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Mittelabfluss : Allianz-Aktie - nur bedingt reizvoll

  • Aktualisiert am

Hauptverwaltung der Allianz Bild: Allianz

Die Aktie der Allianz muss am Freitag nach Vorlage des Qaurtalsergebnisses Kursverluste verbuchen. Die Erlöse konnten nur leicht gesteigert werden, während der operative Gewinn um knapp 33 Prozent fiel.

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          Die Aktie des deutschen Versicherungsriesen Allianz konnte sich in den vergangenen Wochen mit einem Plus von knapp 60 Prozent von ihrem Zwischentief im März erholen. Sie schnitt dabei etwas besser ab als der breite Markt, jedoch bei weiten nicht so spektakulär wie andere Finanzwerte.

          Am Freitag verbuchen die Papiere im frühen Handel ein Minus von drei Prozent auf 83,2 Euro, nachdem das Unternehmen Umsatz- und Ertragszahlen für das zweite Quartal des laufenden Jahres vorgelegt hat. Der operative Gewinn fiel um 32,8 Prozent auf 1,79 Milliarden Euro.

          Deutlicher Rückgang des operativen Geschäftes

          Der Nettogewinn ging auf vergleichbarer Basis - ohne Berücksichtigung des Verkaufs der Dresdner Bank - im Verhältnis zu Vorjahresperiode um 16,1 Prozent zurück auf 1,87 Milliarden Euro und der Gewinn je Aktie um 15,7 Prozent auf 4,13 Euro auf verwässerter Basis. Das ist allerdings mehr, als der Markt befürchtet hat.

          Bild: FAZ.NET

          Unter Berücksichtigung von Beteiligungsverkäufen sei der Konzerngewinn um 21 Prozent auf 1,87 Milliarden Euro geklettert, teilte das Unternehmen mit. Hauptgrund war die Verbesserung im nicht-operativen Geschäft - getrieben vom Aufschwung an den Börsen und den weggefallenen Belastungen durch die mittlerweile an die Commerzbank verkaufte Problemtochter Dresdner Bank. Die Allianz hatte sich zuletzt von Anteilen an der chinesischen Bank ICBC getrennt, Analysten schätzen den Buchgewinn für die Transaktion auf rund 700 Millionen Euro. Zudem wurde die Beteiligung am Hamburger Kosmetikhersteller Beiersdorf weitgehend abgebaut. Insgesamt erhöhte sich das nicht-operative Ergebnis von 156 auf 548 Millionen Euro.

          Dank der Erholung an den Aktienmärkten reduzierten sich zudem die Abschreibungen im zweiten Quartal spürbar - auf Wertpapiere von 506 auf 144 Millionen Euro, davon auf Aktien 112 Millionen. Die Allianz, die rund 1,1 Billionen Euro für sich und ihre Kunden anlegt, bleibt aber vorsichtig. Der Konzern sei vorbereitet auf weiter schwierige Zeiten mit niedrigen Renditen am Kapitalmarkt, erklärte Vorstandschef Michael Diekmann. Der Löwenanteil der Gelder steckt in festverzinslichen Wertpapieren. Die Aktienquote wurde seit Jahresbeginn um zwei Punkte auf sieben Prozent zurückgefahren. „Unsere Kapitalausstattung bleibt auf hohem Niveau und unser niedriges Risikoprofil ermöglicht uns, potenziellen Marktverwerfungen standzuhalten“, erklärte Diekmann weiter.

          Schwaches Umsatzwachstum

          Im operativen Geschäft gab es Licht und Schatten. Insgesamt konnten die Erlöse gerade einmal um 2,9 Prozent auf 22,2 Milliarden Euro gesteigert werden. In der Kernsparte Schaden- und Unfallversicherung fiel das Ergebnis um 46,8 Prozent auf 895 Millionen Euro. Gründe dafür waren eine Häufung kleinerer Unwetterschäden sowie Großschäden wie das verheerende Erdbeben in Italien. Die Schaden/Kosten-Quote lag bei verhältnismäßig hohen 98,9 Prozent. Das neue Segment Financial Services verzeichnete ein Minus von 48,8 Prozent auf 146 Millionen Euro. Hier wirkten sich die Anlaufkosten für die neue Allianz Bank negativ aus. Das Verhältnis zwischen Kosten und Erträgen verschlechterte sich deutlich. Aufwärts ging es dagegen in der Leben- und Krankenversicherung, deren Erlöse um 7,5 Prozent auf 11,8 Milliarden gesteigert werden konnte und wo das operative Ergebnis sich um 40,8 Prozent auf 990 Millionen Euro verbesserte.

          Die Allianz sei auf ein herausforderndes Marktumfeld vorbereitet und könne auch von einer Erholung der Märkte profitieren, teilte das Unternehmen zwar mit. Das ist allerdings eine mutige Aussage, angesichts einer tiefen und zuletzt noch gesenkten Aktienquote und des weltweit tiefen Zinsniveaus. Gerade die Zinslandschaft lässt nur vergleichsweise geringe Einnahmen aus Kupons und nur noch beschränkte Kurssteigerungsphantasien zu. Auch operativ sind die Aussichten nicht sonderlich prickelnd.

          So mag die Aktie optisch mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 8,4 und 6,7 zwar günstig aussehen. Die Phantasie jedoch bleibt begrenzt. Interessant ist allenfalls eine Dividendenrendite von 4,8 Prozent, liegt sie doch inzwischen über den Renditen der Anleihen des Unternehmens.

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