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Maschinenbau : Wende für die Singulus-Aktie?

  • Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Ein Wendepunkt für den Spezialmaschinenbauer Singulus könnte die Entscheidung des Filmstudios Warner Bros. sein, Filme künftig außer auf herkömmlichen DVDs nur noch im neuen Blue-Ray-Format anzubieten. Analysten zeigen sich indes noch zurückhaltend.

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          Sehr schwach zeigen sich am Montag die Technologiewerte. Mehr als zwei Prozent gibt der TecDax ab. Dass es nicht noch schlimmer wird, dafür sorgt die Aktie des Herstellers von CD- und DVD-Produktionsanlagen, die ein Kursplus von mehr als 20 Prozent verzeichnet.

          Dass ist um so bemerkenswerter als die Notiz auf Jahresfrist betrachte immer noch rund 43 Prozent im Minus liegt und seit nunmehr mehr als sieben Jahren einen dauerhaften Abwärtstrend aufweist. Erst Mitte des vergangenen Monats erreichte sie bei 6,85 Euro ein neues Allzeittief.

          Wendepunkt im Kampf der Standards

          Denn die Ergebnisse, die das Unternehmen Anfang November für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2007 vorgelegt hatte, hatten enttäuscht. Im dritten Quartal waren Umsatz und Gewinn deutlichen zurückgegangen, die Umsatzprognose bewegte sich unter dem Niveau des Jahres 2005 und deutlich unter der des Vorjahres.

          Singulus litt und leidet unter dem Kampf der großen Elektronik- und Unterhaltungsgiganten um das künftige DVD-Nachfolgeformat. Bislang konnte sich keiner der DVD-Nachfolger - Blu-Ray und HD DVD - als Standard durchsetzen. Weil die Einführung der nächsten Generation optischer Speichermedien schleppend verlief, verharrten auch die Investitionen der Maschinenkunden auf einem niedrigen Niveau, heißt es. Der Aufbau neuer Absatzmärkte schreitet langsam voran. Die Solarbranche soll im laufenden Jahr 30 Millionen Euro Umsatz bringen.

          Am Montag ist alles anders. Was den Kurs treibt, ist die Nachricht, dass das amerikanische Filmstudio Warner Bros., das bisher seine Filme in beiden rivalisierenden Formaten veröffentlichte, sich nun ausschließlich für die Blu-ray Disc entschieden habe. Damit stünden nun Warner, Sony, Disney, und 20th Century Fox hinter Blu-ray. „Das ist sehr gut für Singulus. Einige haben bisher wegen der unterschiedlichen Systeme vor Gerätekäufen zurückgeschreckt“, sagt ein Händler. „Die Warner-Entscheidung kann ein Wendepunkt sein“.

          „Gute“ Auftragseingänge erwartet

          Singulus erwartet im laufenden Jahr nun „gute“ Auftragseingänge bei Dual-Layer-Maschinen, so der Vorstandsvorsitzende Stefan Baustert am Montag im Reuters-Interview. Er rechnet damit, dass sich nun viele Kunden nach langer Zurückhaltung auf Blu-ray festlegen und in entsprechende Maschinen investieren werden. „Wir rechnen mit den ersten großen Aufträgen im zweiten Quartal“, sagt Baustert.

          Für das laufende Jahr erwartet der Singulus-Chef einen Absatz von bis zu 15 Dual-Layer-Maschinen. Sollte sich die Nachfrage aus Hollywood nach der Warner-Entscheidung stärker beleben, könnte auch im zweiten Halbjahr noch mal eine Auftragswelle folgen, da der Maschinenbau von Sony zuletzt voll ausgelastet gewesen sei. „Wir blicken sehr positiv auf 2008 und vor allem 2009, wenn dann auch größere Mengen an Blu-ray-Maschinen Umsatz werden“, sagt Baustert.

          Analysten positiv zurückhaltend

          Analysten äußerten sich ebenfalls positiv. Die Unicredit bestätigte indes lediglich ihr Anlageurteil „Hold“ und das Kursziel von 9,00 Euro. Warners Ankündigung könnte eine kurzfristige Erholung des Papiers zur Folge haben, schreibt Analyst Peter Rothenaicher. Das Marktvolumen für Blu-ray-Scheiben sei allerdings noch immer relativ gering, so dass Rothenaicher derzeit keinen Anlass zur Anpassung seiner Umsatz- und Gewinnerwartungen sieht.

          Auch die LBBW zeigt eine gewisse Zurückhaltung. Die Entscheidung sei strategisch positiv, allerdings gehe man schon länger davon aus, dass sich Blu ray mittelfristig durchsetzen werde. Die endgültige Entscheidung dürfte jedoch der Endkunde mit dem Kauf der Abspielgeräte treffen. Diese stehe für den Massenmarkt noch aus. Daher rechne man nicht mit einer kurzfristigen Veränderung der Ordersituation bei den optischen Speichermedien.

          Hinzu kommt die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts. Denn während die neuen Formate noch gar nicht angefangen haben, sich zu etablieren, wird schon an einer neuen Generation gearbeitet. So konzentriert sich mittlerweile die Entwicklung mittlerweile auf beidseitig bespielbare DVDs. Dadurch kann die ohnehin gegenüber der klassischen Scheibe höhere Speicherkapazität noch einmal verdoppelt werden. Für Singulus bedeutet diese Entwicklung nicht nur eine Verzögerung, sondern auch zusätzliche Investitionen in die Entwicklung.

          Keine günstige Bewertung

          Folgt man den Analystenprognosen, so ist die Singulus-Aktie mit Blick auf das Jahr 2008 nach dem Kursanstieg nur wenig günstiger (sieht man von den exorbitanten Übertreibungen im Jahr 2000 ab) als zu den besten Zeiten des Konzerns vor der Jahrtausendewende, als dieser noch betriebliche Margen von mehr als 25 Prozent verzeichnete.

          Indes gehen die Analysten nicht davon aus, dass diese Margen in den kommenden Jahren wieder erreicht werden. Zwar sollen sich diese vom derzeit niedrigen Niveau von ein bis zwei Prozent wieder auf bis zu zehn Prozent erholen, blieben damit aber weiterhin deutlich unter dem Niveau der ersten Hälfte der Dekade (siehe Infografik).

          Insofern ist die Aktie auf das laufende Jahr gesehen, nicht als unbedingt günstig zu betrachten. Das ändert sich zwar mit Blick auf diem Prognosen für 2009 und 2010, aber bis dahin vergeht noch einige Zeit.

          Charttechnik macht Hoffnung

          Was indes Mut machen sollte, ist die Tatsache, dass mit dem Kursanstieg vom Tage der ein- und zweijährige Abwärtstrend nach oben durchbrochen wurden. Zwar gilt es um neun Euro noch eine Widerstandslinie zu überwinden, doch wenn der Impuls aus der Warner-Entscheidung nicht verpufft, könnte er den Kurs auch darüber tragen, wodurch sich eine Erholung verfestigen könnte. Diese könnte dann bis wenigstens bis zur Hauptversammlung Anfang Juni halten, auf der sich Aktionäre positive Nachrichten zum Blu-Ray-Geschäft erhoffen dürften.

          Sollten diese aber ausbleiben und die Geschäftszahlen zum zweiten Quartal, die Anfang August veröffentlicht werden sollen, enttäuschen, so dürfte der Kurs wieder nach Süden laufen und die mögliche Erholung wie zu jedem Jahreswechsel seit Anfang 2005 eine vorübergehende Episode bleiben.

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