https://www.faz.net/-gv6-qvic

Medien : Von der Disney-Aktie nicht zuviel erwarten

  • Aktualisiert am

„Fluch der Karibik 2” bringt Disney Millionen Bild: dpa

Die Aktie von Walt Disney hat sich in den vergangenen Monaten prächtig entwickelt und sogar ein neues Fünf-Jahres-Hoch erreicht. Unter anderem das Filmgeschäft läuft prima. Doch das muß nicht so bleiben, wie die Vergangenheit zeigt.

          Ein Rekordgewinn im Geschäftsjahr, Quartalsgewinn verdoppelt, Analystenschätzung übertroffen - was will man mehr? Bei Walt Disney vermissen die Anleger wohl doch etwas, sonst wären die Aktien am Donnerstag nachbörslich nicht um 2,1 Prozent auf 32,89 Dollar gefallen (Isin US2546871060).

          Der nachgebende Kurs könnte mit der Ankündigung zusammenhängen, daß die Steuern das Ergebnis je Aktie im Geschäftsjahr 2007 wohl um stattliche fünf Cent drücken werden. Auch Gewinnmitnahmen sind eine Erklärung, immerhin hatte der Kurs in den vergangenen Tagen kräftig zugelegt.

          „Disney hatte ein spektakuläres Jahr“

          An den Geschäftszahlen jedenfalls gibt es nichts auszusetzen - der amerikanische Medien- und Unterhaltungskonzern verbuchte im Geschäftsjahr 2005/2006 (30. September) schließlich einen Rekordumsatz und -gewinn. Das Unternehmen profitierte vor allem von neuen Erfolgsfilmen seiner Filmstudios, ausgezeichneten Kabelfernsehgewinnen durch seinen Sportkanal ESPN, von hohen Einschaltquoten des Fernsehsenders ABC und guten Freizeitpark-Geschäften.

          Disney-Chef Iger mit einer langjährigen Angestellten

          Disney erhöhte den Jahresgewinn um 33 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) oder 1,64 (Vorjahr: 1,22) Dollar je Aktie. Der Jahresumsatz stieg um sieben Prozent auf 34,3 Milliarden Dollar. „Disney hatte ein spektakuläres Jahr“, erklärte Konzernchef Bob Iger.

          Quartalsgewinn verdoppelt

          Im Schlußquartal legte der Umsatz um 14 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar zu. Der Quartalsgewinn verdoppelte sich auf 782 (379) Millionen Dollar oder 36 (19) Cent je Aktie. Analysten hatten nur mit 33 bis 34 Cent je Aktie gerechnet.

          Der Umsatz der Fernsehsender legte um zehn Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar zu, der Gewinn dieser Sparte stieg um 18 Prozent auf 883 Millionen Dollar. Der Umsatz der Freizeitparks kletterte um acht Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar, der Gewinn schoß geradezu nach oben: um 28 Prozent auf 396 Millionen Dollar.

          „Fluch der Karibik“ als Kassenschlager

          Der Quartalsumsatz der Filmsparte erhöhte sich kräftig um 33 Prozent auf zwei Milliarden Dollar. Der Gewinn belief sich auf 214 Millionen Dollar, im Vorjahresquartal stand noch ein Verlust von 313 Millionen Dollar. In dieser Sparte profitierte Disney von Kassenschlagern wie „Pirates of the Caribbean: Dead Man's Chest“.

          Dieser in Deutschland unter „Fluch der Karibik 2“ laufende Film kostete etwa 225 Millionen Dollar, hat seit seinem Debüt im Juli aber schon mehr als eine Milliarde Dollar eingespielt. Damit ist der Film nach „Titanic“ 1997 und „Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ 2003 der Film mit dem drittgrößten Einspielergebnis der Geschichte. Auch andere Streifen wie „Cars“ aus dem Pixar-Studio spielen hohe Gewinne ein. Die DVD verkaufte sich allein in den ersten fünf Tagen etwa fünf Millionen Mal.

          Nur der Chart spricht für die Aktie

          Passend zu den immer besser laufenden Geschäften erreichte die Aktie am Donnerstag vor Bekanntgabe der Quartalszahlen an der Wall Street ein neues Fünf-Jahres-Hoch bei 33,58 Dollar. Seit dem Tief bei 13,77 Dollar im Jahr 2002 hat sich der Kurs also mehr als verdoppelt. Allein in den vergangenen zwölf Monaten gewann die Aktie in New York mehr als 30 Prozent. Vom Allzeithoch bei mehr als 450 Dollar im Jahr 2000 ist die Notiz freilich meilenweit entfernt.

          Die Charttechnik spricht für die Aktie, denn der langfristige Aufwärtstrend ist intakt. Jüngst hat sich sogar ein deutlich steilerer Trend etabliert. Allerdings ist die Bewertung doch recht stattlich: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung beträgt 19,6 für das laufende und 16,9 für das kommende Geschäftsjahr. Die Analysten stehen dem Wert immer positiver gegenüber, in den vergangenen vier Wochen haben nach Bloomberg-Angaben acht ihre Gewinnschätzungen angehoben, Absenkungen gab es keine.

          Volatiles Geschäft

          Die Disney-Aktie ist also recht teuer geworden. Die jüngsten Gewinnsteigerungen sind erfreulich, aber auch leicht mit dem unerwarteten Erfolg der Filmsparte zu erklären. Wie volatil dieses Geschäft ist, zeigt die Tatsache, daß dieses Segment im letzten Quartal des Vorjahres noch tiefrote Zahlen schrieb. Ob die nächsten Filme ähnlich erfolgreich werden, läßt sich seriös kaum prognostizieren.

          Neben dem Filmgeschäft bürgen weitere Sparten nicht gerade für sichere Gewinnsteigerungen: So haben die Disney-Freizeitparks gerade ihre Feiern zum 50jährigen Bestehen hinter sich, die mehr Publikum als üblich angezogen haben. Konzernchef Iger räumt ein, daß es schwierig werden wird, diesen Erfolg zu wiederholen. Und das Werbegeschäft der Fernsehsender ist ohnehin stark von der Konjunktur abhängig. Folgerichtig zeigt ein Blick auf die langfristige Entwicklung des Konzerngewinns, daß diese alles andere als stetig ist.

          Disney ist ohne Frage gut aufgestellt, und der Aktienkurs ist weit von den Übertreibungen früherer Jahre entfernt. Trotzdem sollten Anleger von Disney nicht zuviel erwarten. Wenn sie investieren, sollte eine Absicherung selbstverständlich sein.

          Weitere Themen

          Microsoft meldet Rekord

          Über Erwartungen von Analysten : Microsoft meldet Rekord

          Das wertvollste Unternehmen der Welt, der Softwarekonzern Microsoft, blickt auf ein gutes Geschäftsjahr zurück und setzt seinen Wachstumskurs fort. Die Börse ist zufrieden.

          Topmeldungen

          Merkels Sommerpressekonferenz : Mit müden Augen und wachem Lächeln

          Die Bundeskanzlerin demonstriert in ihrer traditionellen Sommerpressekonferenz Geschäftsmäßigkeit. Alle Fragen bekommen eine unaufgeregte Antwort. Nur einmal schimmert ein bisschen Stolz auf.
          Immer mehr Menschen verlassen die beiden großen Kirchen in Deutschland.

          Aktuelle Statistik : Zahl der Kirchenaustritte steigt

          Die am Freitag veröffentlichte Mitgliederstatistik zeigt, dass die beiden großen Kirchen in Deutschland weiter Mitglieder verlieren. Aus der katholische Kirche heißt es, dies seien „besorgniserregende“ Zahlen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.