https://www.faz.net/-gv6-720jr

Minenaktien : Unter Druck

  • -Aktualisiert am

Derzeit läuft es im Bergbau nicht mehr so gut wie einst Bild: AFP

Anleger haben mit Minenaktien derzeit keine Freude. Das Geschäft läuft nicht gut, die Kurse sinken. Neben Europa bereitet auch China Sorgen.

          2 Min.

          Der Marktführer unter den Bergwerkskonzernen hat erhebliche Sorgen: Der australisch-britische Konzern BHP Billiton kämpft mit sinkenden Preisen im Erz- und Kohlemarkt, seinem Kerngeschäft. Auch im amerikanischen Gasgeschäft läuft es nicht gut. Andere Anbieter in der Minenbranche spüren ebenfalls Gegenwind, sie stellen Projekte zurück, denn die Nachfrage sinkt, und die Gewinne geben nach.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mehrere Faktoren belasten das Geschäft von Rohstoff-Förderkonzernen wie BHP Billiton, Vale, Rio Tinto und Anglo American. Die schwache Weltkonjunktur sorgt dafür, dass Industriemetalle wie Kupfer, Aluminium und Platin, aber auch Stahl weniger gefragt sind.

          China ist kein Garant mehr

          Es gibt zudem Unsicherheit wegen der Schuldenkrise in Europa und Unwägbarkeiten bezüglich China. Das Land hatte bisher einen enormen Rohstoffbedarf, davon konnten die Minenkonzerne stets profitieren. Doch nun schwächelt das chinesische Exportwachstum, auch das Importwachstum hat sich verlangsamt. Investoren fürchten, dass der von den wachsenden Schwellenländern angetriebene Rohstoff-Superzyklus an Fahrt verliert.

          Die „goldenen Jahre“ seien für China vorbei, sagte Roberto Castello Branco, Sprecher des größten Eisenerzproduzente Vale am Dienstag und sorgte damit für Druck auf die Aktienkurse in Asien, auch wenn Branco gleichzeitig betonte, man sei weder pessimistisch noch übermäßig optimistisch und gehe davon aus, dass sich das Wachstum in China wieder erholen werde. Sehr negativ sei man hinsichtlich der Wachstumsaussichten für Europa eingestellt.

          Kein Wunder, dass die Aktienkurse der Minenkonzerne unter Druck stehen: Die Anteile von BHP Billiton haben in den vergangenen sechs Monaten an der australischen Börse rund 10 Prozent an Wert verloren. Für Vale, den größten Eisenerzproduzenten, ging es in diesem Zeitraum an der Börse sogar um mehr als 20 Prozent abwärts. Der brasilianische Anbieter meldete kürzlich sein schlechtestes Quartalsergebnis seit zwei Jahren.

          Und der Rio-Tinto-Aktienkurs hat um 8 Prozent nachgegeben. „In den vergangenen zwei Jahren war die Minenbranche wegen steigender Rohstoffpreise sehr verwöhnt“, sagt Credit-Suisse-Analyst Matthias Müller. „Die Unternehmen wagten auch weniger effiziente Projekte, doch nun steht vieles auf dem Prüfstand.“ Mehr noch: „Die Kosten steigen, die Verschuldung vieler Unternehmen in der Minenbranche erhöht sich.“

          Druck dürfte anhalten

          Für Aktienkäufer, die auf Minenwerte setzen, kann das keine Freude sein. Diese Aktien sind generell sehr zyklische Werte, abhängig von Konjunkturlage und Rohstoffnachfrage. Zuletzt lief das gut - vor allem, weil das Geschäft in China Stabilität bot. Doch seit das Land schwächelt, meiden besonders die institutionellen Aktienanleger die Minentitel. „Die Dividendenzahlungen waren bisher ohnehin bescheiden“, sagt Analyst Müller, „da bieten andere Branchen deutlich mehr.“

          Konzerne, die besonders stark auf wenige Rohstoffe fokussiert sind, haben in diesen Zeiten naturgemäß Nachteile: Bei Rio Tinto, dem zweitgrößten Eisenerz-Produzenten, hänge der Gewinn momentan zu 90 Prozent vom Eisenerz ab, berichtet Analyst Müller. Im ersten Halbjahr sank der Gewinn um 34 Prozent. Trotzdem will Rio Tinto dieses Jahr 16 Milliarden Dollar investieren, denn der Preisdruck lasse nach, so das Unternehmen. BHP Billiton hingegen hat auch ein Öl- und Gasgeschäft und ist breiter aufgestellt als manche Wettbewerber.

          Doch nach Meinung von Branchenkennern dürfte der Druck auf die Minenwerte anhalten. Dieses Jahr sollte es wohl noch weitere schlechte Nachrichten geben. Daher sind Anleger auf den 22. August gespannt, dann berichtet Marktführer BHP Billiton über den Geschäftsverlauf.

          Weitere Themen

          Zinsansprüchen in Sparverträgen droht Verjährung

          Geldanlage : Zinsansprüchen in Sparverträgen droht Verjährung

          Ostdeutsche Bankkunden sollten ihre Altverträge prüfen und noch dieses Jahr klagen oder ein Schlichtungsverfahren einleiten, raten Verbraucherschützer. Im Durchschnitt geht es um Ansprüche in vierstelliger Höhe.

          Topmeldungen

          Eine Solarthermie-Anlage auf dem Dach wird mit einer Flüssiggasheizung kombiniert.

          Nachhaltig Wohnen : Unruhe unter Dämmern

          Die Dämmstoffindustrie ist alarmiert. Bauminister rücken von der einseitigen Ausrichtung an der Gebäudedämmung ab. Die Koalitionäre in Berlin sprechen von technologieoffenen Maßnahmen. Ein Paradigmenwechsel steht an.
                        Bald in der Luftwaffe? Eine amerikanische F-18 beim Katapultstart vom Flugzeugträger USS Carl Vinson

          Nukleare Teilhabe : Poker um den Atom-Bomber

          Nach der Einigung im Koalitionsvertrag muss entschieden werden: Sollen amerikanische Bomber oder deutsche Eurofighter in Zukunft die nukleare Teilhabe sichern?
          Demonstranten knien in Frankfurt vor einer Polizeikette

          Impfgegner und Anthroposophie : Höhere Einsichten dank Rudolf Steiner?

          Nach eigener Einschätzung verfügen sie über Spezialwissen, das allen anderen abgeht. Die Milieus der Anthroposophen und der „Querdenker“ haben viele Berührungspunkte. In der Pandemie macht das vieles schwerer.