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Maschinenbau : Singulus-Aktie probt erneut den Ausbruch

  • Aktualisiert am

Ein großes Format bedeutet auch große Verantwortung Bild: AP

Zu einem Kurssprung von mehr als 12 Prozent verhilft der Singulus-Aktie die Nachricht von der Übernahme des Blu-Ray-Geschäfts des Konkurrenten Oerlikon. Doch die Aktie ist nicht eben billig.

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          Singulus-Aktionäre haben in den vergangenen Jahren viele kurze Höhenflüge und dafür um so mehr lange Durststrecken erlebt. Seit nunmehr mehr als sieben Jahren liegt der Aktienkurs des Herstellers von CD- und DVD-Produktionsanlagen im Abwärtstrend. Erst Mitte Dezember erreichte dieser bei 6,85 Euro ein neues Allzeittief.

          Dafür war sie im Januar der einzige im TecDax notierte Wert, der ein Kursplus verzeichnen konnte und dann gleich um mehr als 16 Prozent. Ursache war in allererster Linie ein phänomenaler Lauf von vier Tagen zu Monatsbeginn, während dessen der Kurs von knapp 53 Prozent auf 10,45 Euro kletterte.

          Zweiter Kurssprung in vier Wochen

          Dann ging es wieder gehörig abwärts. Am Freitag ist im Umfeld eines freundlichen Marktes aber der nächste Kurssprung fällig. Um nicht weniger als bislang 14 Prozent geht es nach oben, so dass sich das Plus seit Jahresbeginn auf insgesamt rund 24 Prozent beläuft.

          Anlass für den neuerlichen Kurssprung war abermals eine Nachricht aus dem Bereich der Herstellungsanlagen für das neuartige DVD-Format Blu-Ray. Im Januar trieb die Meldung den Kurs, dass das amerikanische Filmstudio Warner Bros. künftig seine Filme nicht mehr im rivalisierenden Format HD-DVD veröffentlichen werde. Dies wurde von einigen Beobachtern als Wendepunkt im Kampf der Standards interpretiert.

          Das erleichtere den Singulus-Kunden die Investitionsentscheidung und habe auch Kostenvorteile für den Hersteller. Bislang verläuft das Geschäft eher schleppend. Zwar rechnen einige Marktforscher mit einer Verdoppelung bis Verdreifachung des Marktes im laufenden und im kommenden Jahr, allerdings ausgehend von einem nicht eben üppigen Niveau.

          Analysten geben sich zurückhaltend

          Am Freitag kann die Anleger nun die Meldung begeistern, dass der Maschinenbauer das gesamte Blu-Ray-Geschäft des Konkurrenten Oerlikon übernimmt. Mit der weiteren Konsolidierung dürfte der Wettbewerb in der Industrie an Schärfe verlieren, sagen Händler. In der Folge sollte auch der Preisdruck nachlassen, hieß es.

          Analysten geben sich dagegen eher zurückhaltend. Peter Rothenaicher von der Unicredit sieht den Schritt als hilfreich für den Ausbau des Marktanteils und die Stärkung der Ertragskraft an. Dennoch mahnte der Experte zur Vorsicht: Das Geschäftsvolumen, das mit Blu-ray erreicht werden könne, sei immer noch „relativ niedrig“ und dürfte „niemals“ die Größe des heutigen Geschäftes mit DVD-Ausstattungen erreichen.

          Zu den besten Zeiten verzeichnete Singulus noch betriebliche Margen von mehr als 25 Prozent. Nach Jahren mit niedrigen einstelligen Margen gehen Analysten im Durchschnitt für 2008 und 2009 von Margen zwischen acht und neun Prozent aus.

          Der Fortschritt macht das Leben schwer

          Es sind zwei Faktoren, die Singulus das Leben schwer machen. Einer ist die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts. Denn während die neuen Formate noch gar nicht angefangen haben, sich zu etablieren, wird schon an einer neuen Generation gearbeitet. So konzentriert sich mittlerweile die Entwicklung mittlerweile auf beidseitig bespielbare DVDs. Für Singulus bedeutet diese Entwicklung nicht nur eine Verzögerung, sondern auch zusätzliche Investitionen in die Entwicklung.

