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Möbelindustrie : Aktie der Ellerines Holding günstig bewertet, aber mit Risiken

  • Aktualisiert am

Südafrikas Bevölkerung hat Nachholbedarf Bild: REUTERS

Starke Umsatz- und Gewinnsteigerungen verzeichnet die südafrikanische Möbelkette Ellerines Holdings, die von einem steigenden Wohlstand der Bevölkerung profitiert. Die Aktie erscheint attraktiv bewertet, weist aber auch alle Risiken einer Schwellenländeraktie auf.

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          Möbel sind in Europa nicht unbedingt mehr eine Wachstumsbranche. Das liegt daran, dass sie keinesfalls mehr einen Grundbedarf darstellen. Positionieren können sich Unternehmen nur noch im Design-Bereich oder im Preiskampf. Anders liegen die Dingen in anderen Teilen der Welt, in denen ein Großteil der Bevölkerung noch Nachholbedarf hat, so in Schwellenländern wie Südafrika.

          Möbel sind hier das Traditionsgeschäft der Ellerine Holdings, die bereits seit 56 Jahren am Markt aktiv ist. Durch Übernahmen und Ausweitung des Geschäftsmodells ist das Unternehmen in den vergangenen Jahren gewachsen und bietet außer Einrichtungsgegenständen mittlerweile eine breite Palette von Lifestyle-Produkten und vor allem Finanzdienstleistungen wie Verbraucherkredite und Versicherungsprodukte an.

          Starke Umsatz- und Gewinnsteigerungen

          Das Kreditgeschäft ist mittlerweile zu einer großen Stütze des Geschäfts herangereift. In dem im August zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2005/2006 entfielen lediglich 26 Prozent des Umsatzes auf Barverkäufe, hingegen knapp 58 Prozent auf kreditfinanzierte Geschäfte. Etwa 16 Prozent entfielen auf Versicherungsprodukte und Verbraucherkredite sowie den TV-HiFi-Service der Tochter Early Bird.

          Die Sparten und Marken des Konzerns zielen in ihrer Ausrichtung auf unterschiedliche Einkommensschichten. Während Ellerines und andere Traditionsmarken eher auf das Segment der niedrigen bis mittleren Einkommen zielen und größtenteils auf Kredit verkaufen, wendet sich die Dekorationssparte an die höheren Einkommen und verkauft mehrheitlich gegen bar.

          Die Geschäfte liefen im vergangenen Geschäftsjahr recht gut. Der Umsatz stieg um 79,2 Prozent auf 7,58 Milliarden Rand (rund 812 Millionen Euro). Der operative Gewinn legte um 76,3 Prozent auf 1,27 Milliarden Rand (136 Millionen Euro) zu, der Reingewinn um 63,5 Prozent auf 894,3 Millionen Rand (96 Millionen Euro).

          Ratenverkäufe treiben Margen

          93 Prozent der Umsätze erzielt Ellerines in Südafrika, wo auch das Wachstum mit 81,5 Prozent am stärksten war. Dagegen konnte das Auslandsgeschäft nur um 23,7 Prozent zulegen.

          Das stärkste Wachstum verzeichnet die Sparte Universal Retailing, die sich mit den Marken Beares, Lubners und Geen & Richardsan die mittleren bis höheren und mit Savells und Fairdeal an die unteren Einkommensschichten richtet und ihren Umsatz annähernd vervierfachte. Dazu trugen indes auch zahlreiche Neueröffnungen bei. Auf vergleichbarer Basis betrug das Wachstum dagegen nur 12,4 Prozent im oberen und 16,7 Prozent im unteren Segment.

          Das Hauptgeschäft macht Ellerines mit den unteren Einkommensschichten. Gleichzeitig weist der Bereich die höchsten operativen Margen im Konzern mit 25,6 Prozent in den unteren und 18 Prozent in den gehobenen Einkommensklassen auf. Daran kann nur noch die Finanzdienstleistungssparte mit 24 Prozent anschließen, wohingegen der Bereich „Value Retailing“, in dem Möbel und Haushaltsgeräte für die mittleren und gehobenen Einkommensschichten vertrieben werden, lediglich auf eine Marge von 8,1 Prozent kommt.

          Die höheren Margen erklären sich dabei durch den höheren Anteil der Ratenverkäufe, an denen der Konzern mehr verdient. Das zeigte sich auch im „Value Retailing“. Durch einen Steigerung des Anteils der Ratenverkäufe gegenüber dem Vorjahr von 26,4 auf 29 Prozent konnte die operative Marge gegenüber dem Vorjahr deutlich gesteigert werden.

          Vernünftige Bewertung, langfristiger Aufwärtstrend

          Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte Ellerines auf voll verwässerter Basis einen Gewinn je Aktie von 7,325 Rand. Beim aktuellen Kurs von 78,75 Rand ist die Aktie damit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 10,75 für die Vergangenheit bewertet.

          Für das laufende Geschäftsjahr kalkulieren Analysten mit einem KGV von 8,8 und für das kommende Jahr mit 8. Damit erscheint die Aktie recht vernünftig bewertet. Charttechnisch befindet sich die Aktie in Johannesburg seit Anfang 2003 im Aufwärtstrend. Daran änderte auch der Kurseinbruch im Frühjahr wenig, der lediglich die Übertreibung des Jahresanfangs korrigierte. Danach schwenkte die Aktie wieder in den langfristigen Aufwärtstrend ein. Überdies ist die Dividendenrendite für europäische Verhältnisse von prognostizierten 3,8 Prozent für das laufende und 4,3 Prozent für das kommende Geschäftsjahr nicht zu verachten.

          Seit Ende 2005 wird die Aktie auch an der Börse Berlin-Bremen gehandelt. Indes sind die Umsätze recht dünn und der Kursverlauf darob etwas erratisch. Durch einige wenige relativ große Käufe schoss der Kurs im April vergangenen Jahres von rund acht bis auf 12,44 Euro nach oben. Aufgrund fehlender Anschlusskäufe und der Schwellenländerkrise brach er wieder ein, zumal auch der Rand zu diesem Zeitpunkt stark abwertete.

          Absicherungsstrategien ein Muss

          Seit Oktober folgt er der aktuellen Aufwärtstendenz, die die Notierung in Johannesburg aufweist, nachdem auch die Abwertung des Rands zu Ende ging und dieser wieder fester tendiert. Wer in die Aktie investiert, geht als Euro-Anleger also typische Schwellenländerisiken ein, wozu auch ein Währungsrisiko gehört. Indes dürfte sich der Rand nach der starken Abwertung in der nächsten Zeit eher stabil zeigen, nicht zuletzt weil Südafrika eine feste Währung braucht, um den Druck der importierten Inflation abzuwehren.

          Ellerines Aussichten dürften aufgrund des starken Wachstums des Landes und dem Nachholbedarf vor allem der schwarzen Bevölkerung noch eine Zeitlang gute Geschäfte machen und orientiert sich jetzt auch schon ins nahe Ausland, etwa nach Sambia, wo der Kupferexport die Wirtschaft boomen lässt. Indes hinken die Nachbarstaaten in ihrer Entwicklung noch deutlich hinten nach. Bei der Aktie sind Absicherungsstrategien ein absolutes Muss.

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