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Mehr Streubesitz : Hugo Boss ist auf dem Weg in den Dax

Der Name Hugo Boss soll auf der ganzen Welt für Luxus stehen. Bild: Reuters

Der Finanzinvestor Permira verkauft scheibchenweise seine Beteiligung an Hugo Boss. Für den Modekonzern wird damit der Weg bereitet für den Einzug in den Dax.

          Schritt um Schritt zieht sich der Finanzinvestor Permira beim Modekonzern Hugo Boss zurück: In der Nacht zum Freitag hat der Großaktionär noch einmal 4,9 Millionen Aktien zum Kauf angeboten – was bei einem angeblich erzielten Kurs von 102 Euro einem Wert von rund einer halben Milliarde Euro entspricht. Und der nächste Schritt könnte schon in drei Monaten folgen: Nur drei Monate Haltefrist hat der Investor zugesagt.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          In der Vergangenheit hat Permira meist schnell nach dem Ablauf solcher Haltefristen das nächste Paket Boss-Aktien plaziert. Auf diese Weise hat der Großaktionär seinen Anteil allein seit Ende Mai von 56 auf 32 Prozent reduziert – und 1,7 Milliarden Euro dadurch erlöst. Immer wieder wurde spekuliert, ob Permira einen Investor findet, der ein großes Paket zu übernehmen bereit ist. Dazu ist allerdings der Modekonzern mit einem Börsenwert von aktuell mehr als 7,1 Milliarden Euro beinahe schon zu schwer. Sofern ein Käufer sich mit mehr als 30 Prozent beteiligen würde, müsste er ein Übernahmeangebot für alle Aktien vorlegen.

          Für den Modekonzern mit Sitz in Metzingen am Fuß der Schwäbischen Alb ist der Rückzug des Großaktionärs über die Börse durchaus von Bedeutung. Damit mutiert die Hugo Boss AG zu einem Anwärter auf den höchsten deutschen Aktienindes, den Dax.

          Streubesitz steigt auf 66 Prozent

          Mit dem Anstieg des Streubesitzes auf nun 66 Prozent steigt typischerweise auch das Handelsvolumen am Aktienmarkt – und das ist neben dem Börsenwert eines der Kriterien für eine Aufnahme in den Dax, in dem die 30 bedeutendsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands notiert sind. Über die reguläre Anpassung des Index wird das nächste Mal allerdings erst Anfang September 2015 entschieden. Über eine außerordentliche Anpassung könnte Anfang März diskutiert werden, doch dafür gibt es hohe Hürden.

          An der Börse führte der Verkauf eines weiteren Aktienpakets durch Permira zu einem Kursrückgang von dreieinhalb Prozent in einem insgesamt schwachen Markt. In der Vergangenheit waren solche Kursreaktionen allerdings schnell wieder ausgeglichen worden. Seit Jahren ist die Hugo-Boss-Aktie im Aufwärtstrend.

          Allein seit dem August 2008, als der von Permira berufene Vorstandsvorsitzende Claus-Dietrich Lahrs sein Amt antrat, hat sich der Aktienkurs um mehr als 350 Prozent erhöht. Ein Aktionär, der damals 1000 Euro angelegt und die Dividenden reinvestiert hat, hat heute ein Aktienpaket im Wert von gut 5400 Euro. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 30,59 Prozent. Jeweils 60 bis 80 Prozent vom Konzerngewinn wurden in den vergangenen Jahren ausgeschüttet, für das vergangene Jahr erhielten die Anleger 3,34 Euro je Aktie.

          Die Stimmung der Anleger für Hugo Boss war zuletzt dauerhaft so positiv gewesen, dass Lahrs sich veranlasst sah, auf einige Unsicherheiten hinzuweisen, denen sich auch Boss nicht entziehen könne: kriegerische Auseinandersetzungen rund um die Welt, eine abflachende Dynamik in China, Konjunktursorgen in Europa. „In den vergangenen Wochen haben wir die schwache Branchenentwicklung in Europa und die Unsicherheiten in Asien verstärkt auch in unserer Geschäftsentwicklung gespürt“, vermeldete Boss anlässlich der Präsentation der Quartalszahlen Anfang November – und prompt sackte der Kurs um einige Prozent ab.

          Den grundsätzlichen Optimismus lässt sich Boss-Chef Lahrs allerdings nicht nehmen. Er trimmt den Modekonzern, der vor 80 Jahren als Hersteller von Berufskleidung gegründet wurde, konsequent auf Luxus. „Wir werden die Wertigkeit unserer Kernmarke steigern“, kündigte Lahrs jüngst bei einem Investorentreffen in Paris an: Ziel sei es, künftig ein Fünftel des Umsatzes im Luxus-Segment zu erzielen. Auch deswegen wird es für Hugo Boss immer wichtiger, die Mode in eigenen Geschäften zu verkaufen, wo man einen starken Einfluss darauf hat, wie die Kleidung sowie die dazugehörigen Accessoires präsentiert werden. Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil des eigenen Einzelhandels am Gesamtumsatz auf drei Viertel steigen.

          Für dieses Jahr hat Lahrs angekündigt, Boss werde den Umsatz um 6 bis 8 Prozent auf 2,63 Milliarden Euro steigern. Das operative Ergebnis werde um 600 Millionen Euro betragen.

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