https://www.faz.net/-gv6-8n9bs

Investition in Militär : Rüstungsaktien sind im Aufwind

Die HMS Artful der British Royal Navy des britischen Konzerns BAE Systems: Großbritannien könnte von Trumps Militärpolitik profitieren. Bild: dpa

Trumps Wahlsieg setzt die Nato-Staaten unter Druck, mehr Geld für das Militär auszugeben. Besonders ein britisches Unternehmen könnte dadurch große Gewinne verbuchen.

          3 Min.

          Die europäischen Rüstungsaktien haben in den vergangenen Tagen deutlich zugelegt. Der britische Rüstungskonzern BAE Systems ist seit den amerikanischen Wahlen einer der großen Gewinner am Aktienmarkt. Das Papier des drittgrößten Waffenherstellers der Welt hat in den vergangenen beiden Handelstagen gut 11 Prozent an Wert gewonnen. Denn der designierte Präsident Donald Trump hat im Wahlkampf immer wieder angekündigt, er wolle die Rüstungsausgaben des Landes aufstocken.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Ulrich Friese
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch andere Rüstungsaktien haben sich verteuert, weil die Investoren nun höhere Rüstungsausgaben europäischer Staaten erwarten. Denn Trump hatte im Wahlkampf gedroht, dass sich die Vereinigten Staaten aus dem Verteidigungsbündnis Nato zurückziehen, wenn die europäischen Partnerländer nicht mehr für Rüstung ausgeben. Der Nato-Richtwert liegt bei zwei Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Derzeit liegen die Vereinigten Staaten bei 3,6 Prozent, Frankreich bei 1,8 Prozent und Deutschland nur bei 1,2 Prozent.

          Nach Ansicht der Credit-Suisse-Analysten sollte von dem Nachholbedarf in Europa besonders der französische Rüstungskonzern Thales profitieren. Seit dem Erfolg Trumps hat der Aktienkurs um acht Prozent gewonnen. Thales ist in der Militärtechnik und der Luftfahrt aktiv. Mehr als die Hälfte des Umsatzes entfallen auf die Rüstung. Laut Credit Suisse spricht für die Thales-Aktie die gute Marktposition in Nato-Ländern, die ihre Rüstungsausgaben erhöhen müssen.

          Heimische Waffenhersteller setzen Exportbedingungen unter Druck

          Auch die Aktie des deutschen Unternehmens Rheinmetall hat in den vergangenen Tagen um sieben Prozent zugelegt. Rund die Hälfte des Geschäfts entfällt auf die Automobilindustrie, die andere auf die Rüstung. Vertreter von Rheinmetall oder Krauss Maffei Wegmann (KMW), die zu den wichtigsten Ausrüstern der Bundeswehr gehören, rechnen nach Trumps Wahlsieg damit, dass der deutsche Wehretat von gegenwärtig 35 Milliarden Euro in den kommenden Jahren um bis zu 20 Milliarden Euro steigen wird.

          Dabei leitet sich ihre Hoffnung nicht allein aus der Zunahme der Verpflichtungen für deutsche Militärs innerhalb der Nato und den damit verbundenen Einsätzen in internationalen Krisenregionen ab. Vor allem der Ersatzbedarf an Rüstungsgütern ist riesengroß, weil viele Waffen für Heer, Luftwaffe und Marine gegenwärtig veraltet oder nicht einsatzfähig sind. Nach jüngsten Schätzungen des Bundesverteidigungsministeriums sind in den kommenden Jahren mindestens weitere vier Milliarden Euro nötig, um die Ausrüstung der Streitkräfte in einen modernen Zustand zu versetzen.

