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Microsoft kauft Nokia : Nicht immer machen Übernahmen Aktionäre reicher

Nokia-Aktien verteuerten sich um bis zu 48,5 Prozent Bild: AP

Der geplante Kauf von Nokia durch Microsoft treibt den Aktienkurs des finnischen Unternehmens. Das ist nicht unüblich: Aktien des Übernahmekandidaten verteuern sich zumeist.

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          Wer am Dienstag die Aktienkurse von Microsoft und Nokia beobachtet hat, wurde an die Lehrbücher der Ökonomie erinnert. Der amerikanische Softwarekonzern will für mehr als 5,4 Milliarden Euro die Handysparte des finnischen Unternehmens kaufen. Daraufhin fiel der Wert der Microsoft-Papiere in der Spitze um rund 6 Prozent, Nokia-Aktien verteuerten sich um bis zu 48,5 Prozent.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Börsianer sehen für den Aufkäufer eine große Herausforderung darin, aus der Übernahme strategischen Nutzen zu ziehen. Der Verkäufer dagegen verfügt erst einmal über mehr Kapital, das er für Investitionen einsetzen oder an seine Aktionäre ausschütten kann.

          Problemkind los

          Mehrere Analysten stuften nach dieser Nachricht die Nokia-Aktie hoch. Die Analysten von Bernstein Research begründeten dies damit, dass Nokia damit ein Problemkind los werde, gleichzeitig aber interessante Vermögenswerte behalte. Die Experten der WGZ Bank rechnen bei Nokia nun mit einer verbesserten Ergebnisqualität. Auch die Deutsche Bank bewertet den Verkauf als positiv, weil sich für Nokia der Kassenstand verbessere. Diese Analysten raten dazu, die Papiere zu halten.

          Beispiele für den Aktienverlauf nach einer Übernahme Bilderstrecke
          Beispiele für den Aktienverlauf nach einer Übernahme :

          So deutlich wie am Dienstag ist der Effekt einer angekündigten Übernahme selten zu beobachten. Denn in der Regel gehen ihr Gerüchte voraus, die den Kurs schon im Vorfeld treiben. Ähnlich lehrbuchmäßig verlief das etwa im Fall der Dresdner Bank. Bevor der Kauf durch die Allianz im Jahr 2001 verkündet wurde, hatte der Kurs der Dresdner binnen einer Woche um ein Viertel zugelegt. Zehn Wochen nach Aufkommen der Gerüchte steigerte er sich insgesamt um ein Drittel. Verhaltener verlief die Entwicklung beim Versicherer (siehe Grafik): Erst nach einigen Tagen aber rutschte der Kurs ins Minus.

          11 Prozent besser als der Gesamtmarkt

          „Solange Gerüchte im Markt sind, lohnt es sich, eine Aktie zu halten“, hat Jörg de Vries-Hippen beobachtet. Wenn eine Nachricht dann tatsächlich verkündet werde, sei sie oft schon in den Kurs eingepreist, so dass von ihr wenig weitere Bewegungen ausgehen, sagt der Leiter des europäischen Aktiengeschäfts bei Allianz Global Investors.

          In der Vergangenheit hat es sich für Anleger häufig gelohnt, schockartige Kursentwicklungen zu nutzen.. „Nur realisierte Gewinne sind echte Gewinne“, sagt de Vries-Hippen. Große Kurszuwächse könne ein Investor etwa nutzen, um seine vorherige Aktienposition wiederherzustellen. Machte ein Wert zuvor 1 Prozent des Portfolios aus und steigt durch ein schockartiges Ereignis auf 1,5 Prozent, müsste man dann so viele Aktien veräußern, dass man hinterher wieder bei 1 Prozent lande.

          Meistens wird alles gut

          Doch allzu oft entwickeln sich bei Kaufankündigungen die Aktien auch gleichgerichtet. So stiegen etwa die Kurse der Rohstoffkonzerne Glencore und Xstrata am Tag der Ankündigung im vergangenen Februar jeweils leicht an. Nach sechs Wochen hatten sich beide Papiere um jeweils knapp 6 Prozent und bis zum letzten Handelstag für Xstrata um 17 Prozent verbilligt.

          Auch als der Zulieferer Continental im Juli 2007 die Automotivesparte von Siemens übernahm, sank der Kurs beider Unternehmen - allerdings nach einem Tag, sechs Wochen und einem halben Jahr jeweils ungefähr doppelt so stark beim Aufkäufer. Nach einem halben Jahr waren es 32 Prozent.

          Zudem hatte sich im Vorfeld des Geschäfts der Kurs bei Siemens um 18 Prozent binnen fünf Wochen stark verbessert, so dass die Entwicklung dem Lehrbuch doch etwas näher kommt. Noch vor zehn Jahren kam eine Studie zu dem Ergebnis, dass sich nur bei einer von 20 Übernahmen der Wert des Unternehmens erhöht hat. Vor sechs Jahren hat dies die Beratungsgesellschaft Tower Perrin aber relativiert: Demnach entwickelte sich der Aktienkurs bei Fusionen innerhalb eines Landes um 11 Prozent besser als der Gesamtmarkt, bei internationalen Deals um 3,6 Prozent schlechter.

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