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Nahrungsmittelhersteller : Rally der Südzucker-Aktie zumindest vorerst gestoppt

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Südzucker bekräftigt Ergebnisausblick für 2005/06 Bild: südzucker

Seit Ende Oktober hat die Südzucker-Aktie um 21 Prozent zugelegt - bis zum Rückschlag am Donnerstag. Und die Notiz bleibt zumindest vorerst unter Druck. Denn Südzucker hat im dritten Geschäftsquartal weniger operativ verdient als erwartet.

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          Seit Ende Oktober hat die Südzucker-Aktie um 21 Prozent zugelegt. Im Dezember konnte sie sogar dem anhaltend bullenstarken MDax, in dem sie notiert, etwas davonlaufen (siehe Grafik 1). In den Monaten war sie dem Index zumeist etwas hinterher gehinkt (siehe Grafik 2). Zur Wochenmitte konnte der Titel sogar mit 21,02 Euro ein Rekordhoch auf Schlußkursbasis markieren - bis der Rückschlag am Donnerstag gekommen ist.

          2,8 Prozent auf 20,46 Euro hat die Aktie im Xetra-Handel eingebüßt. Und sie bleibt zumindest vorerst unter Druck. Vorbörslich hat die Aktie beim Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz 3,3 Prozent auf 19,60/ 20,10 Euro verloren. Im frühen regulären Handel ist es um bis zu 2,7 Prozent nach unten gegangen. Der Grund für die Kursverluste: Südzucker hat im dritten Geschäftsquartal operativ weniger verdient als erwartet.

          Operativer Gewinn um 21 Millionen Euro unter Prognose

          Europas größter Zuckerkonzern Südzucker hat im Neun-Monats-Zeitraum des Geschäftsjahres 2005/06, das am 28. Februar endet, eine Einbuße beim Betriebsgewinn erlitten und die Erwartungen der von Reuters befragten Analysten verfehlt. Der Mannheimer Konzern teilte mit, das Betriebsergebnis sei in den Monaten März bis November auf 349 Millionen Euro von 403 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum gesunken. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Betriebsgewinn von 370 Millionen Euro gerechnet. Der Überschuß sank von 106 Millionen Euro auf 99 Millionen Euro, während Analysten im Schnitt mit 90,7 Millionen Euro gerechnet hatten. Der Umsatz von Südzucker legte um 11,1 Prozent auf rund vier Milliarden Euro zu.

          Neben den gestiegenen Energiepreisen hätten auch gesunkene Zuckerexporte auf das Geschäft gedrückt. Zudem fuhr die Bioalkohol-Anlage im ostdeutschen Zeitz weitere Anlaufverluste ein, die das Ergebnis der kleineren Konzernsparte Spezialitäten abermals belasteten. Auch im Schlußquartal sei noch mit Belastungen zu rechnen, warnte das Unternehmen laut Reuters.

          Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet Südzucker mit einem Umsatzzuwachs von zehn Prozent von 4,8 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro. Bisher war ein Plus von neun Prozent in Aussicht gestellt worden. Der Konzern hat zudem die Aussage bekräftigt, das Betriebsergebnis des Vorjahres nicht zu erreichen.

          Günstiger bewertet als europäische Konkurrenten

          Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe nannte das operative Ergebnis enttäuschend. Er hatte mit 369 Millionen Euro gerechnet. „Der Abstand zum Vorjahr hat sich vergrößert“, stellte der Analyst fest. Die von Südzucker genannten Gründe - Preisdruck und hohe Energiekosten - beinhalteten nichts Neues. Damit könnten sich Investoren nicht zufriedengeben. Daß der Periodenüberschuß über den Erwartungen ausgefallen sei, helle das Bild nur ein wenig auf. Denn der Konzern habe nur eine Millionen Euro Steuern gezahlt. „Und das ist nicht gerade üblich“, hob Schlienkamp hervor. Schließlich müsse der Hauptfokus auf dem operativen Ergebnis liegen,

          Dennoch senkt der Analyst nicht den Daumen über Südzucker. Denn im Vergleich mit anderen europäischen Branchenvertretern sei Südzucker mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,8 für 2005/06; so ist Tate & Lyle mit knapp 14 bewertet, die dänische Danisco sogar mit 15,85. Allerdings dürfte das britische Unternehmen eine klar höhere Dividendenrendite bieten: Analysten rechnen mit 3,6 Prozent gegenüber 2,7 Prozent bei Südzucker und 1,5 Prozent bei Danisco.

          Vor diesem Hintergrund rät Schlienkamp zum Halten, gleiches gilt für die Landesbank Rheinland-Pfalz, die das Kursziel bei 22 Euro gesteckt hat und mithin zwei Euro höher als das Bankhaus Lampe. Und mit diesen Empfehlungen dürften Anleger auch gut beraten sein. Schließlich paßt ein so starker Kursanstieg, wie Südzucker ihn gerade hinter sich hat, nicht zu sinkenden Erträgen.

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