https://www.faz.net/-gv6-vawm

Mischkonzerne : Siemens-Aktie könnte sich weiter erholen

  • Aktualisiert am

Anleger erwarten wieder Sonnenaufgang bei Siemens Bild: dpa

Die Zahlen, die der Siemens-Konzern für das zweite Geschäftsquartal waren nicht gut - aber besser als erwartet. Und künftig sollen sich die Belastungen in Grenzen halten. Das allein genügt derzeit, um eine weitere Erholung des Kurses zu begünstigen.

          4 Min.

          Der Siemens-Konzern kommt seit Beginn des Schmiergeld-Skandals wirklich nicht mehr zur Ruhe. Am Dienstag erst hatte die mit den Ermittlungen beauftragte amerikanische Kanzlei Debevoise & Plimpton bekannt gegeben, umfangreiche Gesetzesverstöße aufgedeckt zu haben (Ermittler finden Belege für Fehlverhalten in fast allen Bereichen).

          Bislang aber hielten sich immerhin die Geschäftszahlen im grünen Bereich. Doch auch das ist jetzt, wie schon vermutet, anders geworden. Der Mischkonzern hat wegen Problemen bei Großprojekten im von Januar bis März dauernden zweiten Geschäftsquartal gegenüber dem Vorjahresquartal unter dem Strich einen Gewinneinbruch um zwei Drittel auf 412 Millionen Euro hinnehmen müssen, obgleich der Umsatz um ein Prozent auf 18,094 Milliarden Euro stieg.

          Automatisierungstechnik im Aufwind

          Bereits im März hatte Siemens über die Schwierigkeiten bei der Abwicklung von Großaufträgen im Kraftwerksbau, im Bahn- sowie im IT-Geschäft berichtet und seine ursprüngliche Gewinnprognose aufgehoben, ohne eine konkrete Prognose abzugeben.

          Bild: F.A.Z.

          Drei Bereiche machten nun sogar Verluste. Die Bahnsparte litt unter neuen Pannen bei Comino-Straßenbahnen und den Kosten des Transrapid-Projekts in Schanghai. Die Kraftwerkssparte rutschte wegen intern verursachter Verzögerungen in die roten Zahlen. Und auch die IT-Dienstleistung machten Verlust.

          Gut lief das Geschäft in der ertragsstärksten Sparte Automatisierungstechnik, der Medizintechnik und der Sparte Energieübertragung. Die Automatisierungstechnik wies für den Berichtszeitraum mit 16,7 Prozent eine deutlich über den Erwartungen liegende Marge aus und zeigte einen robusten Auftragseingang.

          Belastungen von 857 Millionen Euro

          In der Medizintechnik wirkten sich Kosten im Zusammenhang mit der Übernahme von Dade Behring belastend aus. Eine Verlangsamung zeigte sich auch beim Wachstum von Umsatz- und Auftragseingang. Diese legten auf vergleichbarer Basis nur noch um 2 Prozent oder 1 Prozent, nach 2 Prozent und 5 Prozent im Vorquartal.

          Siemens-Wettbewerber General Electric (GE) hatte vor wenigen Tagen enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt und dieses unter anderem mit einem schwachen Medizintechnikgeschäft im amerikanischen Markt begründet. Philips hatte dagegen deutlich bessere Quartalsergebnisse in der Medizintechnik vorzuweisen.

          „Wir haben nun unsere Projektanalyse im konventionellen Kraftwerksgeschäft abgeschlossen und konnten uns alles in allem ein klares Bild über die Risiken machen“, erklärte Löscher laut Mitteilung. Im zweiten Quartal hätten die Belastungen durch die Probleme mit 857 Millionen Euro auf das Ergebnis gedrückt, rund 900 Millionen Euro hatte man Mitte März prognostiziert.

          Ziele für 2010 bestätigt

          Ursprünglich war Siemens davon ausgegangen, dass das Ergebnis der Bereiche in diesem Geschäftsjahr noch einmal doppelt so schnell wächst wie der Umsatz. Nun sieht alles bedeutend schwächer aus.

          Der Umsatz soll zwar doppelt so stark wachsen wie die Weltwirtschaft. Aber das operative Ergebnis soll nur noch das „Vorjahresniveau erreichen“. Und dabei seien die zu erwarteten Kosten der Korruptionsaffäre und der Umbauprogramme noch nicht berücksichtigt. Diese belasteten den Konzerngewinn mit 506 Millionen Euro. Vorstandschef Löscher betonte aber: „Wir halten an unseren Zielen für 2010 fest.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Clemens Fuest ist seit 2016 Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung.

          Wirtschaft nach Corona : „Die Löhne müssen steigen“

          Nach Corona sieht die Wirtschaft anders aus. Hier spricht der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, über knappe Fachkräfte, die steigende Inflation und kranke Kinder im Kindergarten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.