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Nach dem Börsengang der AgBank : China stutzt die Gebühren für internationale Banken

In China ist die Börseneuphorie etwas verflogen: Das Debüt der Bauernbank fiel eher verhalten aus Bild: dpa

China ist unzufrieden mit der Arbeit der Berater beim größten Börsengang der Welt, da die Agricultural Bank offenbar die meisten Investoren allein gefunden hat. Die Regierung hat die Gebühren gekürzt, die von internationalen Banken für die Anlegersuche in Rechnung gestellt wurden.

          China hat am Freitag offenbar die Gebühren um mehr als 30 Prozent gekürzt, die von den internationalen Banken für die Suche nach Anlegern beim bisher größten Börsengang aller Zeiten in Rechnung gestellt wurden. Für die Plazierung von Aktien im Wert von 22,1 Milliarden Dollar der Agricultural Bank of China werden die helfenden Banken nur mit etwa 140 Millionen Dollar anstatt der vereinbarten 205 Millionen Dollar entlohnt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach Informationen der F.A.Z. willigten einige Banken im Konsortium aus Sorge, ihnen könnten demnächst lukrative Aufträge entgehen, in die chinesischen Forderungen schon ein. Das Konsortium wird angeführt von Goldman Sachs, Morgan Stanley und China International Capital. Auch die Deutsche Bank, JP Morgan Chase und Macquarie gehören dazu. Das Börsendebüt der Agricultural Bank of China am Freitag in Hongkong fiel für chinesische Verhältnisse eher verhalten aus. Der erste Börsenkurs wurde 1,6 Prozent höher als der Ausgabepreis festgestellt. Am Tag zuvor bei der Börseneinführung in Schanghai war der Kurs nur um 0,75 Prozent gestiegen. Am Freitag fiel er sogar fast auf den Ausgabepreis zurück. In China ist die Börseneuphorie etwas verflogen. Viele Anleger beunruhigt, dass sich auf den Immobilienmärkten eine Preisblase gebildet haben könnte. Der Aktienindex der Börse Schanghai hat seit Jahresanfang 27 Prozent verloren, der Aktienindex der Börse Hongkong 7,4 Prozent.

          „Transaktion von historischer Bedeutung“

          Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, nahm an der feierlichen Börseneinführung in Hongkong teil und zeigte sich anschließend begeistert. „Dies ist eine Transaktion von historischer Bedeutung. Sie findet in einer Zeit statt, in der die Weichen für das globale Finanzsystem neu gestellt werden. Wir gratulieren dem Unternehmen und seiner Geschäftsleitung zu diesem erfolgreichen Börsengang“, sagte Ackermann. Für die Deutsche Bank sei es eine Ehre, dabei mitgewirkt zu haben. „Die Tatsache, dass wir die einzige ausländische Bank sind, die an den zwei größten Börsengängen aller Zeiten beteiligt war, unterstreicht unsere starke Position in Asien und besonders in China.“

          Durch die Ausgabe neuer Aktien in zwei Tranchen an den Börsen Hongkong und Schanghai hat die Agricultural Bank of China eine Kapitalerhöhung von 19,3 Milliarden Dollar erlöst. Hinzu kommen Aktien aus einem Green Shoe, der das Emissionsvolumen auf 22,1 Milliarden Dollar bringt. Nur wenn die Aktien aus diesem Green Shoe wieder eingezogen werden sollten, wäre der Börsengang der Agricultural Bank of China kleiner als derjenige der bisheriger Rekordhalter. Die Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) hatte im Oktober 2006 durch ihrem Börsengang rund 21,9 Milliarden Dollar erlöst.

          Mehrheit der Aktien im Besitz des Finanzministeriums

          Das nun börsennotierte Aktienpaket der Agricultural Bank macht nur 15 Prozent des gesamten Kapitals der viertgrößten chinesischen Bank aus. China hält auch nach dem Gang an die Börsen in Schanghai und Hongkong 85 Prozent an der Bauernbank. Die Mehrheit der Aktien ist im Besitz des Finanzministeriums in Peking und eines chinesischen Staatsfonds. Insofern ist China in hohem Maße an weiteren Kursgewinnen der Bank-Aktie interessiert. Offensichtlich aber war China unzufrieden mit der Arbeit des Bankenkonsortiums beim Börsengang. Die Agricultural Bank habe allein einen Großteil der Investoren gefunden, sagten Beteiligte der Nachrichtenagentur Bloomberg in Peking.

          Zu den ausländischen Investoren, die beim Börsengang in Hongkong Anteile der Agrarbank zeichneten, gehören die Staatsfonds von Qatar (2,8 Milliarden Dollar) und Kuwait (800 Millionen Dollar), die britischen Standard Chartered Bank (500 Millionen Dollar) und die niederländischen Rabobank (250 Millionen Dollar).

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