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Medizintechnik : Philips kann operativ nicht richtig überzeugen

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Ein Teil des Produktspektrums von Philips Bild: Philips

Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat im zweiten Quartal zwar die geringen Erwartungen des Marktes übertroffen. Allerdings ging die operative Profitabilität zurück. Die Aktie steht schon seit Monaten unter Druck.

          Der niederländische Elektronikkonzern Philips übertrifft mit seinen Zahlen für das zweite Quartal des laufenden Jahres zwar die geringen Erwartungen des Marktes. Allerdings ging die operative Profitabilität angesichts von Belastungen aus Unternehmensverkäufen zurück.

          Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern betrug 325 Millionen Euro nach 337 Millionen Euro vor einem Jahr, wie das Unternehmen am Montag in Amsterdam mitteilte. Der Umsatz stieg gleichzeitig von 6,03 Milliarden Euro auf 6,46 Milliarden Euro. Damit sank die operative Marge von 5,6 auf fünf Prozent.

          Sonderlöse „überschatten“ die operative Entwicklung

          Beim Überschuss musste Philips einen Einbruch von 1,569 Milliarden auf 720 Millionen Euro verkraften. Dabei ist allerdings ein Basiseffekt zu beachten: Der Vorjahreswert war durch einen Milliardenerlös aus dem Verkauf von TSMC-Aktien aufgebläht worden. Aus dieser Transaktion konnte das Unternehmen auch im zweiten Quartal weitere 780 Millionen Euro an Erlösen verbuchen. Dem stand eine Wertberichtigung auf NXP in Höhe von 299 Millionen Euro gegenüber.

          Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Unternehmenswerte sei von 386 Millionen Euro auf 413 Millionen Euro gestiegen, teilte das Philips weiter mit. Bei den einzelnen Sparten konnte Philips beim operativen Ergebnis nur im Lichtsegment zulegen. In der Gesundheitssparte und im Geschäft mit Konsumartikeln ging der operative Gewinn zurück. Den Umsatz konnte das Unternehmen allerdings in allen drei Segmenten ausweiten. Philips bestätigte die mittelfristigen Ziele bis 2010. Demnach soll der Umsatz weiter jährlich um sechs Prozent steigen. Bei der Marge in Bezug auf den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Unternehmenswerte peilt das niederländische Unternehmen einen Wert von 10 bis 11 Prozent an. Im zweiten Quartal hat dieser Wert bei 6,4 Prozent gelegen.

          Philips hat mit den Geschäftszahlen zum zweiten Quartal die Erwartungen von Petercam getroffen. Analyst Eric de Graaf erklärte, die Zahlen seien definitiv nicht sehr schlecht, aber auch nicht besonders gut. Auf den ersten Blick sehe das Ergebnis überraschend gut aus; das sei aber einem Sondergewinn aus dem Verkauf von Immobilien zu verdanken, erläuterte er weiter.

          Schwaches Konsumgütergeschäft mit hohem Umsatzanteil

          Grundsätzlich hören sich die Ziele des Managements ambitioniert an. Allerdings passen die zunehmenden Verluste im Konsumgüterbereich - er steht mit einem Anteil von 43 Prozent am Gesamtumsatz - und schrumpfende Gewinne und Margen im Gesundheitsbereich nicht so richtig ins Bild. 21 Prozent der Erlöse wurden im zweiten Geschäft mit Fernsehern erzielt. Und in diesem Bereich ist der Wettbewerb hart. So findet sich der einzige Lichtblick in der Beleuchtungssparte, die robust und profitabel wächst.

          Aus regionaler Sicht kamen im vergangenen Geschäftsjahr 25 Prozent der Umsätze aus den Vereinigten Staaten, 23,2 Prozent aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden, 6,4 Prozent aus China und 45 Prozent aus der restlichen Welt. Da das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten schwach ist und auch in Europa schwächelt, dürfte operative Dynamik auch bei Philips gebremst werden.

          Die Aktie scheint das in den vergangenen Monaten antizipiert zu haben. Im Rahmen der Kreditkrise ist sie unter den Aufwärtstrend der Jahre 2003 bis 2007 gefallen und inzwischen 41 Prozent unter das Zwischenhoch des vergangenen Jahres gefallen. Der kurzfristige Trend zeigt weiterhin nach unten. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 12,9 und 10,4 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr ist sie zwar optisch relativ günstig. Möglicherweise sind jedoch die Gewinnerwartungen noch zu hoch. So dürfte das Papier erst dann wieder reizvoller werden, wenn sich eine wirtschaftliche Stabilisierung sowie der Erfolg der Unternehmensstrategie abzeichnet.

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