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Medien : News Corp mit Kirch-Fantasie

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Ein Medienriese jagt den anderen Bild: dpa

Eine Übernahme von Kirch wäre ein Coup, der der News Corp-Aktie erhebliches Potenzial eröffnen würde. Aber es gibt eine Reihe von Risiken.

          2 Min.

          Aus zwei Gründen stieg die Aktie der News Corp des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch seit Mittwoch um 15 Prozent auf nunmehr 16,35 Austral-Dollar, den höchsten Stand seit Ende August. Die in Deutschland notierten Anteile legen bis Freitagmittag um 4,4 Prozent auf 9,40 Euro zu.

          Zunächst wurde der Titel durch Hoffnungen beflügelt, dass eine stärker als erwartete Belebung der australischen und der US-Wirtschaft die Umsätze des fünftgrößten Medienkonzerns steigern werde. Die News Corp erzielt zwei Drittel ihrer operativen Gewinne in den USA.

          Übernahmeplan wäre Murdoch durchaus zuzutrauen

          Zum Wochenschluss kommt die Meldung der "Financial Times" dazu, Murdoch habe mit Beratern über eine Vollübernahme der Kirch-Gruppe gesprochen. An der Börse in Sydney kletterte die Aktie um weitere 4,2 Prozent.

          Murdoch habe stets "einen dieser Deals auf dem Tisch", kommentiert Dennis Tighe von der australischen Dresdner RCM Global Investors, der die News Corp-Aktie im Portfolio hält. "Es gibt auch eine gewisse Verstetigung der Erwartungen für den Werbemarkt im Jahr 2002", so Tighe.

          "Aggressive Übernahmestrategie"

          Dem Vernehmen nach spielt News Corp. derzeit eine "aggressive Strategie" durch, wonach die hoch verschuldete Kirch-Gruppe erst in finanzielle Schwierigkeiten getrieben und dann geschluckt werden soll. Eine Spekulation, die jeglicher Grundlage entbehre, kommentiert ein Sprecher von Kirch. Das Interesse von Wettbewerbern an den Assets der Kirch-Gruppe sei allerdings "nachvollziehbar".

          Murdoch ist bereits mit 22 Prozent am defizitären Kirch-Pay-TV-Sender Premiere World beteiligt. Nach einer Vereinbarung beider Seiten kann Murdoch verlangen, dass der Münchner Medienhändler ihm diesen Anteil ab Oktober kommenden Jahres wieder abkauft. Dazu müsste Kirch der "Financial Times" zufolge rund zwei Milliarden Euro aufbringen. Sollte das Unternehmen die Forderung nicht erfüllen können, wäre demnach eine Übernahme der Kontrolle durch Murdoch möglich.

          Über die Verschuldung der weit verzweigten Kirch-Gruppe wird immer wieder spekuliert. Weil es sich fast ausschließlich um nicht börsennotierte Unternehmen handelt, muss diese nicht offen gelegt werden. Die Gruppe hatte im Vorfeld der mit der börsennotierten Kirch-Senderfamilie ProSiebenSAT1 Media geplanten Fusion mit der KirchMedia GmbH & Co KGaA deren Schulden im Oktober erstmals offengelegt. Sie sollen sich auf 4,4 Milliarden Mark belaufen.

          Einstieg spekulativ

          Alles in allem wäre eine Übernahme von Kirch ein Coup, der der News Corp-Aktie auf dem derzeitigen Niveau noch erhebliches Potenzial eröffnen würde. Aber die Fantasie ist durchaus wichtiger als der Schritt selbst: Ob die Übernahme tatsächlich möglich ist und sich langfristig auszahlen würde, steht auf einem anderen Blatt.

          Allerdings sind die Unsicherheiten vielfältig: Sollte eine Übernahme tatsächlich geplant sein und gelingen, müsste Murdoch angesichts der weiten Verzweigung der beiden Imperien zahlreiche kartellrechtliche Hürden auf nationaler wie internationaler Ebene nehmen.

          Und zusätzlich zu den nicht vollständig zu beziffernden Kirch-Schulden kämen noch die durch den Milliarden-Deal vergrößerten Murdoch-Schulden dazu - auch angesichts der Konjunkturlage ein von keinem Analysten der Welt abwägbares Risiko.

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