https://www.faz.net/-gv6-qxxw

Medien : IMS-Übernahme bringt VNU kaum weiter

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt die Kursenwicklung der Aktie von VNU in den vergangenen Jahren in Euro Bild:

Das niederländische Medien- und Marktforschungsunternehmen VNU ist dabei, in Amerika eine größere Akquisition zu tätigen. Allerdings ist sie nicht gerade günstig und auch VNU hat bisher nicht gerade überzeugt.

          3 Min.

          Mit einem Kursverlust von 4,33 Prozent auf 22,34 Euro reagiert am Montag die Aktie des niederländischen Medienkonzerns VNU auf die Mitteilung, den amerikanischen Datenanbieter IMS Health für 6,3 Milliarden Dollar oder umgerechnet 5,25 Milliarden Euro übernehmen zu wollen.

          Damit würde das Unternehmen, zu dem das Marktforschungsinstitut ACNielsen gehört, zur weltweiten Nummer eins für Pharma-Marktforschung aufsteigen. Für jede IMS-Aktie zahlt VNU 11,25 Dollar in bar plus 0,60415 VNU-Aktien. Damit liegt der Preis bei 28,10 Dollar je IMS-Aktie, was einem Aufschlag von 8,5 Prozent zum Schlußkurs vom vergangenen Freitag entspricht. Inklusive der Übernahme von Schulden sei die Transaktion mit 7 Milliarden Dollar zu bewerten, teilte VNU mit.

          "Wachstum einkaufen, wenn auch nicht gerade günstig"

          "Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob sie Wachstum einkaufen, wenn auch nicht gerade günstig", sagt Lucy MacDonald, die als Chief Investment Officer für die Kapitalanlagen von RCM verantwortlich ist der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Kaufpreis entspricht dem 4,1fachen des Umsatzes von IMS.

          Der Chart zeigt die Kursenwicklung der Aktie von IMS Health in den vergangenen Jahren in Dollar
          Der Chart zeigt die Kursenwicklung der Aktie von IMS Health in den vergangenen Jahren in Dollar :

          Für VNU ist die Übernahme des amerikanischen Datenanbieters, der die meisten Pharmakonzerne mit Analysen beliefert, die bislang größte in der Geschichte des 1954 gegründeten Konzerns. In den letzten Jahren war vor allem das Marktforschungsgeschäft verstärkt worden, wohingegen europäische Tageszeitungen im Zuge der Fokussierung auf die Vereinigten Staaten verkauft wurden. Um die Abhängigkeit vom Anzeigenumsatz zu verringern, hatte sich VNU-Vorstandschef Rob Van den Bergh im November 2004 von der Tochtergesellschaft World Directories getrennt. Bereits im Jahr 2001 wurde der Marktforscher ACNielsen für 2,3 Milliarden Dollar übernommen. VNU zahlte damals das 1,4fache vom Umsatz für AC Nielsen.

          Die Übernahme "gibt uns den Rahmen und die Möglichkeiten, den wachsenden Marktforschungsbedarf unserer Kunden, die wichtige Geschäftsentscheidungen treffen müssen, zu decken", teilte Van den Bergh mit. Er wird nach Abschluß der Transaktion das Unternehmen weiter leiten. David Carlucci, Vorstandsvorsitzender und Präsident von IMS, wird stellvertretender Vorstandschef und übernimmt als Chief Operating Officer die Verantwortung für das Tagesgeschäft. IMS zähle "so ziemlich alle großen Pharmakonzerne der Welt" zu seinen Kunden, sagte Carlucci in einer Telefonkonferenz.

