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Medizintechnik : FMC wird mit sensationellem Kurssprung gefeiert

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Fresenius Medical Care ist sein Asbestproblem los. Die Börsianer belohnen die Aktie mit sensationellen Kursgewinnen.

          Das, worauf viele bei Fresenius Medical Care (FMC) hofften, aber nur wenige zu setzen wagten, ist eingetreten: Der Dialysespezialist meldete am Freitagmorgen, sein Asbestproblem los zu sein. Man habe einen Grundsatzvergleich über alle Gläubigeranfechtungsklagen mit Asbest-Klägern in den USA geschlossen. Mit dieser Einigung sei ein eindeutiger und umfassender Haftungsausschluss zu Gunsten von FMC für Anfechtungs- und Asbestforderungen jeglicher Art verbunden.

          Der Dax-Wert reagierte mit einem rekordverdächtigen Kurssprung von mehr als 25 Prozent auf ein Tageshoch bei 45,50 Euro. Um 10.32 Uhr hat sich das Plus auf 22,2 Prozent auf 42,60 Euro ermäßigt. „Die Unsicherheit hatte stets auf dem Wert gelastet, die Nachricht bedeutet eine echte Befreiung“, sagt ein Händler.

          „Damoklesschwert weg“

          Markttteilnehmer heben hervor, dass den Bad Homburgern für die Einigung die schon im vierten Quartal 2001 gebildeten Rückstellungen ausreichen. „Wenn man sich die Schadensersatzklagen in den USA anschaut, ist diese Meldung sehr, sehr positiv zu werten. Damit ist das Damoklesschwert über FMC weg", meint Michael Leineweber, Analyst bei der BW-Bank. Auch Michael King von WestLB Panmure reagiert erfreut: „Ich werde möglicherweise das Kursziel von 45 Euro nach oben korrigieren und die Einstufung von „Neutral“ auf „Buy“ anheben.“ Die SEB hebt das Kursziel für FMC auf 50 von zuvor 40 Euro an und bekräftigt die Einstufung „Strong Buy“. Weitere Vertreter der Zunft dürften es ihnen in den nächsten Stunden und Tagen gleichtun.

          Wahrscheinlich werden aber nur wenige Analysten mit Anpassungen ihrer Gewinnschätzungen reagieren. So ist mit dem heutigen Kurssprung schon ein gewisser Teil vom Kurspotenzial des Papiers verbraucht. Die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 14 für dieses und 12,2 für nächstes Jahr (basierend auf den Gewinnschätzungen von 26 Analysten) lassen das Papier denn auch zwar günstig, aber nicht mehr übermäßig billig erscheinen.

          Nicht nur Asbest-Probleme

          FMC war 1996 aus der Zusammenlegung der Dialysesparte des MDax-Werts Fresenius und von National Medical Care, einer Tochter von W.R. Grace & Co entstanden. W.R. Grace wiederum war direkt im Asbestgeschäft tätig, und wurde in der Folge mit einer Flut von Asbestklagen überhäuft. Nach der Pleite von Grace versuchten die Kläger, Kompensationen von Fresenius Medical Care zu erhalten.

          Anleger sollten auch nicht vergessen, dass für den rasanten Kursverfall - von 70 Euro Anfang Mai bis auf 20 Euro im September - nicht nur die Asbest-Probleme verantwortlich waren. Nicht erfüllbar ehrgeizige Umsatz- und Gewinnprognosen, schleppende Fortschritte im operativen Geschäft und Währungseffekte belasteten das Vertrauen der Börsianer.

          Ende Oktober konnte FMC mit seinen Drittquartalszahlen aber eine Stabilisierung des Geschäfts bestätigen und bekräftigte die Prognose eines Jahresgewinns von 300 Millionen Euro.

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