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Aufnahme in MSCI-Index : Chinas Aktienmarkt erhält den Ritterschlag

Chinas Aktienmarkt hat sich weiter geöffnet. Bild: dpa

Drei Jahre lang hat der berühmte MSCI-Index die Aufnahme chinesischer Aktien verweigert. Nun haben die Amerikaner Chinas Finanzmarkt doch das Vertrauen ausgesprochen. Dabei mehren sich in diesem gerade die Warnzeichen.

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          Bevor es am Dienstag dunkel wurde in Schanghai und die Angestellten der Finanzbranche ihren Wecker auf halb Fünf Uhr morgens stellten, gelobte Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan eine weitere Öffnung der chinesischen Wirtschaft. Wieder einmal.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Als in Asien noch Nacht war, wollte in New York der Indexanbieter MSCI seine Entscheidung verkünden, ob es Chinas Aktien im vierten Anlauf endlich in seinen berühmten Schwellenländerindex geschafft haben. Drei Jahre lang hatten die Amerikaner die Aufnahme von Wertpapieren aus der zweigrößten Wirtschaft der Welt verweigert. Stets hatte die Begründung gelautet: Chinas Finanzmarkt sei zu verschlossen.

          Für diese Sichtweise gibt es gute Gründe. Nicht nur, dass in China in weiten Teilen nur heimische Staatsbanken agieren können. Auch in Börsen hat die Regierung in Peking wiederholt massiv eingegriffen, um die Kurse nach oben zu hieven, koste es, was es wolle.

          Die Währung Renminbi, die Zentralbankchef Zhou eigentlich hatte freier schwanken lassen wollen, wird angesichts ihrer Schwäche wieder streng kontrolliert, was ihre Aufnahme in den Währungskorb der Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds in den Augen mancher Beobachter im Nachhinein ad absurdum geführt hat. Und schließlich hatten ausländische Unternehmen dann auch noch über den Zeitraum von fast einem halben Jahr größte Mühe, Überweisungen aus China hinaus zu tätigen, weil Peking heimlich strenge Kapitalkontrollen angeordnet hatte, um einen Verfall seiner Währung zu verhindern.

          Am Dienstag aber kritisierte Zentralbankchef Zhou auf einem Finanzforum in der Wirtschaftsmetropole Schanghai in scharfen Worten den Protektionismus in der chinesischen Finanzindustrie. Dieser führe zu „Faulheit und Schwäche“, wetterte der weltweit als Befürworter marktwirtschaftlicher Reformen geachtete Zhou. Das koste China Wettbewerbsfähigkeit.

          Chinas Aktienmarkt hat sich weiter geöffnet

          Chinas Währungswächter hatte offensichtlich die richtigen Worte gewählt. In der Nacht zum Mittwoch verkündete in New York MSCI, dass ab Juni kommenden Jahres Chinas so genannte A-Aktien von 222 an den Börsen in Schanghai und Shenzhen notierten Unternehmen in den Schwellenländerindex aufgenommen werden. Diese machen dann dort 0,73 Prozent des Gesamtgewichts aller Aktien aus.

          Der geringe Anteil zeigt, dass die unmittelbaren Folgen für Chinas Aktienmarkt überschaubar sein dürften. Zwar richten viele Investoren auf der Welt – wie etwa amerikanische Pensionsfonds – ihre Anlagestrategie nach dem MSCI-Index aus. Die Summe, die diese verwalten, beträgt Schätzungen zufolge 1,6 Billionen Dollar. Dass nun die Geldströme in den Weltfinanzmärkten nun zum erheblichen Teil ins Reich der Mitte umgeleitet werden, sei jedoch nicht zu erwarten, schreibt etwa der Analyst Yukmin Hui von Credit Suisse. Er beziffert die Summe, die aufgrund der MSCI-Entscheidung nach China fließen könnte, in der ersten Phase auf 11,7 Milliarden Dollar. Die Bank HSBC ist optimistischer und schätzt die Zuflüsse in den kommenden fünf bis zehn Jahren auf 500 Milliarden Dollar.

          Als Begründung für seine Entscheidung gab MSCI an, dass sich Chinas Aktienmarkt weiter geöffnet habe. Auf diesem können Ausländer seit vergangenem Jahr nicht nur über den Umweg Hongkong auf dem Parkett in Schanghai spekulieren, sondern auch in Shenzhen. Bisher war das Interesse des Auslands daran allerdings bescheiden.

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          Für 25 der 222 chinesischen Aktien könnte die Aufnahme in den MSCI nun größere positive Folgen haben, glaubt Analyst Yukmin Hui. Deren ausgebende Unternehmen seien international so wettbewerbsfähig, dass der Handel mit ihren Anteilsscheinen auf die doppelte Umsatzmenge steigen könne.

          Noch weiter eingegrenzt, empfiehlt der Credit Suisse-Analyst zehn Einzelaktien aus China. Darunter befindet sich auch das Papier des Haushaltswarenherstellers Midea aus der südlichen Provinz Guangdong. Deutschen ist das Unternehmen spätestens seit dem vergangenen Jahr ein Begriff: als es gegen massiven Widerstand aus der Bundesregierung den Augsburger Roboterhersteller Kuka übernahm.

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