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Mobilfunk-Börsengang : O2 lockt mit 8 Prozent Dividendenrendite

O2 hofft beim Börsengang auf mehr Gedränge als am eigenen Laden Bild: dpa

Der Börsengang der deutschen Telefónica-Tochtergesellschaft ist der größte in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren. Damit er gelingt, sind Preiszugeständnisse nötig.

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          Der Mobilfunkanbieter Telefónica Deutschland mit seiner Marke O2 ist bemüht, für seinen am 30. Oktober geplanten Börsengang genügend Anleger zu finden. Vorstandsvorsitzender René Schuster schlug am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Frankfurt aggressive Töne in Richtung der Konkurrenz an. Mit der Marke O2 wolle man angreifen, das sei ein Teil der Unternehmens-DNA, sagte er. In den vergangenen drei Jahren sei man das am stärksten wachsende Telekommunikationsunternehmen gewesen. Den künftigen Anlegern versprach er, den Wachstumskurs fortzusetzen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          O2 ist die größte Aktienneuemission in Deutschland, seitdem der Aromenhersteller Symrise im Jahr 2006 mit seinem Aktienverkauf 1,4 Milliarden Euro erlöste. Symrise gehört auch zu den wenigen Aktienneuemissionen, mit denen Anleger Geld verdient haben. Von den größten 20 Börsenneulingen seit dem Jahr 2007 weisen nur sechs einen Wertzuwachs zum Emissionspreis aus. Selbst mit eigentlich soliden, in den M-Dax ausgerückten Unternehmen wie dem Hamburger Hafenbetreiber HHLA oder dem S-Dax-Wert Wacker Neuson fuhren Anleger Wertverluste von mehr als 50 Prozent ein. Der Deutsche Aktienindex Dax mit den dreißig größten, in der Regel an der Börse längst etablierten Unternehmen hat dagegen derzeit einen höheren Punktestand als 2008.

          An der Börse noch weitgehend unbekannte Unternehmen müssen etwas Besonderes bieten, um die Anleger beim Börsengang zum Zeichnen zu locken. Das Familienunternehmen Hess hat deshalb seine Preisspanne für sein ebenfalls noch im Oktober geplantes Börsendebüt am Mittwoch um 21 Prozent auf nun 15,50 bis 18,50 je Aktie gesenkt. Offensichtlich lag für diese kleine Neuemission von 2,645 Millionen Aktien zum Ende der Angebotsfrist am Mittwoch noch nicht genug Nachfrage vor. Hess-Aktien können nun noch bis zum 23. Oktober gezeichnet werden.

          Auch der Erstversicherer Talanx, der bisher einzige große und erfolgreiche Börsengang in diesem Jahr, hatte seinen zwischenzeitlich abgebrochenen Börsengang nur deshalb Anfang Oktober noch erfolgreich beenden können, weil die Preisspanne gesenkt worden war. Seither stieg der Kurs der Talanx-Aktie um mehr als 6 Prozent. Damit gehört Talanx zu den sechs großen Börsenneulingen, mit denen die Anleger Geld verdient haben. Auch Telefónica hat bei O2 dem Vernehmen nach Abstriche beim Preis gemacht. Der spanische Mutterkonzern will bis zu 23,17 Prozent der Aktien verkaufen. Zum Mittelwert der mit 5,25 bis 6,50 Euro angesetzten Preisspanne entspricht dies einem Platzierungsvolumen von 1,52 Milliarden Euro. Außer mit langfristigen Wachstumsaussichten lockt O2 Anleger mit hohen kurzfristigen Gewinnausschüttungen.

          Werden die Aktien zum unteren Preis der Angebotsspanne verkauft, so rechnete Finanzchefin Rachel Empey vor, ergibt sich bei rund 0,5 Milliarden Euro Gewinnausschüttung eine Dividendenrendite von 8,5 Prozent. Empey wies darauf hin, dass sich der spanische Mutterkonzern nach dem Börsengang von O2 nicht von weiteren Anteilen trennen will. „Es gibt kein Vorhaben, weitere Aktien zu plazieren“, sagte sie. O2 hatte seine Kundenzahlen zuletzt deutlich gesteigert. Im vergangenen Jahr gewann das Unternehmen mehr als 1,3 Millionen Mobilfunkkunden neu hinzu. Der Umsatz erreichte 5 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis vor Abschreibungen rund 1,1 Milliarden Euro.

          O2 setzt wie die Wettbewerber Vodafone, Deutsche Telekom und E-Plus auf die neue Mobilfunktechnologie LTE, die den UMTS-Standard ablösen und für schnelle Datenübertragungen sorgen soll. Allerdings verweigerte Vorstandsvorsitzender Schuster eine Antwort auf die viele Beobachter interessierende Frage, wie viel O2 der LTE-Ausbau wirklich kostet. Wettbewerber gehen für sich davon aus, dass Milliardeninvestitionen nötig sind. Die gut 1,5 Milliarden Euro aus dem Börsengang kommen jedoch nicht O2 in München zugute, sondern der Muttergesellschaft in Madrid, die damit ihren 58 Milliarden Euro hohen Schuldenberg abbauen will.

          Trotzdem versuchte Schuster Sorgen zu zerstreuen, O2 könne sich den LTE-Ausbau eventuell nicht leisten. Der Ausbau betreffe in erster Linie die Software, sagte er. Daher habe O2 es leichter als Teile der Konkurrenz, die bei ihren älteren Netzen Hardware auswechseln müsse. Zudem sagte er: „Wenn die Frage ist, ob wir genug Geld übrig haben für künftige Investitionen, dann ist die Antwort ja.“ Dabei profitiert O2 von der Tatsache, dass das Unternehmen in den vergangenen Jahren Verluste von 11 Milliarden Euro angehäuft hat und diese mit künftigen Gewinnen verrechnen kann.

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