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Mode/Einzelhandel : Aktie von American Eagle verliert an Chic

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von American Eagle Outfitters an der Nasdaq. Bild:

An der Nasdaq ist die Aktie von American Eagle Outfitters über viele Monate phänomenal gelaufen. Doch seit April verliert sie an Chic. Trotz guter Zahlen ist sie von Analysten abgestuft worden - und aus dem Aufwärtstrend gelaufen.

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          Auch wenn der Branchenriese Gap am Ende vergangener Woche einen Gewinnrückgang gemeldet hat: Mit T-Shirts und Jeans für junge Leute läßt sich in Amerika weiter sehr gutes Geld verdienen. Das beweist American Eagle Outfitters seit vielen Monaten. Das an der Nasdaq gelistete Unternehmen, das mit seinem Angebot vor allem auf Kunden im Alter unter 20 Jahren zielt, meldete vor wenigen Tagen einen Gewinnsprung um mehr als 100 Prozent im Quartalsvergleich. Zudem wurde aus der Chefetage ein unerwartet guter Ausblick verlautbart. Doch am Aktienkurs von American Eagle Outfitters läßt sich dieser Aufwärtstrend im Alltagsgeschäft nicht (mehr) ablesen. Zumindest in jüngster Zeit.

          Denn nachdem sich das Papier über Monate phänomenal entwickelt hatte, hat die Notiz seit gut vier Wochen deutlich an Triebkraft eingebüßt. An Freitag ging sie mit einem Minus von knapp 3,9 Prozent aus dem Handel. Damit hält sie sich zwar über dem Jahrestief von 25,37 Dollar, liegt aber mehr als 13 Prozent unter ihrem im April erreichten Rekordhoch. Zudem ist die Notiz aus dem seit Ende 2003 ausgebildeten Aufwärtstrend gelaufen. Sie testet in diesen Tagen eine charttechnische Unterstützungszone bei etwa 25,50 Dollar. Ein Fall darunter wäre ein weiteres nachteiliges Zeichen.

          Prognose oberhalb der Analystenschätzungen, aber...

          Für das erste Quartal meldete American Eagle Outfitters einen Gewinn von 35 Cents. Das waren nicht nur doppelt soviele Cents wir vor einem Jahr, als der Konzern 0,17 Dollar gemeldet hatte: Analysten hatten lediglich mit einem Periodenergebnis von 34 Cents gerechnet. Folglich hat American Eagle die Erwartungen übertroffen. Die Verkäufe kletterten um 36,7 Prozent auf 454 Millionen Dollar. In Geschäften, die länger als ein Jahr geöffnet sind und deshalb für Verläßlichkeit stehen, legten die Umsätze um 27,1 Prozent zu, wie das Unternehmen mitteilte. Die operative Marge verbesserte sich von 44,7 Prozent auf 48,9 Prozent.

          Auch mit der Gewinnprognose hat das Unternehmen die bisherigen Erwartungen geschlagen. In der Chefetage wird für das zweite Quartal ein Profit von 32 Cents bis 33 Cents erwartet, nach 22 Cents vor einem Jahr. Analysten hatten nach Angaben der Nachrichtenagentur AP zuletzt 31 Cents vorhergesagt sowie einen Umsatz von 472 Millionen Dollar.

          Daß die Aktie angesichts dieser Zahlen nicht abermals durchgestartet ist, mag an der nachlassenden Gewinndynamik und an einem gewissen Argwohn liegen, den Analysten hegen: Stacy Pak von Prudential verwies auf eine „Übersättigung“ des Marktes mit dunklen Bekleidungsstücken, die Mädchen und Jungen in der Schule tragen und entsprechend steigende Lagerbestände. Sie hat deshalb die Aktie von „neutral“ auf „underweight“ abgestuft, wie Bloomberg News berichtet hat. Auch Jeffrey Klinefelter von Piper Jaffray & Co. hat gerade den Daumen etwas gesenkt und dieEinschätzung von American Eagle Outfitters von „outperform“ auf „market perform“ zurückgenommen.

          ...der Kursverlauf spiegelt Zweifel wider

          Die Branchenbeobachter gehen mithin davon aus, daß das Geschäft für Händler von junger, einfacher Mode schwieriger werden dürfte. Ob sie recht behalten, kann nur die Zukunft zeigen. Mit Blick auf American Eagle Outfitters teilt die Börse indes die Zweifel, wie der Kursverlauf vermuten läßt. In einer vergleichbaren Lage befand sich der Titel zuletzt vor etwas mehr als einem Jahr. Seinerzeit war er nach einem - allerdings deutlich kürzeren - Höhenflug ebenfalls in eine Seitwärtsbewegung eingeschwenkt und hatte den Aufwärtstrend verlassen, bevor er eindrucksvoll durchstartete. Allerdings waberten vor einem Jahr auch verstärkte Zinsängste durch die Köpfe von Anlegern. Dies ist zumindest in diesen Tagen angesichts der moderaten Inflationsdaten nicht (mehr) der Fall.

          Die Bewertung kann kein Grund sein, sich von der Aktie abzuwenden. American Eagle Outfitters ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,8 nicht teuer und günstiger als die Konkurrenten Gap (15,2) und Abercrombie & Fitch (18,2). Der Kursverlauf legt aber nahe, den Titel genau zu beobachten. Bei einem Fall unter die genannte charttechnische Unterstützungszone bei 25,50 Dollar dürfte als Zeichen der Schwäche ausgelegt werden und weitere Verkäufe nach sich ziehen. Der nächste kleinere Haltepunkt wäre bei rund 23,65 Dollar. Solange die Unterstützung hält, ist der Titel ebenfalls eine Halteposition. Andernfalls scheinen Gewinnmitnahmen angezeigt.

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