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Medien-Aktien : ProSieben für Privatanleger uninteressant

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Die Börse hat ihr Urteil bereits gefällt. Vom Zusammenschluss zwischen ProSiebenSat1 und Kirch Media profitiert nur einer: Großaktionär Leo Kirch.

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          An der Börse gibt es immer Gewinner und Verlierer. So ist es auch jetzt wieder bei der geplanten Verschmelzung zwischen ProSiebenSat1 Media und der Kirch Media GmbH & Co KGaA.

          Hauptgewinner bei diesem Spiel ist Leo Kirch. Trotz derzeit verstopfter Kapitalmärkte gelingt ihm durch diesen Schachzug der Gang an die Börse. Außerdem spart er sich die Kosten des Börsengangs. Und vor allem wird Kirch bei der Erstellung der Bewertungsgutachten vermutlich nichts anbrennen lassen. Mit einer großzügigen Behandlung können die ProSieben-Anteilseigener jedenfalls nicht rechnen, schließlich hat Kirch nichts zu verschenken. Zumal es immer wieder Gerüchte über die Liquiditätsengpässe im Kirch-Imperium gibt.

          Freie Aktionäre als Verlierer

          Eindeutig auf der Verliererseite stehen dagegen die freien Aktionäre von ProSiebenSat1. Schon am Donnerstag, als Gerüchte über den Zusammenschluss aufkamen, bekamen sie die Quittung. Ihre Aktie gab letztlich um 15,25 Prozent auf 10 Euro nach. Dieser Trend setzt sich am Freitag fort. Gegen Mittag fällt der Titel um rund weitere 20 Prozent auf nur noch acht Euro. Damit beläuft sich das Kursminus seit 6. September 2000, als im Hoch 44,69 Euro erreicht wurden, auf über 82 Prozent. Geknackt ist dadurch auch das bisherige Rekordtief von 8,82 Euro vom 1. November 1999.

          Der Kursrutsch belegt eindrucksvoll, dass der Deal auf wenig Gegenliebe stößt. Auch Analysten äußern sich meist zurückhaltend. Für Skepsis sorgt die ungelöste Bewertungsfrage und die Befürchtung, das neue Gebilde könnte den Kirch-Gepflogenheiten entsprechend undurchsichtig, wenig transparent und verschlossen werden. Unvorteilhaft ist auch der vermutlich weiter sinkenden Streubesitzanteil. Und als Belastungsfaktor wird bis auf weiteres auch immer die Sorgen um eine baldige Kapitalerhöhung die Aktie umschwirren.

          Meist negative Analystenurteile

          Für Merrill Lynch waren diese Unsicherheiten Anlass genug, die langfristige Einschätzung auf Neutral von Kaufen zurückzunehmen. Auch Markus Wallner von HSBC Trinkaus gibt sich zurückhaltend: „Bei ProSieben überwiegen die negativen Aspekte“, so sein Urteil. Nur die Commerzbank, die den Zusammenschluss als strategisch sinnvoll bezeichnet, kam es zu einer Hochstufung von Reduzieren auf Halten.

          Aber ganz egal wer von den Analysten letztlich Recht behält. Für Privatanleger sollte es bei der Geldanlage auch darauf ankommen, wie sie behandelt werden. Und da die Kirch-Gruppe bisher nicht als sehr auskunftsfreudig bekannt ist, sollten Privatanleger den Wert bis auf weiteres meiden. Und zwar obwohl die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,8 auf Basis der für das Jahr 2002 geschätzten Gewinne je Aktie von 0,74 Euro inzwischen wieder attraktiver ist.

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