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Milliarden-IPO : Evonik ist der wertvollste Börsenneuling seit Infineon

Evonik-Fahnen an der Firmenzentrale in Essen Bild: dpa

Nach drei gescheiterten Börsengängen kommt der Essener Chemiekonzern über eine Notierungsaufnahme an die Frankfurter Börse. Der Anteil der frei handelbaren Aktien ist zunächst gering.

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          Der Kurszettel an der Frankfurter Börse ist um ein Schwergewicht reicher: Seit Donnerstag sind die Aktien des Essener Spezialchemiekonzerns Evonik handelbar. Der erste festgestellte Kurs lag bei 33 Euro. Im Handelsverlauf veränderte sich der Kurs kaum. Damit kommt das Unternehmen auf einen Börsenwert von 15,4 Milliarden Euro und damit in etwa so viel wie Adidas und RWE. Es ist damit der wertvollste Börsenneuling seit Infineon im März 2000. Zuvor war nur die Telekom im Jahr 1996 zum Börsenstart wertvoller.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Evonik wird indes eine erfolgreichere Börsengeschichte zugetraut. Im Jahr 2012 erwirtschaftete das Unternehmen bei einem Umsatz von 13,6 Milliarden Euro knapp 1,2 Milliarden Euro Gewinn. Die Gewinnausschüttung an die Aktionäre betrug 425 Millionen Euro beziehungsweise 91 Cent je Aktie. Auch künftig sollen die Anteilseigner mit steigenden Dividenden am Unternehmenserfolg teilhaben.

          Wenig Aktien handelbar

          Nachdem in den Jahren 2008, 2011 und 2012 anvisierte Börsengänge gescheitert waren, haben die Evonik-Großaktionäre RAG-Stiftung und der Luxemburger Finanzinvestor CVC im Februar, März und April Aktien an institutionelle Anleger für rund 2,2 Milliarden Euro verkauft. Damit befinden sich nun noch knapp 68 Prozent der Anteile im Besitz der RAG-Stiftung und knapp 18 Prozent im Besitz von CVC. 14,5 Prozent sind nach Angaben der Deutschen Börse im Streubesitz, darunter 4,6 Prozent in Händen des Staatsfonds von Singapur, Temasek.

          Damit ist die Zahl der frei handelbaren Evonik-Aktien zunächst gering. Es ist jedoch das erklärte Ziel beider Großaktionäre, die Beteiligung sukzessive zu reduzieren. CVC, das 2008 für 2,4 Milliarden Euro ein Viertel an Evonik erworben hatte, will mittelfristig seinen Anteil komplett verkaufen, die RAG-Stiftung auf 25 Prozent reduzieren. Diese latent zum Verkauf stehenden Aktien der beiden Großaktionäre im Wert von derzeit gut 9 Milliarden Euro dürften den Kursanstieg zunächst bremsen.

          In einer ersten Aktieneinschätzung rieten die Analysten von JP Morgan am Donnerstag gleichwohl zum übergewichten der Evonik-Aktie. Das Kursziel wird mit 37 Euro gut 10 Prozent höher als der aktuelle Börsenkurs angegeben. Die Analysten hoben eine sehr gute Marktposition, eine starke Bilanz, eine gewisse Krisenresistenz und ein breites Investitionsprogramm lobend hervor. Im Sommer 2012 wollten die RAG-Stiftung und CVC eigentlich etwa 30 Prozent der Unternehmensanteile für rund 5 Milliarden Euro im Rahmen eines Börsengangs verkaufen, konnten ihre Preisvorstellungen jedoch damals nicht durchsetzen. Seither haben sich die Aktienkurse von Vergleichsunternehmen wie BASF um etwa 30 Prozent erhöht.

          Evonik wurde im Jahr 2006 als sogenannter weißer Bereich aus der Ruhrkohle AG (RAG) herausgelöst und umfasst unter anderem das Chemiegeschäft der ehemaligen Degussa. In der RAG verblieb das Bergbaugeschäft. Die RAG-Stiftung als größter Evonik-Aktionär hat mit ihren Erträgen aus Anteilsverkäufen und Gewinnbeteiligungen vom Jahr 2019 an die Folgekosten des Steinkohlebergbaus zu tragen.

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