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Nach Einkaufstour : Aktie von Lenovo bricht um 16 Prozent ein

Bild: AFP

Der größte PC-Hersteller der Welt Lenovo will sein Server- und Smartphone-Geschäft ausbauen - und hat dazu im Januar Anteile von anderen Unternehmen gekauft. Den Märkten gefällt der neue Kurs aber gar nicht.

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          Der Aktienkurs des chinesischen Computerherstellers Lenovo ist am Dienstag an der Börse in Hongkong um rund 16 Prozent auf 8,41 Hongkong-Dollar abgestürzt. Vorausgegangen waren mehrere Abstufungen der Aktie während der feiertagsbedingten viertägigen Handelspause an der Börse. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg haben Analysten der Großbanken UBS und Morgan Stanley sowie der Wertpapierhäuser Jefferies, JI-Asia und Kim Eng Securities die Aktie herabgestuft. Als wesentlicher Grund wird eine starke Expansionspolitik mit möglicherweise ungünstigen Folgen für die Ertragsentwicklung genannt.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Der Börsenwert des in Peking ansässigen Computerherstellers betrug am Dienstag noch 87 Milliarden Hongkong-Dollar, umgerechnet gut 8 Milliarden Euro.

          Lenovo hatte in der jüngeren Vergangenheit zwei große Akquisitionen von Unternehmen bekanntgegeben, die allerdings noch der behördlichen Genehmigung harren. Zudem kursierten am Dienstag an asiatischen Börsen Gerüchte über eine eventuelle dritte große Transaktion, nachdem ein japanischer Fernsehsender über Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen Lenovo und Sony berichtet hatte. Dieser Bericht sei allerdings ungenau, kommentierte Sony.

          Lenovo hatte in der vergangenen Woche zwei Akquisitionen im Gesamtwert von rund 5 Milliarden Dollar angekündigt, mit denen das Unternehmen seine Abhängigkeit vom Markt mit Personalcomputern verringern will. Vom letztjährigen Gesamtumsatz von 34 Milliarden Dollar entfielen 28,5 Milliarden Dollar auf Personalcomputer. In dieser Sparte ist Lenovo zwar mit einem Anteil von 18 Prozent Weltmarktführer, aber das Geschäft verspricht nach Ansicht vieler Fachleute kein großes Wachstum.

          Daher hatte Lenovo in der vergangenen Woche zunächst den Kauf einer Serversparte des amerikanischen Konzerns IBM abgekündigt. Mit dem 2,3 Milliarden Dollar teuren Erwerb will Lenovo stärker mit Firmenkunden ins Geschäft kommen. Diese Akquisition wurde von den Analysten noch wohlwollend aufgenommen. Wenige Tage später erwarb Lenovo dann allerdings für 2,9 Milliarden Dollar von Google die Handysparte Motorola Mobility.

          Dieser Kauf verdrießt Anleger und Analysten offensichtlich sehr. Lenovo wird damit nach Apple und Samsung zwar der drittgrößte Hersteller von Smartphones in der Welt, aber das Geschäft ist defizitär und dürfte es nach Ansicht mancher Analysten zumindest noch für ein paar Jahre bleiben. Ein Analyst von UBS beschrieb die Akquisition als „notwendiges Übel“.

          Das Handygeschäft ist unter anderem wegen der Wettbewerbsintensität schwierig. Als notwendiges Übel wird es für Lenovo verstanden, weil es die Präsenz des chinesischen Konzerns in den Vereinigten Staaten vergrößert. Denn vom Konzernumsatz von 34 Milliarden Dollar entfielen im vergangenen Jahr 14,5 Milliarden Dollar auf China und 7,5 Milliarden Dollar auf Europa, den Nahen Osten und Afrika. Rechnet man dann noch die Präsenz in anderen asiatischen Ländern hinzu, bleibt für den wichtigen nordamerikanischen Markt kein großer Umsatzanteil mehr übrig.

          Auch an den deutschen Börsen fiel der Aktienkurs von Lenovo deutlich. Die Aktie ist sowohl im Computerhandelssystem Xetra als auch an mehreren Regionalbörsen gelistet. Bis zum Nachmittag wurden am Dienstag in Deutschland rund 6 Millionen Aktien gehandelt.

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