          Der andere ist die Konkurrenz durch andere Datenträger. Immer weniger Verbraucher greifen zu den Silberscheiben. Mit der zunehmenden Geschwindigkeit der Internetzugänge und der vermehrten Preisgünstigkeit von Speicherplatz gewinnen andere Distributions- und Aufbewahrungsformen an Bedeutung.

          Oerlikon-Übernahme „ein interessantes Geschäft“

          Rothenaicher nennt für Singulus ein Kursziel von 9,00 Euro, das unter dem aktuellen Niveau liegt. Die Singulus-Titel seien weiterhin relativ hoch bewertet, und auf kurze bis mittlere Sicht sei im Zuge der Transaktion nicht mit einem starken Gewinnsprung zu rechnen.

          Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) setzt das Kursziel mit 8,50 Euro sogar noch niedriger an. Es seien nur wenige Blu-Ray-Anlagen von Oerlikon im Markt. Singulus benötige nun eine deutlich anziehende Nachfrage nach Speichermedien mit Blu-Ray-Standard aus dem Massenmarkt. Dies sähe man derzeit jedoch noch nicht.

          Indes wird die Freude auch etwas getrübt, dass über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart wurde und so nicht bekannt ist, welchen Preis Singulus für das Ausscheiden des Wettbewerbers bezahlt hat. „Es war für uns ein interessantes Geschäft“, hieß es dazu lediglich.

          Keine günstige Bewertung

          Auch Singulus selbst gab sich eher zurückhaltend. Ein Firmensprecher wollte keine Prognose abgeben, wie man nach der Transaktion beim Auftragsaufkommen vorankommen wird. Erst im Sommer habe man eine gewisse Sicherheit, wie sich das Jahr entwickeln werde.

          Der Vorstandsvorsitzende Stefan Baustert rechnete zuletzt für das laufende Jahr nach der Warner-Entscheidung mit den ersten großen Aufträgen im zweiten Quartal. Sollte sich die Nachfrage aus Hollywood stärker beleben, könnte auch im zweiten Halbjahr noch mal eine Auftragswelle folgen.

          Folgt man den Analystenprognosen, so ist die Singulus-Aktie mit Blick auf das Jahr 2008 nach dem Kursanstieg mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 24 nahezu schon wieder so hoch bewertet wie zu den erfolgreichsten Zeiten, wenn man von den exorbitanten Übertreibungen des Jahres 2000 absieht. Insofern ist die Aktie nicht eben als günstig zu betrachten. Auch das KGV von 19 für das Jahr 2009 verbessert das Bild nicht.

          Charttechnische Hoffnungen

          Charttechnisch hat die Notierung zum zweiten Mal den ein- und zweijährigen Abwärtstrend nach oben durchbrochen. Indes war ihr dies auch im Januar vorübergehend gelungen. Auf dem Weg nach oben hat sie indes noch einige Widerstandslinien zu überwinden.

          Zunächst müsste sie dahingehend ein positives Zeichen setzen, dass es ihr gelingt, das Januarhoch von 10,45 Euro zu überwinden. Abhängig von der derzeit wetterwendischen Stimmungslage am Gesamtmarkt könnte der nun erneuerte positive Impuls bis zur Hauptversammlung Anfang Juni halten, auf der sich Aktionäre positive Nachrichten zum Blu-Ray-Geschäft erhoffen dürften.

          Die erste wirklich wichtige Widerstandszone liegt im Bereich der Marke von 12,50 Euro. Spätestens hier dürfte sich der weitere Weg der Notierung entscheiden.

          Sollten positive Impulse auf der Hauptversammlung und die Geschäftszahlen zum zweiten Quartal, die Anfang August veröffentlicht werden sollen, enttäuschen, so dürfte der Kurs wieder nach Süden laufen, die mögliche Erholung wie zu jedem Jahreswechsel seit Anfang 2005 eine vorübergehende Episode bleiben und die Singulus-Aktie ihren siebenjährigen Abwärtstrend vorläufig weiter fortsetzen.

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