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Nebenwerte : Mehr Potential als Standardaktien

Für Nebenwerte in Europa läuft es rund: Reifenlager von Pirelli Bild: Getty Images

Die Aussicht auf steigende Inflationsraten begünstigt Aktienkäufe. Besonders kleine Titel profitieren von Konjunkturerholungen. Diese schneiden aber in Rezessionen schlechter ab.

          Die Vermögensverwaltung des Frankfurter Privatbankhauses Metzler plädiert für den Kauf europäischer Nebenwerte. Die Aussicht auf steigende Inflationsraten in den kommenden Jahren spreche für die Aktie, sagte Frank-Peter Martin, Partner des Bankhauses, auf einer Pressekonferenz. Niedrigere Bewertungen sprächen dafür, in der jetzigen Phase des Konjunkturzyklus Nebenwerte gegenüber Standardaktien zu bevorzugen.

          Unter Nebenwerten versteht man im Hause Metzler Unternehmen mit einem Börsenwert von höchstens 5 Milliarden Euro. Damit fallen auch recht große Unternehmen wie der deutsche Baukonzern Bilfinger und der italienische Reifenhersteller Pirelli in diese Kategorie. Da kleinere Unternehmen von weniger Analysten beobachtet werden als große Konzerne, biete sich hier eher die Aussicht, durch gezielte Aktienauswahl („Stockpicking“) gute Ergebnisse zu erzielen, sagte Portfoliomanager Lorenzo Carcano: „Dass vor zwei Monaten eine Erholungsphase begonnen hat, spricht dafür, dass Small Caps wieder in Mode kommen“. Zudem ist die Auswahl größer: Rund 300 europäischen Standardwerten stehen etwa 3.000 Nebenwerte entgegen.

          In Rezessionen schwächer

          Untersuchungen von Metzler Asset Management zeigen, dass Nebenwerte in Rezessionen schwächer abschneiden, in Zeiten einer Erholung der Konjunktur Standardaktien aber überflügeln. Daneben seien Nebenwerte seltener als Standardaktien in Branchen wie Telekommunikation, Versorgung, Öl&Gas sowie Banken und Versicherungen tätig, die für weitere Regulierungen anfällig seien. Carcano erwartet im Bereich der Nebenwerte zudem Fusionen und Übernahmen.

          Die Barreserven der großen europäischen Unternehmen entsprächen etwa 40 Prozent der Marktkapitalisierung aller Nebenwerte, von denen viele starke Bilanzen aufwiesen, gemessen an Indikatoren wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis und dem Preis-Buchwert-Verhältnis, aber niedrig bewertet seien. Stefan Meyer, ebenfalls Portfoliomanager bei Metzler Asset Management, verwies auf die Ergebnisse europäischer Börseneinführungen der vergangenen zehn Jahre. Die Kursentwicklung neu eingeführter Nebenwerte sei deutlich besser als die Kursentwicklung an die Börse gebrachter Großunternehmen, von denen nicht wenige aus heutiger Sicht ein Kursminus auswiesen.

          Auf Nebenwerte spezialisierte Aktienfonds schnitten im Durchschnitt besser ab

          In den beiden Fonds, die Metzler mit europäischen Nebenwerten betreibt, befinden sich Aktien von Unternehmen wie AZ Electronic Materials, Nutreco, Aareal Bank, Telecity Group, Spectrum Asa, LPKF Laser & Electronics, Realtime Technology und Kinepolis Group. Die Auswahl belegt, dass auch Werte mit einem wenig liquiden Handel in die Fonds aufgenommen werden, solange das gesamte Portfolio eine als ausreichend eingeschätzte Liquidität ausweist. Entscheidend ist der Blick auf das Unternehmen; das Land, in dem es sich befindet, ist von nachrangiger Bedeutung.

          Die Fachleute des Berliner Analysehauses Scope sind zum Schluss gekommen, dass in den vergangenen Jahren auf Nebenwerte spezialisierte Aktienfonds - in den Kategorien Deutschland, Europa, Vereinigte Staaten von Amerika und Global - im Durchschnitt deutlich besser abgeschnitten haben als Fonds, die sich auf Standardaktien konzentriert haben. Bemerkenswert erscheint, dass diese höhere Performance fast gar nicht, wie man es normalerweise erwarten sollte, mit einem höheren Risiko (gemessen an der Größe der Kursausschläge) einhergegangen ist.

          Die Berechnungen von Scope unterstreichen indessen die Beobachtung von Metzler, wonach Nebenwerte nicht in allen Phasen eines Konjunkturzyklus überlegen sind, sondern in Rezessionen schlechter abschneiden. Nebenwerte dominieren auch in einem Vergleich der erfolgreichsten Aktien im 100 Werte umfassenden F.A.Z.-Aktienindex seit Jahresanfang. An der Spitze befinden sich die Aktien von Sky Deutschland, Kuka, Dürr, Continental, Lanxess und Fuchs Petrolub.

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