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Nach erfolgreicher Portugal-Auktion : Bankenaktien haussieren

Im Plus: Die höchsten Kursgewinne verzeichneten die Aktien der spanischen Großbanken Bild: dpa

Die geplante Aufstockung des Euro-Rettungsfonds wurde am Markt als unterstützend für die Bankaktien gewertet. Analysten von JP Morgan sehen europäische Institute dabei im Vorteil gegenüber amerikanischen Wettbewerbern.

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          Die Aktien europäischer Banken haben am Mittwoch haussiert. Händler führten dies auf die am Markt als erfolgreich aufgenommene Anleiheauktion Portugals und die Pläne der EU-Kommission zur Aufstockung des Rettungsfonds zurück. Zudem stuften die Analysten der amerikanischen Investmentbank JP Morgan Cazenove europäische Banken höher ein als deren amerikanische Wettbewerber. Die höchsten Kursgewinne verzeichneten die Aktien der spanischen Großbanken BBVA (plus 8,7 Prozent) und Santander (plus 8,6 Prozent). Auch die Titel italienischer Institute waren gefragt: Der Aktienkurs von Intesa Sanpaolo stieg um 8,6 Prozent und der von Unicredit um 7,5 Prozent. Banktitel führten die Gewinnerlisten an Europas Börsen an. Die Aktien der Commerzbank legten um 4,9 Prozent zu und die der Deutschen Bank um 4,0 Prozent.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor allem die geplante Aufstockung des Euro-Rettungsfonds wurde am Markt als unterstützend für die Bankaktien gewertet. Bislang hat die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) einen Garantierahmen von 440 Milliarden Euro. Darin sind aber Überdeckungen enthalten, die von den Ratingagenturen für eine Top-Bonitätsnote von „AAA“ gefordert wurden. Dadurch reduziert sich die Kreditvergabekapazität des Rettungsfonds auf 250 Milliarden Euro. Sollte nun das Volumen des EFSF ausgeweitet werden, wäre dies eine Entlastung für die Banken. Denn dann nähme die Gefahr von Abschreibungen bei Zahlungsausfällen finanzschwacher Euro-Staaten ab, weil der Rettungsfonds über ein höheres Auffangpotenzial verfügen würde. Allerdings will Brüssel zur langfristigen Finanzierung auch die Banken heranziehen und über eine Bankenabgabe 50 Milliarden Euro einnehmen.

          Amerikanische Banken mit Nachteilen bei Aktienplazierungen

          Eine Bankenabgabe müssen die deutschen Banken bereits in diesem Jahr leisten, die auf dem Jahresabschluss 2010 beruhen wird. In einem Verordnungsentwurf des Finanzministeriums wird die Deckelung der Abgabe auf 15 Prozent des Gewinns aufgehoben, in dem eine Nachzahlungspflicht eingeführt wird. Trotzdem zeigten sich die Aktien deutscher Banken davon unberührt. Dazu hat auch die Studie von JP Morgan Cazenove beigetragen. Die Analysten sehen europäische Banken im Vorteil gegenüber amerikanischen Wettbewerbern.

          Denn in den Vereinigten Staaten wird den Instituten der Eigenhandel weitestgehend untersagt. Von dieser nach dem ehemaligen Chef der amerikanischen Notenbank, Paul Volcker, benannten Volcker-Regel seien europäische Banken aber nicht betroffen. Dies eröffne ihnen ein neues Ertragspotenzial, sind die JP-Morgan-Analysten überzeugt. Denn amerikanische Banken könnten im so genannten Market Making, also der Schaffung von ausreichender Liquidität für Wertpapiere, nicht mehr wie gewohnt tätig werden. Darüber hinaus dürften sie auch Nachteile bei Aktienplazierungen von Unternehmen haben. Denn hier garantieren Banken ein bestimmtes Volumen, in dem sie zum Beispiel in einer Kapitalerhöhung einen Anteil der zu emittierenden Aktien in ihre Bücher nehmen.

          „Das Risiko-Rendite-Verhältnis spricht nun für europäische Investmentbanken“, lautet das Urteil von JP Morgan. Zu den von der Volcker-Regel profitierenden Häusern zählen die Analysten die beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse, die französischen Institute BNP Paribas und Société Générale, die britische Barclays und die Deutsche Bank. Ihrer Ansicht nach wird Goldman Sachs - die amerikanische Investmentbank gilt derzeit noch als führender Bereitsteller von Liquidität an den Finanzmärkten - Einbußen erleiden. Die Aktien von Goldman Sachs stuft JP Morgan von „übergewichten auf „neutral“ herab. „Übergewichten“ lautet die Empfehlung für UBS, Credit Suisse, Morgan Stanley, BNP Paribas und Société Générale. Neutral stufen die Analysten neben Goldman Sachs auch Deutsche Bank und Barclays ein.

          Zuversichtlicher bewerten dagegen die Barclays-Analysten die Deutsche Bank. Sie empfehlen die Aktie überzugewichten, ebenso die BNP-Papiere. Dagegen raten sie UBS- und Credit-Suisse-Titel unterzugewichten. Die Barclays-Analysten erwarten steigende Übernahmeaktivitäten der Unternehmen, von denen die Deutsche Bank profitieren dürfte. Zudem gebe es nach der Postbank-Übernahme mehrere Alternativen, um die Eigenkapitalquoten zu erhöhen. Dazu zählen die Analysten auch den Verkauf der BHW Bausparkasse, einer Tochtergesellschaft der Postbank.

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