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Mikroelektronik : Aktie von Süss Microtech auf schwerem Weg

  • Aktualisiert am

Montage eines Prüfgeräts bei Süss Microtech. Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Auch die Aktie von Süss Microtech war ein Lieblingskind der Zocker vom Neuen Markt. Doch von Kursen von 45 Euro blieben am Schluß fast nur noch Cents. Jetzt feilt die Aktie am Comeback.

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          Wer in den letzten Wochen die Kurslisten der größten Gewinner verfolgte, dem fiel immer wieder ein alter Bekannter ins Auge: Süss Microtech. Die Aktie des Herstellers von Geräten für mikrotechnische Fertigungsverfahren hat seit Anfang Mai um über 50 Prozent von 3,61 Euro bis auf 5,47 Euro zugelegt.

          Was genau der Auslöser der Bewegung nach oben war, ist schwer zu rekonstruieren. Denn Anfang Mai vermeldete das Unternehmen zunächst einmal Quartalszahlen, die unter Plan lagen. Zwar stieg der Umsatz von 19,2 auf 20,7 Millionen Euro und gleichzeitig wurde der Vorsteuerverlust (Ebitda) von 4,3 auf 2,9 Millionen Euro reduziert. Doch der Netto-Verlust bleib unverändert bei fünf Millionen Euro. Analysten rechneten jedoch mit einem Fehlbetrag von lediglich 0,3 Millionen Euro sowie 21,2 Millionen Euro Umsatz.

          Nachrichtenlage drehte sich

          Zudem schrumpfte der Auftragseingang im ersten Quartal von 24,4 auf 23,2 Millionen Euro und für das unlängst zu Ende gegangenen zweiten Quartal wurde ein Umsatzrückgang angekündigt. Auch der Ausblick konnte keine Begeisterung aufkommen lassen, erwartete der Vorstand für das Gesamtjahr doch einen Umsatz lediglich auf Vorjahresniveau, also rund 113 Millionen Euro. Plötzlich wurde die Aktie zum Abstiegskandidaten aus dem TecDax.

          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Süss MIcrotech in den vergangenen fünf Jahren.

          Wenig später begann sich die Nachrichtenlage zu drehen. So druckte das Anlegermagazin „Euro am Sonntag“ ein Interview mit Vorstandschef Stefan Schneidewind, in dem dieser ankündigte, daß die Kooperation mit IBM im kommenden Jahr Aufträge von bis zu 20 Millionen Dollar einbringen werde. Dabei sei man bei den Planungen „sehr konservativ“ gewesen.

          Süss MicroTech und IBM hätten ein neuartiges Verfahren entwickelt, mit dem die Herstellung von Speicherchips umweltfreundlicher und kostengünstiger als bisher möglich sei.

          Positive Stimmung verbreitet

          Das brachte den Kurs, der schon vorher einen kleinen Sprung nach oben gemacht hatte, erst einmal in Fahrt. Und plötzlich wurden die Analysen „bullisher“. Nur eines konnten sie nicht verhindern: Den Abstieg des Titels aus dem TecDax, der am 20. Juni beschlossen wurde.

          Doch allem Gegenwind zum Trotz zeigt sich das Unternehmen positiv gestimmt. Der Internet-Dienst BoerseGo berichtete, Schneidewind habe auf der Hauptversammlung noch für das laufende Geschäftsjahr schwarze Zahlen angekündigt. Der Break Even-Punkt auf Vorsteuerbasis (Ebit) werde bei einem Umsatz von 110 Millionen Euro erreicht. Im Jahr 2006 soll dieses Ziel bereits mit einem Umsatz von 105 Mio. Euro erreicht werden.

          In einem Telefon-Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg begründete Schneidewind dies mit dem voraussichtlichen Erfolgen in diesem Jahr eingeleiteter Restrukturierungserfolge. Der Finanzbrief Neue Märkte berichtete, die Schließung des Werks Asslar und weitere Einsparungen würden vor allem im zweiten Halbjahr über 3,5 Millionen Euro an Einspareffekten bringen.

          Schwerer Weg nach oben

          Eine fundamentale Bewertung der Aktie ist aufgrund fehlender Gewinne naturgemäß etwas schwierig. Leitet man aus den günstigsten Analystenprognosen für 2005 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ab, so liegt dieses bei rund 58. Für 2006 liegt es durchschnittlichen Analystenprognosen für 2006 aus, so ergibt sich ein von aktuell bei 13. Dabei darf allerdings nicht übersehen werden, daß die Spannweite der Schätzungen von 1,27 Euro je Aktie bis zwölf Cents reicht. Filtert man die größten Abweichler vom Durchschnitt heraus, bleibt eine Spannweite von etwas mehr als dem Drei- denn dem Zehnfachen. Das KGV steigt dadurch aber schon auf 17,3 an.

          Insofern ist fraglich, ob die Süss-Aktie wirklich noch Potential nach oben hat. Sie erscheint tatsächlich bereits fair bewertet zu sein - insbesondere wenn man berücksichtigt, daß in den letzten Prognosen der „IBM-Effekt“ bereits bekannt war.

          Auch charttechnisch tut sich die Aktie doch eher schwer. So liegen auf dem Weg zu sechs Euro noch vom Anfang des Jahres herrührende Widerstände. Auch danach wird der Weg bis zum Jahreshoch bei 7,40 Euro nicht leichter. Um richtig Luft zu kriegen, müßte die Aktie erst einmal die Marke von 12,22 Euro knacken. Da das Papier nun aber auch noch aus dem TecDax herausfällt, dürfte das ausgesprochen schwer werden.

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