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Aktienhandel in Myanmar : Die jüngste Börse Asiens lädt zum Staunen und Handeln ein

Die Börse in Yangon - der offizielle Name von Rangun - ist noch im Versuchsstadium. Bild: AFP

Zeitenwende in Myanmar: Auch Rangun hat nun eine Börse. Gehandelt wird eine einzige Aktie. Doch die Hoffnungen sind groß.

          3 Min.

          Alles ist bereit: Das wuchtige Gebäude frisch gestrichen, die Stufen sind gefegt, Schilder an der Treppe weisen darauf hin, dass das Spucken des roten Betelnusssaftes an diese ehrwürdigen Mauern nicht erlaubt ist. Myanmar, das frühere Burma, meint es ernst: Vor fünf Jahren gab es noch vier verschiedene Wechselkurse. Dollarnoten wurden nur dann angenommen, wenn sie glatt gebügelt waren. Vor zwei Jahren wurden die ersten Geldautomaten aufgestellt. Und nun hat die jüngste Börse Asiens in der Wirtschaftshauptstadt Rangun eröffnet.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Alle Zeichen dort stehen auf Aufschwung. Die Weltbank sagt vorher, Myanmar werde im nächsten Jahr um gut 8 Prozent wachsen. Die Investitionen aus dem Ausland haben mit fast 10 Milliarden Dollar im vergangenen Fiskaljahr (31. März) einen Rekord markiert. Und das Land ist in etwa so groß wie Thailand, die zweitgrößte Volkswirtschaft Südostasiens.

          Ist Thailand heute eine Militärdiktatur, so war es Burma bis in die vergangenen Wochen - allerdings eine Diktatur, die sich Schritt für Schritt selbst auflöst. Noch halten die Generäle die Schlüsselministerien, ziehen die Fäden im Hintergrund. Doch Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi lässt keinen Zweifel daran, dass sie als erste gewählte Chefin der Regierung für ein neues, freies Myanmar eintreten will.

          Damit wird die Börse zum Mahnmal einer freien Wirtschaft, die nicht mehr von den Generälen und ihren Spießgesellen ausgebeutet wird. Und so ist das erste Unternehmen, das als Handelswert auf der blauen Tafel der Börse in Burma auftaucht, denn auch eines der ganz wenigen unverdächtigen im Lande: First Myanmar Investment (FMI) ist das Konglomerat von Serge Pun, dem einzigen Unternehmer des Landes, der als sauber gilt, obwohl er schon zu Zeiten der Diktatur in seiner Heimat aktiv war.

          Heute führen er und sein Sohn nicht nur einen Immobilienkonzern, sondern auch Hotels oder den Handel mit Fahrzeugen von Volkswagen. Die Aktie von Yoma Holding, wie die Schwestergesellschaft heißt, wird schon lange mit mäßigem Erfolg in Singapur und Stuttgart gehandelt. Am Eröffnungstag der Börse kostete das Papier von FMI in Rangun 31.000 Kyat (22,68 Euro), um dann innerhalb von drei Tagen auf 42.000 Kyat zuzulegen. In einem Land, in dem der Mindestlohn im Monat umgerechnet 83,30 Euro beträgt, lässt sich so bei ordentlichem Einsatz schnell ein Jahresverdienst machen.

          Die Börse in Myanmar hat geöffnet.

          Di Lwin Lyin zählt zu den ersten Gewinnern: Mit einem hohen Wetteinsatz hat er gut 600 Dollar gemacht. „Ich habe mir im Internet die Börse in New York angeschaut und wie dort gehandelt wird. So habe ich es auch versucht“, sagt der 24 Jahre alte Student, der Geld zwischenzeitlich in einer Fabrik gemacht hat und nun alles riskierte.

          Nicht jeder, der die Börse in den ersten Tagen besuchte, wollte allerdings gleich sein Glück versuchen. Zwar füllten Dutzende Burmesen mit gebügeltem Oberhemd und Longyi, dem traditionellen Beinkleid, den großen Handelsraum. Doch blickten die meisten recht eingeschüchtert auf die flimmernden Werte auf der elektronischen Tafel, die die Stirnseite des Raums dominiert.

          Aktien statt Gold

          Wer wagte, sein Geld einzusetzen, ging über einen der neuen Broker an die Börse. Vor deren Büros am Hafen bildeten sich lange Schlangen. Die Menschen in Myanmar zählen zwar zu den ärmsten Asiens, doch haben viele aufgrund mangelnder Anlagemöglichkeiten Gold angehäuft, das sie nun aufs Parkett tragen. Dabei bilden die Broker die Börsenneulinge wenigstens insofern aus, als dass sie ihnen raten, ihre Orders mit Limits zu versehen.

          So neu das Gschäftsmodell für Burma auch ist, so kann die Yangon Stock Exchange (YSX) die Geschichte des Landes doch nicht abschütteln. Schon in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wollte das Militär eine Börse gründen, scheiterte damit aber.

          Das Gebäude mit seinen mächtigen Säulen und Aufgängen im einstigen Bankenviertel der früheren Hauptstadt Burmas war einst Außenposten der indischen Notenbank in den Jahren unter britischer Kolonialherrschaft. Und die Myanmar Economic Bank, die den Löwenanteil an der Yangon Stock Exchange hält, steht immer noch unter amerikanischen Sanktionen, die die brutale Herrschaft des Militärs dem Land einbrachten. Die Kanbawza Bank (KBZ), in Myanmar allgegenwärtig, ist eng mit den Militärs verbunden gewesen und wickelt heute die Bargeschäfte für die Börse ab. Und die japanische Börse, die schon 1996 den Generälen Hilfestellung leistete, ist heute auch wieder beteiligt.

          Vorbild Vietnam

          Die junge Börse muss sich nun vor allem um Stabilität bemühen - denn sie wird auch als Symbol für das neue, bessere System empfunden. „Wir können nun feierlich und stolz erklären, dass wir nicht länger zu den zurückgebliebenen Ländern gehören“, sagte Maung Maung Thein, der Chef der Börsenkommission bei der Eröffnung des Hauses.

          Die Börsenführung will alles daransetzen, dass dem Haus das Schicksal der Börsen in den Nachbarländern Laos und Kambodscha erspart bleibt - dort helfen die Südkoreaner. Doch spielt der Handel dort nach anfänglichem Tamtam kaum noch eine Rolle. Das Vorbild für Rangun soll die Börse im vietnamesischen Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt) sein. Zwar gab es dort schwere Einbrüche, doch hat sie sich als Institution behauptet.

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