angebot der Adecco, die die DIS vollständig übernehmen möchte, lassen die Anleger weiter an dem Wert festhalten - bis jetzt noch. Sollten sich die Hoffnungen zerschlagen, ist der Absturz vorprogrammiert (Adecco-Aktie hat Chancen auf neue Hochs).

          Gut hält sich auch noch die Aktie der Highlight Communications. Hier stehen in der kommenden Woche Quartalszahlen an, auf die manche Anleger spekulieren. Danach drohen der Aktie Kursverluste. Denn entweder werden Gewinne mitgenommen, weil die Aktie aufgrund guter Zahlen zunächst zulegt oder es werden Gewinne mitgenommen, weil die Erwartungen enttäuscht werden.

          Nur unverwüstliche Optimisten kaufen jetzt

          Oder aber bis dahin ist alles wieder überstanden und die Kursgewinne gehen weiter. So richtig daran glauben können derzeit wohl nur unverwüstliche Optimisten. Zumal die Breite der Gewinnmitnahmen, unabhängig ob gute oder schlechte Entwicklungen vorausgegangen sind, eher für eine generelle Trendumkehr spricht.

          Aber es geht ja auch anders, wenn man optimistisch ist und/oder einen langen Atem hat. Wie sagte doch vor vielen Jahren ein umstrittener Börsenbrief-Herausgeber, gefragt nach Handlungsempfehlungen nach Kursverlusten eines seiner Musterdepotwerte: „Natürlich nachkaufen. Sie freuen sich doch auch, wenn die Butter billiger wird.“

          Das nützt allerdings nur wenig, wenn man für diese keinen Bedarf hat und sie nicht teurer weiterverkaufen kann. Wer indes eine gute Tiefkühltruhe besitzt und nicht zu teuer einsteigt, der kann die Butter ja einlagern. Indes scheint selbst dazu derzeit kein guter Zeitpunkt zu sein. Denn eines ist sicher - es kommen an der Börse auch wieder gute Tage und dann lassen sich Gewinne wieder realisieren.

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