          Neben den schrumpfenden Etats setzen heimische Waffenhersteller auch die strengen Exportbeschränkungen unter Druck. Führende Hersteller des Landes vereinbaren daher mit Hochdruck Kooperationen mit ausländischen Partnern, um die strikten Vorgaben möglichst zu umgehen. Vor allem Rheinmetall forcierte in jüngster Zeit sein internationales Geschäft mit Waffen und Munition. Während der Hersteller aus Düsseldorf unlängst Marinemunition an Kunden im Nahen Osten und Nordafrika lieferte, wurden 88 Militärtransporter vom Typ Boxer an die Streitkräfte in Litauen übergeben.. Darüber hinaus beteiligte sich Rheinmetall kürzlich wohl auch an einem Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in der Türkei, das sich auf Bau und Vermarktung von gepanzerten Räder- und Kettenfahrzeugen konzentrieren will.

          Geschäft von BAE könnte durch Amerika angekurbelt werden

          Rheinmetall ist zudem bei großen Rüstungsprojekten wie dem Boxer oder dem Bau des Kampfpanzers „Leopard 2“ mit dem Konkurrenten KMW verbündet, der aber nicht börsennotiert ist. Das Familienunternehmen aus München schloss sich Ende 2015 mit dem französischen Konkurrenten Nexter zur Rüstungsholding KNDS zusammen, die von den Niederlanden aus gesteuert wird. Gemeinsam mit dem Partner aus Paris will KMW den neuen Kampfpanzer „Leopard 3“ bauen, in dessen Entwicklung mindestens 500 Millionen Euro fließen werden.

          --

          -- -- (--)
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Dagegen ist die britische BAE Systems stärker auf Amerika ausgerichtet. Sie könnte von höheren Militärausgaben dort profitieren, erwartet Christian Nedelcu, Analyst der Schweizer Großbank UBS. Warum das so ist, liegt auf der Hand: Die Vereinigten Staaten sind der mit Abstand wichtigste Markt der Briten. BAE Systems erzielte dort im vergangenen Jahr 36 Prozent seines Konzernumsatzes. Kein anderer europäischer Waffenhersteller hat ein so starkes Standbein in Nordamerika. Das Unternehmen beschäftigt dort knapp 30 000 Mitarbeiter und damit mehr als ein Drittel seiner gesamten Belegschaft. Der Rüstungsriese aus Großbritannien baut vor allem Flugzeuge und Schiffe, aber auch Panzer. Wichtigstes Produkt für BAE Systems in Amerika ist der Kampfjet F-35, dessen Beschaffung das größte Rüstungsprogramm der Welt ist.

          Wenn Trump seine Ankündigungen wahrmacht und Amerika in Zukunft wieder deutlich mehr Geld für Waffen ausgibt, könnte dies das Geschäft von BAE Systems ankurbeln. In den vergangenen Jahren war die Entwicklung dagegen eher lahm: 2015 lag der Auftragseingang des Rüstungsherstellers um 23 Prozent niedriger als noch 2013. Der operative Gewinn schrumpfte im selben Zeitraum um 13 Prozent. BAE-Chef Ian King hat schon im Sommer berichtet, das amerikanische Geschäft ziehe an. Ob die Vereinigten Staaten unter Trump wirklich im großen Stil aufrüsten werden, bleibt freilich abzuwarten. Beobachter verweisen darauf, dass dessen Aussagen zur Verteidigungspolitik im Wahlkampf widersprüchlich gewesen seien.

          Weitere Themen

          Vorsicht, negative Zinsen!

          Der Steuertipp : Vorsicht, negative Zinsen!

          Positive Zinsen sind zu versteuern. Aber negative dürfen nicht abgezogen werden. Ein Tipp, wie man mit dem Problem am besten umgeht.

          Topmeldungen

          Ein Gespräch über Dänemark : „Wir haben so viel Angst“

          Seit dem Kollaps von Christian Eriksen in einem EM-Spiel schauen viele auf Dänemark. Die Autorin Katrine Engberg spricht über den tragischen Vorfall, das Glück des Moments und die Zerrissenheit der dänischen Gesellschaft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.