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MDax : Aktie von SGL Carbon wirkt ausgereizt

  • Aktualisiert am

Carbonbremse im Test Bild: SGL Carbon

Nach massiven Kursverlusten während der Baisse hat sich die Aktie der SGL Carbon in den vergangenen Monaten wieder von ihrer Schwäche erholt. Nun ist eine weitere positive Entwicklung nötig, um das Kursniveau zu rechtfertigen.

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          Nach massiven Kursverlusten während der Baisse hat sich die Aktie von SGL Carbon in den vergangenen Monaten wieder von ihrer Schwäche erholt und ausgehend von einem Tief bei 2,30 Euro im Oktober des Jahres 2002 in einem mittelfristigen Aufwärtstrend etwas mehr als 500 Prozent auf zuletzt 20,30 Euro zugelegt.

          Die Entwicklung lässt sich fundamental unterlegen. Denn nachdem die Umsätze in den vergangenen Jahren im Trend auf bis zu 157 Millionen Euro im vierten Quartal des Jahres 2004 fielen, zeigen die Erlöse wieder nach oben. Und nach einer sehr durchwachsenen Gewinnentwicklung mit zum Teil deutlichen Verlusten scheint auch die Ertragsseite robuster geworden zu sein.

          Robuste Nachfrage und Preiserhöhungen im vergangenen Jahr

          Das zeigte sich unter anderem an der Entwicklung des vergangenen Jahres. Das Unternehmen hat im Jahr 2006 nach eigenen Angaben von einer robusten Nachfrage und Preiserhöhungen ihres größten Geschäftsbereichs Carbon und Graphite (CG) profitiert und Analystenerwartungen bei Ergebnis und Umsatz übertroffen. Der Carbonfaser- und Graphitspezialist wies am Donnerstag ein Plus beim Periodenergebnis nach Dritten von 44,3 Prozent auf 40,7 Millionen Euro aus. Analysten hatten den Gewinn im Konsens bei 33 Millionen Euro gesehen.

          Extrusion von Graphitelektroden

          Der Umsatz des MDax-Unternehmens kletterte um 11,4 Prozent auf 1,191 Milliarden Euro, Analysten hatten hier 1,173 Milliarden Euro prognostiziert. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern und nach Berücksichtigung der Kartellstrafe gemäß EuGH-Urteil legte um 22,1 Prozent auf 138 Millionen Euro zu. Marktbeobachter hatten das operative Ergebnis bei 143 Millionen Euro gesehen. Die Auswirkungen des Kartellverfahrens der EU wegen Preisabsprachen bei Graphitelektroden haben das Ergebnis von SGL Carbon 2006 negativ beeinflusst. Im zweiten Quartal war wegen der Kartellbuße von 75,7 Millionen Euro das Betriebsergebnis mit 23,5 Millionen Euro und das Finanzergebnis mit 12,8 Millionen Euro belastet worden.

          Bereinigt um Aufwendungen für Kartellverfahren verbesserte sich der operative Gewinn vor Steuern und Zinsen auf 170 Millionen Euro. Das Ergebnis je Aktie stieg um 32 Prozent auf 0,66 Euro und übertraf damit die Analystenerwartungen von 0,53 Euro. Vor Steuern verdiente das Unternehmen 76,4 Millionen Euro. Die Konzernumsatzrendite erhöhte sich von elf auf 14 Prozent. Die Gesellschaft hat damit ihre eigenen Ziele mindestens erreicht und zum Teil übertroffen.

          Positive Entwicklung nötig, um Kursniveau zu rechtfertigen

          Für das Jahr 2007 zeigte sich die SGL Group vor dem Hintergrund „des guten konjunkturellen Umfeldes und der positiven Erwartungen“ für alle drei Geschäftsbereiche zuversichtlich, bei Umsatz und Ergebnis deutlich zulegen zu können. Unter der Prämisse stabiler Wechselkurse soll der Konzernumsatz um sieben Prozent bis zehn Prozent über Vorjahresniveau liegen, hieß es. Beim Betriebsergebnis rechnet die Gesellschaft mit einer „überproportionalen Verbesserung gegenüber dem Umsatzwachstum“.

          Ziel sei es, das historische operative Rekordergebnis von 192 Millionen Euro zu übertreffen, so das Unternehmen am Donnerstag bei Vorlage der Jahresbilanz. Angesichts nicht erkennbarer Restrukturierungsaufwendungen erwartet SGL beim Vor- und Nachsteuergewinn eine größere Zunahme als beim Betriebsergebnis.

          Diese Entwicklung soll sich positiv auf den operativen Cashflow auswirken, der im Jahr 2007 insbesondere zur Finanzierung des weiteren Wachstums eingesetzt werden soll. Das Unternehmen hat die Absicht, die Karbonfaserkapazitäten deutlich zu erhöhen. Hintergrund sei der weltweit gewachsene Bedarf. In den nächsten fünf Jahren sollen dazu 80 Millionen Euro investiert werden. Das Geld werde in neue Produktlinien fließen, hieß es. Mittelfristig soll die Kapazität bei Karbonfasern von derzeit 2.000 auf 6.000 Tonnen steigen.

          Das hört sich nicht schlecht an und auf Basis der durchschnittlichen Gewinnprognosen soll das Kurs-Gewinn-Verhältnis von nun 30 auf dann relativ vernünftige 17 fallen. Allerdings gibt es auch skeptische Stimmen. Die Analysten der Deutschen Bank raten zu einer gewissen Vorsicht mit Blick nach vorne. Während SGL wie andere Wettbewerber auch für Graphitelektroden weitere Preiserhöhungen plane, lenken die Analysten das Augenmerk auf die Preissensitivität der Stahlerzeuger und auf möglicherweise rückläufige Auslieferungen. Auf dieser Basis scheinen Absicherungsstrategien nicht das schlechteste zu sein.

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