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Maschinenbau : Singulus am Tiefpunkt

Maschinen zur Fertigung von Blu-ray Discs sind immer noch ein Kernprodukt von Singulus. Bild: dpa

Der Maschinenbauer Singulus, einst ein Star am Neuen Markt, will mit einem Kapitalschnitt einen Neustart wagen. Auch Anleihegläubiger könnten zur Kasse gebeten werden.

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          „Singulus verzeichnet ein rasantes Wachstum - Der Umsatz steigt um 75 Prozent“ – so schrieb die F.A.Z. vor rund 15 Jahren über den Maschinenbauer Singulus. Die stark steigende Nachfrage nach optischen Datenträgern bescherte dem Hersteller von Anlagen zur Produktion von CDs und DVDs ein sprunghaftes Wachstum. Der damalige Vorstandsvorsitzende Roland Lacher sah den Markt bis 2007 um 80 Prozent wachsen und der Aktienkurs erreichte im Juli 2000 73 Euro.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch es kam anders. Am Freitag kündigte Singulus nach Jahren des Niedergangs nicht nur eine abermalige strategische Neuausrichtung an, sondern auch einen sogenannten Kapitalschnitt. Die Hauptversammlung am 9. Juni soll die Herabsetzung des Grundkapitals zum Ausgleich der aufgelaufenen Verluste beschließen. Singulus hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von 51,6 Millionen Euro verzeichnet. Das waren drei Viertel des auf die Hälfte geschrumpften Umsatzes. Dadurch war die Eigenkapitalquote auf 15 Prozent gesunken. 2011 hatte diese noch bei 70 Prozent gelegen.

          Das Kapital soll maximal im Verhältnis 6:1 herabgesetzt werden. Der Anteil der Aktionäre am verminderten Grundkapital bleibt dadurch zunächst gleich. Damit will Singulus aber auch eine Voraussetzung für eine Kapitalerhöhung schaffen, denn der Gesellschaft soll weiter die Möglichkeit eingeräumt werden, Kapitalerhöhungen gegen Sacheinlagen unter Ausschluss des Bezugsrechts vorzunehmen. Ziel dessen ist der Tausch der Anleiheschulden gegen Eigenkapital, was Singulus derzeit noch als Möglichkeit bezeichnet.

          Dies wäre dann nunmehr der 26. Fall, dass eine von 113 Mittelstandsanleihen nicht wie vorgesehen verzinst und getilgt wird. Dieser Maßnahme müssten die Anleihegläubiger allerdings zustimmen. Die Anleihe hat derzeit noch ein Volumen von 56 Millionen Euro.

          Angesichts eines Bilanzverlusts von mehr als 90 Millionen Euro, aber einer Kapitalrücklage von 75,185 Millionen Euro zum 31.12.2014 wäre zur Zeit davon auszugehen, dass das Grundkapital im Verhältnis von etwa 3:1 herabgesetzt wird und somit auf wenig mehr als 16 Millionen Euro schrumpft. Kommt es dann zu einer Umwandlung der Anleiheschulden, so schrumpft der Kapitalanteil der Alt-Aktionäre auf 22,5 Prozent. Dies sind die Kursverluste, die Aktionäre befürchten müssen. Die möglichen Verluste der Anleihegläubiger hängen von dem derzeit noch hypothetischen Umtauschverhältnis ab.

          Singulus hat es nie geschafft, sich mit dem reifenden Markt für optische Datenträger neu zu erfinden. 2004 erreicht der Unternehmensumsatz mit knapp 440 Millionen Euro seinen Gipfel. Ein Jahr später erreichte auch der deutsche Markt für gebrannte optische Rohlinge mit 882 Millionen Stück seinen Gipfel. 2014 wurden nur noch weniger als 200 Millionen Stück abgesetzt.

          2005 konnte Singulus nur noch 244 Millionen Euro Umsatz erreichen. Der Bereich optische Datenträger war damals noch der einzige Geschäftsbereich. 2014 betrug der Umsatz damit gerade noch 45 Millionen Euro, aber immer noch zwei Drittel der Konzernerlöse.

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