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Mögliche Zwangsfusionen : Die Rettung der griechischen Banken wird teuer

Rentner vor der National Bank of Greece in Athen: Die Banken leiden unter einem massiven Kapitalabfluss. Bild: dpa

Bis zu 25 Milliarden Euro wollen die Regierungen der Euro-Staaten in die maroden Institute in Griechenland pumpen. Die faulen Kredite reißen große Löcher in die Bilanzen.

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          Der griechische Staat ist zahlungsunfähig, und die Banken des Landes sind es auch. In der jüngsten Vereinbarung der Gläubiger mit Griechenland sind bis zu 25 Milliarden Euro für die Rekapitalisierung der Banken vorgesehen. Den Rahmen für die Notkredite (Ela) hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Montag mit 89 Milliarden Euro unverändert belassen. Die Filialen bleiben geschlossen, die Griechen dürfen je Bankkarte nur 60 Euro am Tag abheben. Wie aus Athener Finanzkreisen verlautet, dürften die Banken mit ihren Barmitteln noch bis höchstens Mittwoch aushalten. Dann müssen sie auch ihre Geldautomaten abstellen. Die Analysten der britischen Bank Barclays erwarten, dass die EZB nach der Abstimmung im griechischen Parlament am Mittwoch, vorausgesetzt eine Mehrheit segnet die nötigen Reformen ab, den Notkreditrahmen wieder etwas ausweiten könnte, um die Versorgung der griechischen Wirtschaft mit Bargeld sicherzustellen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch das ändert nichts an der Frage, wie das griechische Bankensystem gerettet werden kann. Denn die vier größten Banken – National Bank of Greece, Piräus Bank, Alpha Bank und Eurobank – haben zu wenig Eigenkapital und zu viele faule Kredite. Eine Möglichkeit wären Zwangsfusionen, aber zuvor müssen die Banken von der Last der faulen Kredite befreit werden. Ende 2014 brachten es National Bank of Greece, Piräus Bank, Alpha Bank und Eurobank zusammen auf ein Eigenkapital von 28,5 Milliarden Euro. Doch dieser Betrag muss bei realistischer Betrachtung um 13 Milliarden Euro korrigiert werden, denn wesentlicher Kapitalbestandteil sind Forderungen gegenüber dem griechischen Staat, die auf Verlustvorträgen beruhen. Die Garantien des Staates sind aber nichts wert, solange er zahlungsunfähig bleibt. Ende Juni konnte Athen nicht mehr einen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen.

          Faule Kredite übersteigen Eigenkapital der Banken

          Auf den griechischen Banken lastet vor allem das Problem der vielen faulen Kredite nach sechs Jahren Rezession. Mit dem neuen Wirtschaftseinbruch im ersten Halbjahr haben die ausfallgefährdeten Forderungen nochmals zugenommen. Nach Angaben der Ratingagentur Fitch machten die notleidenden Darlehen Ende März 36 Prozent des gesamten Kreditbestands aus. Mit den Bankschließungen und Kapitalverkehrskontrollen dürften auch weitere Unternehmen und Haushalte in die Bredouille geraten sein, weshalb inzwischen der Anteil der faulen Kredite die Marke von 40 Prozent überstiegen hat. Wie aus einer am Montag veröffentlichten Tabelle der Analysten von der Royal Bank of Scotland (RBS) hervorgeht, machen die faulen Kredite ein Vielfaches des um die Steuerforderungen bereinigten Eigenkapitals aus. Bei der National Bank of Greece und der Alpha Bank ist es jeweils das Vierfache, bei der Eurobank fast das Siebenfache und bei der Piräus Bank mehr als das Achtfache.

          Die RBS-Analysten gehen davon aus, dass das Eigenkapital aller vier Banken negativ wäre, wenn es um Steuerforderungen und Kreditverluste bereinigt würde. Das bedeutet, das griechische Bankensystem wäre zahlungsunfähig. Das zeigt sich auch an dem massiven Einlagenabfluss von 40 Milliarden Euro in diesem Jahr. Doch das Vertrauen haben die Griechen schon mit Beginn der Staatsschuldenkrise ihren Banken entzogen. In den vergangenen fünf Jahren, in denen das Land von der Eurogruppe und dem IWF mit Rettungspaketen von mehr als 200 Milliarden Euro über Wasser gehalten wurde, haben sich die Einlagen der griechischen Banken auf 120 Milliarden Euro halbiert. Die Analysten von Barclays schätzen das Volumen der griechischen Einlagensicherung auf gut 4 Milliarden Euro. Das reicht bei weitem nicht, um die Einlagen der griechischen Sparer zu schützen.

          Nun kommt wahrscheinlich die Rekapitalisierung der griechischen Banken mit den 25 Milliarden Euro, die der Rettungsfonds ESM bereitstellen soll. Doch das setzt nach Ansicht der RBS-Analysten zunächst die Haftung aller Nachranganleihen voraus. Nach dieser Rekapitalisierung durch den ESM wären dann die National Bank of Greece und die Eurobank in der Modellrechnung der RBS ausreichend kapitalisiert, während der Piräus Bank noch 1,1 Milliarden Euro und der Alpha Bank 1,4 Milliarden Euro fehlen würden. Dieser Kapitalengpass könnte den RBS-Analysten zufolge durch Zwangsfusionen zwischen den zwei ausreichend kapitalisierten und den beiden schwachen Instituten gelöst werden. Dann würden nur noch zwei Großbanken übrig bleiben. Andernfalls müssten Piräus Bank und Alpha Bank auch noch unbesicherte Anleihen und Einlagen in Anspruch nehmen.

          Jedoch dürfte das Volumen der Kontoeinlagen, die über die europaweit gesetzlich garantierten 100 000 Euro hinausgehen, nach dem Einlagenabfluss deutlich gesunken sein. Die RBS-Analysten schätzen, dass 40 Prozent der Einlagen auf den Konten über 8000 Euro liegen. Sollten diese Guthaben ebenso haften wie unbesicherte Anleihen, wären keine ESM-Mittel nötig. Doch die Haftung von Einlagen, die gesetzlich geschützt sind, dürfte nach Einschätzung der Barclays-Analysten wohl kaum von der Politik abgesegnet werden. Schon bei der Bankenrettung in Zypern musste die Eurogruppe von ihrem ursprünglichen Vorhaben, auch Einlagen unterhalb von 100 000 Euro zu beschneiden, Abstand nehmen.

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