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Mode : Inditex-Aktie weiter auf Rekordfahrt

  • Aktualisiert am

Seit diesem Jahr auch in Schanghai: Zara Bild: AFP

Inditex, Mutter der Zara-Modekette, übertrifft zum achten Mal in Folge die Erwartungen der Analysten. Die Aktie trotzt der hohen Bewertung und hat gerade wieder ein neues Rekordhoch erreicht. Wie lange kann das so weitergehen?

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          H&M kennt jeder, Inditex dagegen ist den wenigsten bekannt. Dabei haben die Spanier die Schweden längst als Europas größten Modekonzern überholt. Die stärkste Inditex-Marke dürfte den meisten geläufiger sein: Die Zara-Kette gehört den Spaniern.

          Auch die Aktie dürfte dem ein oder anderen aufgefallen sein, denn der Chart zeigt seit Jahren nach oben: Die Inditex-Titel haben in diesem Jahr mehr als 50 Prozent an Wert gewonnen, die H&M-Aktien dagegen „nur“ 25 Prozent. Am Mittwoch kletterte die Aktie auf ein neues Rekordhoch, am Nachmittag lag sie in Madrid 7,6 Prozent im Plus bei 42,59 Euro (Isin ES0148396015).

          Zu erklären ist das mit guten Quartalszahlen - Inditex übertraf zum achten Mal in Folge die Erwartungen der Analysten. Das Unternehmen verdiente nach Angaben vom Mittwoch in den neun Monaten bis Ende Oktober netto 634 Millionen Euro, das ist gut ein Fünftel mehr als vor einem Jahr. Beim Umsatz verbuchte Inditex ebenfalls einen Anstieg um ein Fünftel auf 5,67 Milliarden Euro.

          Bei Zara im nordspanischen Arteixo

          Rasanter Aufstieg ohne Werbung

          Die Marke Zara steht für relativ billige und äußerst aktuelle Mode für ein eher junges Publikum, ähnlich der schwedischen Konkurrenz H&M, die Inditex im vergangenen Geschäftsjahr (31. Januar) mit einem Umsatz von 6,74 Milliarden Euro erstmals überflügelt hat. Erstaunlich ist, daß Inditex diese Position Aufstieg gänzlich ohne klassische Anzeigen oder Werbespots im Fernsehen geschafft hat.

          Am Anfang - in den siebziger Jahren - stand die Geschäftsidee, den durchschnittlich wenig begüterten Spanierinnen erschwingliche Mode nach teurem Pariser Vorbild zu bieten. Dieser Anfang allerdings war schwer. Nach der Gründung des ersten Zara-Ladens in La Coruña 1975 schaffte es der Gründer Amancio Ortega bis 1979 lediglich, zwei weitere Filialen zu eröffnen. Dann zahlte er seinen damaligen Geschäftspartner, einen Kleiderfabrikanten, aus, und die Erfolgsgeschichte Zara begann.

          Innerhalb von nur einem Jahr eröffnete er sieben weitere Zara-Geschäfte in Galicien, und das Unternehmen arbeitete von nun an mit Gewinn. Sein Kalkül mit der kopierten, günstigen Mode ging auf, weil die Spanierinnen damals zwar noch relativ wenig Geld hatten, sich aber mit der allmählichen Öffnung des Landes dem Modebewußtsein des übrigen Westeuropas anpassen wollten, das sie über eigene Auslandsreisen und die Massenmedien langsam kennenlernten.

          Zahl der Geschäfte seit dem Börsengang verdreifacht

          Bereits Ende der achtziger Jahre gab es in Spanien kaum noch eine größere Stadt ohne Zara-Geschäft. 1988 eröffnete Inditex in Portugal den ersten Laden im Ausland - eine erstaunliche internationale Karriere begann. Seit seinem Börsengang 2001 hat der Konzern die Zahl seiner Geschäfte auf über 3.000 verdreifacht. Die Zahl der Länder mit Inditex-Geschäften verdoppelte sich in dieser Zeit auf 64. Allein in den vergangenen zwölf Monaten schuf das Unternehmen 11.739 neue Stellen, inzwischen arbeiten 65.710 Menschen bei Inditex. In diesem Jahr peilt das Unternehmen 450 Geschäftseröffnungen an und im kommenden Jahr mindestens ebenso viele. H & M betreibt weltweit gut 1.300 Geschäfte.

          Allein mit billigen Modekopien hat Inditex diesen internationalen Aufstieg nicht bewältigen können. Zunächst kam dem Konzern zugute, daß sich Spanien zum internationalen Urlaubsziel entwickelt hat. Daß die Urlauber Zara überhaupt wahrnahmen, lag wesentlich an der Entscheidung Ortegas, sein Geld nicht in die klassische Vermarktung zu stecken, sondern in den besten Lagen Spaniens attraktive Geschäfte zu eröffnen - ein Konzept, das er später auch auf das Ausland übertrug.

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