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Mischkonzerne : Viel Rauch um Altria-Aktie

  • Aktualisiert am

Haben hohen Schadenersatz von Philipp Morris erstritten: Raucher Bild: dpa

Wo Rauch, ist auch Feuer. Bei Philipp Morris brennt im übertragenden Sinne die Hütte nach einer Geldbuße in Höhe von 10,1 Milliarden Dollar. Die Aktie der Altria Group, zu der Philipp Morris zählt, verliert deswegen an Wert.

          Nackenschlag für die Aktionäre der Altria Group. Der zu diesem Konzern gehörende Zigarettenhersteller Philipp Morris muss eine saftige Strafe hinnehmen. Ein amerikanisches Gericht hat Philipp Morris zur einer Geldbuße von 10,1 Milliarden Dollar verurteilt.

          Der Konzern habe Raucher bewusst durch seine als “light“ gekennzeichneten Produkte getäuscht, befand das Gericht. 7,1 Milliarden Dollar sollen als Ausgleichszahlung an geschädigte Raucher fließen; insgesamt 1,1 Millionen Personen haben Philipp Morris verklagt. Drei Milliarden Dollar soll der Konzern an den Bundesstaat Illinois zahlen und zudem zwölf Milliarden Dollar in Form von Anleihen hinterlegen.

          Der Aktie, die am Freitag noch um 2,19 Prozent zugelegt hatte, bekam diese Nachricht nachbörslich schlecht. Ihr Kurs sackte um sechs Prozent auf glatt 33 Dollar (31,4 Euro) ab. Marktteilnehmer erwartet für Montag weitere Verluste. In Frankfurt hat ihr Kurs kurz nach Handelsbeginn um 5,5 Prozent auf 31,30 Euro nachgegeben.

          Strafe höher als erwartet ausgefallen

          Die Raucher von „Marlboro Light“ und „Cambridge Light“ hätten dadurch geglaubt, dass diese Marken nicht in so starkem Maße gesundheitsschädlich seien wie die regulären Marken, hat das Gericht dem Konzern zu Last gelegt. Es blieb zwar mit seinem Urteil in ersten Prozess dieser Art hinter dem Antrag der Kläger zurück, die eine Ausgleichszahlung von 7,1 Milliarden Dollar und eine Geldbuße in doppelter Höhe gefordert hatten. Doch ist die Summe der Strafzahlungen höher als erwartet.

          „Der Umfang der Strafe stellt eine bedeutsame Herausforderung für Philipp Morris dar, vor allem mit Blick auf die Anleihe“, sagte Martin Feldman, Analyst bei Merrill Lynch. Noch schwerwiegender dürfte aus Sicht von Investoren aber die Perspektive sein: Anleger befürchten nun eine Reihe teurer Urteile, da noch ähnliche Klagen gegen Philipp Morris sowie R.J. Reynolds Tobacco Holdings und British Tobacco laufen.

          Große Unsicherheit um Tabak-Produzenten

          Philipp Morris hat zwar angekündigt, sich an ein Berufungsgericht zu wenden. Das Gericht habe eine haarsträubend hohe Summe einer Gruppe von Rauchern zugesprochen, die keine Schäden beklagten und zudem zu Zigarettenpackungen gegriffen hätten, die stets mit Warnungen des Gesundheitsministeriums bedruckt gewesen seien, argumentiert der Konzern.

          Gleichwohl sehen Analysten vor allem Riskien durch kommende Prozesse mit „Light“-Zigaretten auf Philipp Morris zukommen. Die Höhe des Urteils mache eine Klage auch für andere Raucher attraktiv, meint Matthew Spitzangle, Analyst bei Northern Trust. Zudem leidet die erfolgreichste Marke Marlboro unter einem schwindenden Marktanteil, woran auch Preisnachlässe nichts ändern konnten.

          Altria-Aktie unter Druck

          Die sind ungünstige Voraussetzungen für die Altria-Aktie, die ohnehin längerfristig betrachtet unter Druck steht. Binnen Jahresfrist hat das Papier 56 Prozent an Wert verloren. Es hängt zudem charttechnisch gesehen in einem Abwärtstrend fest, der sich nun verstärkt. Zwar erscheint das Papier mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,7 nicht hoch bewertet zu sein. Doch drängt es sich auf Grund der technischen Lage und der bleibenden Risiken nicht zum Kauf auf. „AltAktionäre“ können sich jedoch ein wenig mit einer ansehnlichen Dividendenrendite von etwa 7,5 Prozent trösten.

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