          Strategie der VNU muß erst noch überzeugen

          "Das ist ein großer Schritt für VNU und für IMS, aber ich denke, es ist der richtige Schritt, in strategischer und in finanzieller Hinsicht", betonte Van den Bergh, der den Konzern seit 2002 von New York aus lenkt. Im dritten Jahr nach ihrem Abschluß werde die Übernahme den Umsatz um 125 Millionen Euro erhöhen und die Kosten um 85 Millionen Euro senken, sagte Van den Bergh. Auf Amerika werden 57 Prozent vom Umsatz entfallen. Wäre der Schulterschluß 2004 erfolgt, hätten VNU und IMS einen Jahresumsatz von 4,7 Milliarden Euro und ein EBITDA von 1,1 Milliarden Euro eingefahren, teilten beide mit.

          Wie VNU am Montag außerdem mitteilte, sollen eigene Aktien im Wert von 500 Millionen Euro zurückgekauft werden. Der Rückkauf werde bis 2008 zu jährlichen Einsparungen beim EBITDA von 110 Millionen Euro führen. Die damit verbundenen Kosten, von denen das Gros 2006 und 2007 anfällt, wurden mit 150 Millionen Euro angegeben. Credit Suisse First Boston, Evercore Partners, ABN Amro Bank NV und Deutsche Bank AG haben VNU bei der Übernahme finanziell beraten. VNU hat sich einen Überbrückungskredit in Höhe von 2,5 Milliarden Euro gesichert. UBS Investment Bank und Gleacher Partners standen IMS als Finanzberater zur Seite.

          Was von den Managern der beiden Unternehmen so positiv dargestellt wird, stößt allerdings nicht überall auf positive Resonanz. „Ich glaube nicht, daß das ein gutes Geschäft ist,“ sagte beispielsweise Fondsmanager Corne Van Zeijl von SNS Asset Management. Die beiden Unternehmen seien in unterschiedlichen Geschäftsfeldern tätig. Aus diesem Grund sehe er nicht, wie die genannten Synergien gehoben werden könnten. Auch die Tatsache, daß der Aktienkurs von IMS Health nicht zum gebotenen Preis steigt, stimmt etwas skeptisch.

          Gleichzeitig konnte VNU in den vergangenen Jahren weder mit der Umsatz- noch mit der Gewinnentwicklung richtig überzeugen. Der langfristige Chart zeigt nach unten und deutet allenfalls eine Bodenbildung knapp über 20 Euro an. Kurs-Gewinnverhältnisse von 16m25 und 14 auf Basis der bisherigen Gewinnschätzungen und eine Dividendenrendite von knapp 2,5 Prozent dürften dazu beigetragen haben. Allerdings fragt es sich, ob es weise ist, in den überkonsumierten amerikanischen Markt zu diesem Zeitpunkt einzusteigen. Die Aktie dürfte erst dann interessant werden, wenn sich das abzeichnet und wenn sie mehr charttechnische Dynamik nach oben zeigt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kritisierte Meuthens Rede als „spalterisch“: der Vorsitzende der Bundestagsfraktion und AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland

          AfD-Parteitag : Gauland schlägt zurück

          Für seine Kampfansage an die Radikalen muss der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen heftige Kritik einstecken. Fraktionschef Alexander Gauland rügt Meuthens Rede als „Verbeugung vor dem Verfassungsschutz“ – dabei müsse die AfD gegen diesen „kämpfen“.

          Verletzte und Festnahmen : Zehntausende Menschen protestieren in Frankreich

          In Paris bauten Demonstranten Barrikaden und bewarfen Polizisten mit Steinen. Mehrere wurden verletzt. Die Demos richteten sich gegen Polizeigewalt und das umstrittene Sicherheitsgesetz. Die Organisatoren sprechen von 500.000 Teilnehmern im ganzen Land.
          Kaum zu glauben: Marco Reus unterliegt mit der Borussia gegen Köln.

          Überraschende BVB-Pleite : Dortmunder Debakel gegen Krisenklub

          Mit einem Sieg hätte die Borussia an der Bundesliga-Tabellenspitze Druck auf den FC Bayern machen können. Stattdessen unterliegt der BVB dem abgeschlagenen 1. FC Köln. Erling Haaland vergibt in der Nachspielzeit eine Großchance.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.