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Nach VW-Kurssturz : Turbulente Zeiten für Autoaktien

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Schlechte Zeiten für die Automobilbranche: Der VW-Skandal zieht auch andere Autowerte nach unten. Bild: Bloomberg

Der Chart des Euro Stoxx Automobile & Parts sieht nicht gut aus. Aber das Schlimmste könnte vorbei sein. Die technische Analyse.

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          Seit Tagen sind die Wirtschaftsnachrichten von einem Thema beherrscht: dem Betrug bei Volkswagen (VW). Jeder grübelt, wie es dazu kommen konnte. Die entscheidende Frage scheint aber weniger die nach der Zukunft von Volkswagen zu sein. Sie dürfte, gemessen am Chart der Aktie, mittelfristig schwierig genug werden beziehungsweise bleiben. Viel wichtiger ist die Frage, ob VW isoliert und ein Einzelfall bleiben wird oder ob die Krise dieses Konzerns das Zeug hat, die ganze Branche nachhaltig anzustecken.

          Eine gute Orientierung dafür kann mit Sicherheit der abgebildete Chart des Euro Stoxx Automobile & Parts geben. Er umfasst insgesamt 13 Werte. Die darin vertretenen deutschen Werte machen derzeit rund zwei Drittel seiner Marktkapitalisierung von rund 330 Milliarden Euro aus. VW selbst repräsentiert davon mittlerweile noch etwa 15 Prozent. Die Vermutung liegt nahe, dass eine Aktie allein den Index nicht dauerhaft in größere Mitleidenschaft ziehen kann. Seine Aussichten dürften damit wenigstens bis zu einem gewissen Grad die Perspektiven der europäischen beziehungsweise deutschen Autobauer insgesamt widerspiegeln.

          Um nicht lange um den heißen Brei herumzureden: Dieser Chart sieht nicht gut aus. Mit dem durch VW zu Beginn der Woche ausgelösten Kursrutsch fiel der Euro Stoxx Automobile & Parts unter seinen Aufwärtstrend seit dem Sommer 2011 zurück. Solche Trendbrüche weisen zwar nicht immer unbedingt allein den Weg. Aber es wäre fatal und analytisch nicht zu rechtfertigen, ein solches Signal zu ignorieren. In etwa zwei Drittel aller Fälle ist der Bruch eines so lange währenden, regelmäßig durch die Kursentwicklung bestätigten Aufwärtstrends ein guter Hinweis darauf, dass vor allem mittelfristig erst einmal Schmalhans Küchenmeister werden wird.

          Trendbrüche beenden im Regelfall eine Erfolgsgeschichte und markieren auch sprachlich einen Wendepunkt. Mittelfristig betrachtet, befindet sich der Index der europäischen Autobauer jetzt auf dieser Zeitebene in einem Abwärtstrend. Auch für ihn gilt die erste und wichtigste Regel der technischen Analyse: Kämpfe nie gegen den Trend an. Der Trend ist an den Finanzmärkten der beste und oft einzige Freund eines Anlegers. Gerade auch im Licht anderer hier nicht abgebildeter Instrumente, wird man als technischer Analyst nur zu diesem Ergebnis kommen können: Der Index wird in den nächsten Monaten per Saldo weiter nachgeben. Verluste in der Größenordnung von etwa 10 bis 15 Prozent und der Rückfall auf die Unterstützungen bei 440 Punkten sind nicht aus der Welt.

          Die Zeichen stehen auf Erholung

          Es gibt aber auch gute Nachrichten: Manches spricht dafür, dass in der gigantischen Verkaufswelle der letzten Tage erst einmal alles, was nur irgendwie schlecht und negativ für Volkswagen und die ganze Branche ist oder in Zukunft sein könnte, eingepreist wurde.

          Wer unter diesen Rahmenbedingungen bereit war, sich eine Autoaktie zuzulegen, der hat ein dickes Fell. Deshalb dürften Autoaktien derzeit in Händen angekommen sein, die sich nicht so schnell von Nachrichten gleichbleibend schlechter Qualität beeindrucken lassen werden. Genau deshalb dürfte erst einmal Ruhe einkehren, die in den nächsten Wochen sogar in eine spürbare Erholung des europäischen Autoindex’ münden könnte. Dennoch wird uns die erhebliche Volatilität in dieser Branche und damit auch im Dax erhalten bleiben. Schließlich repräsentieren auch derzeit seine vier Autowerte noch etwa ein Viertel seiner Marktkapitalisierung von derzeit rund 900 Milliarden Euro.

          Auch wenn der nächste Satz angesichts der jüngsten Entwicklung wahrscheinlich ein wenig irritieren könnte: Mittlerweile scheint sich die Lage des Dax’ tatsächlich etwas zu entspannen. Die ersten mittelfristig orientierten Signale stehen jetzt im Chart, der darauf hinweist, dass der jüngste Kursrutsch nicht ins Bodenlose ausufern wird. Allerdings bleibt es sehr fraglich, ob der Dax seine Tiefs schon erreicht beziehungsweise durchschritten hat. Bislang fehlen zum einen die entsprechenden klaren und eindeutigen Signale, die es für eine erfolgreiche Bodenbildung fast immer braucht.

          Zum anderen sind die bislang entstandenen Kursmuster, beurteilt nach dem Regelwerk der Elliott-Wellen, immer noch unbefriedigend. Folgt man ihnen, dann wird der Dax erst nach einer markanten Unterbietung des August-Tiefs bei 9336 Punkten eine echte Chance auf eine nachhaltige Erholung haben. Wir müssen uns darauf einrichten, dass damit kurzfristig Kurse spürbar unter 9000 Punkten verbunden sein könnten.

          Aber auch für den Dax gibt es eine gute Nachricht: Vieles spricht – wie schon beim Euro Stoxx 50 in der vergangenen Woche beschrieben – dafür, dass sich der Dax danach auf breiter Front befestigen wird. Wenn ich wetten müsste, dann würde ich auf einen Jahresschlusskurs deutlich über dem aktuellen Niveau setzen.

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