https://www.faz.net/-gv6-12dbd

MDax : Die Nebenwerte liegen in diesem Jahr in Führung

Mit Kapital gestärkt: Das Rhön-Klinikum in Bad Neustadt an der Saale Bild: dpa

Erstmals seit dem Jahr 2006 hat der MDax den Dax wieder überrundet. Zyklische Aktien sind besonders gefragt. Eine Renaissance der Nebenwerte sei dies jedoch nicht, sagen Analysten.

          3 Min.

          In diesem Jahr sind die Nebenwerte den großen Standardaktien wieder ein Stück weit vorausgeeilt. Zuletzt lagen sie 2006 vorn, in den beiden Folgejahren war das anders. Während nun der M-Dax der mittelgroßen Aktiengesellschaften seit Jahresbeginn 12,7 Prozent zugelegt hat, kommt der Dax auf einen Indexgewinn von 9,9 Prozent. Ohne die beiden größten Kursverlierer unter den deutschen Aktien überhaupt - den Handelskonzern Arcandor und den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate - stünde der Nebenwerteindex sogar noch ein bisschen höher. In der Nähe ihrer Jahreshochs befinden sich gleichwohl beide, Dax wie M-Dax.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          „Rechnet man die Kursverluste von Arcandor und Hypo Real Estate, die beide ein hohes Gewicht haben, aus der Entwicklung des M-Dax heraus, läge der Index noch 5 Prozentpunkte höher“, schätzt Christoph Schlienkamp, Nebenwertespezialist des Bankhauses Lampe. Insgesamt hätten sich mit dem Durchschreiten der wirtschaftlichen Talsohle die konjunkturabhängigen, also zyklischen Aktien besser entwickelt als die defensiven. Dies sei typisch für solche Phasen. Das Gewinnmomentum sei hier höher.

          Keine grundsätzliche Renaissance der kleineren Aktienwerte

          „In den vergangenen Jahren hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass die Nebenwerte noch zyklischer sind als die Standardaktien“, begründet Carsten Klude, Aktienstratege von M.M. Warburg, die überdurchschnittlichen Gewinne des M-Dax. Daher habe dieser Index im wirtschaftlichen Aufschwung von 2003 bis in das Jahr 2007 hinein den Dax immer wieder überrundet. Bis Ende März dieses Jahres hat der M-Dax im Abschwung zunächst deutlicher verloren als das führende deutsche Marktbarometer. „Mit der Hoffnung auf eine konjunkturelle Besserung, die inzwischen von zahlreichen wirtschaftlichen Daten und Unternehmenszahlen untermauert wird, hat das Pendel dann schließlich in die andere Richtung ausgeschlagen und die Nebenwerte überproportional im Kurs steigen lassen“, sagt Klude.

          Eine grundsätzliche Renaissance der kleineren Aktienwerte sieht Schlienkamp jedoch nicht. Vielmehr hätten sich einzelne Aktien des M-Dax besonders gut entwickelt, wobei viele von ihnen Ende vergangenen Jahres besonders unter Druck geraten seien. Ein Beispiel sei Pro Sieben Sat.1 - jetzt der Jahresbeste im M-Dax. Hier habe die hohe Fremdkapitallastigkeit der Bilanz und die Ungewissheit der Anschlussfinanzierung belastet: „Überhaupt haben viele Werte davon profitiert, dass ihnen wichtige Finanzierungen gelungen sind und sich Bilanzstrukturen verbessert haben.“ Positiv wertet Schlienkamp, dass einige Unternehmen wie der Betreiber von Einkaufszentren Deutsche Euroshop und Rhön-Klinikum das niedrigere Kursniveau genutzt haben, um sich Eigenkapital zu besorgen, wobei das Klinikunternehmen Vorsorge für attraktive Einkaufsgelegenheiten getroffen habe. Daneben haben SGL Carbon und Südzucker Wandelanleihen begeben.

          Mit den höheren Kursen sind auch die Bewertungen der Aktien gestiegen

          Grundsätzlich greifen Anleger in unsicheren Zeiten lieber zu Dividendenpapieren höher kapitalisierter Unternehmen, da diese in der Regel mehr Sicherheit und Stabilität in ihrer Geschäftstätigkeit und an der Börse zudem einen liquideren Aktienhandel bieten. „Vor allem in rezessiven Phasen ist die Börsenliquidität für die Anleger entscheidend“, sagt Schlienkamp. Die geringe Liquidität ist es offenbar, die die Aktien der kleinen Unternehmen, die an der Deutschen Börse im S-Dax zusammengeführt werden, bremst. Denn mit einem Plus von 12 Prozent liegen die S-Dax-Titel in diesem Jahr hinter dem M-Dax, aber immerhin mit den Standardwerten gleichauf.

          Mit den höheren Kursen sind auch die Bewertungen der Aktien gestiegen. Doch Klude äußert sich zuversichtlich. Die Bewertungen seien zwar gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis sowohl im M-Dax wie auch im Dax ähnlich und nicht ganz billig. Doch dies sei typisch, wenn man aus einer Rezession komme, da die Gewinne vieler Unternehmen stark gefallen seien oder der Ertrag sogar negativ sei. Klude rät, eher das Preis-Buchwert-Verhältnis zu betrachten. Für den Dax betrage es 1,4, im M-Dax nur 1,1. Das unterstreiche die relative Attraktivität der Nebenwerte.

          Exemplarisch ist der Maschinenbau zu nennen

          Schlienkamp machen die Bewertungen insgesamt eher Sorgen. Sie lägen am oberen Ende des fairen Bereichs. Die jüngste Aufwärtsbewegung sei vor allem liquiditätsgetrieben, sagt er und erwartet baldige Kursrückschläge: „Dann dürften die zyklischen Werte am stärksten verlieren, da sie zuvor so deutlich im Kurs gestiegen sind.“ Zum Kauf rät das Bankhaus Lampe daher vor allem bei defensiven Werten wie Baywa, Rhön-Klinikum, Südzucker und Vossloh.

          Nach den Worten von Klude bleiben zyklische Werte für Anleger, die weiterhin auf Konjunkturzuversicht setzen wollen, interessant, da sich die Wirtschaft weiter erholen werde. Exemplarisch nennt er den Maschinenbau, weil sich die Auftragslage hier in den kommenden Monaten deutlich verbessern dürfte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klärungsbedarf: Zübeyde und Peter Feldmann am Abend der Wiederwahl des Oberbürgermeisters

          Feldmann und die Kita-Affäre : Gut bezahlte Nebenrolle

          Als Zübeyde Temizel noch am Konzept für eine Kita in Wiesbaden gearbeitet haben soll, besichtigte Peter Feldmann schon die „Dostluk“-Baustelle in Frankfurt. Und das ist längst nicht die einzige Ungereimtheit in der Sache.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.