https://www.faz.net/-gv6-qd4e

Maschinenbau : Ölboom und Turnaround treiben Aker Kvaerner-Aktien

  • Aktualisiert am

Bohrinseln sind das Hauptgeschäft von Aker Kvaerner Bild: dpa

Vor einigen Jahren wurde die norwegische Kvaerner-Gruppe aus existenzbedrohenden Turbulenzen druch den Einstieg des Aker-Konzerns gerettet. Nach langer Restrukturierung scheint die Wende geschafft zu sein.

          3 Min.

          Als sich der norwegische Spezialist für maritime Technologie Aker Maritime im Jahr 2001 in die finanziell schwer ins Schlingern geratene Industrieholding Kvaerner einkaufte, löste dies bei Beobachtern keineswegs Begeisterung aus.

          Kvaerner, ursprünglich Energieversorger und Papierhersteller hatte sich beim Einkauf in Schiffbau, Öl- und Bauindustrie übernommen und stand 2001 vor dem Aus. Mit dem Einstieg von Aker Maritime waren die Probleme nicht gelöst, da die hohe Verschuldung von Kvaerner nur ein Resultat der operativen Probleme des Konglomerats gewesen waren. Die Restrukturierung dauert immer noch an. Mit einer Organisationsreform un dem Listing neuer Aktiengesellschaften im Frühjahr 2004 fand sie allerdings einen ersten Abschluß.

          Das Konglomerat wurde in eine Holding, zwei große und mehrere kleine Unterfirmen aufgespalten. Die ersten drei wurden an die Börse gebracht. Zwei davon auch international: die Holding Kvaerner ASA und die Aker Kvaerner ASA, die die Aktivitäten in der Ölindustrie sowie die historischen Bereiche Energieversorgung und Papierherstellung unter ihrem Dach vereint.

          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie der Kvaerner ASA.
          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie der Kvaerner ASA. :

          Aker Kvaerner profitiert vom Ölboom

          Die Anleger haben die Maßnahmen offenbar überzeugt. Nach dem Listing im April 2004 gab die Aker Kvaerner-Aktie zunächst einige Wochen von 15,61 Euro auf 12,58 nach. Seitdem kennt sie nur den Weg nach oben und markierte zuletzt am Freitag bei 31,88 Euro ein Allzeithoch.

          Etwas illustrer verlief der Aktienkurs der Mutter Kvaerner. Bei 15,50 Euro gestartet fiel der Kurs durch eine Aktiendividende bedingt auf 2,57 Euro am 28. Oktober. Seitdem ist der Kurs gleichsam explodiert und notiert am Dienstag bei 14,30 Euro.

          Aker Kvaerner profitiert derzeit stark vom Ölboom. Die Umsätze im ersten Quartal des laufenden Jahres stiegen gegenüber dem Vorjahr um neuen Prozent auf 8,4 Milliarden norwegische Kronen, das Betriebsergebnis um 20 Prozent auf 376 Millionen. Einde dreimal höhere Steuerlst führte indes dazu, daß sich der Quartalsüberschuß mit einem Plus von 1,5 Prozent auf 138 Millionen Kronen kaum veränderte. Deutlich stieg auch der Auftragsbestand: mit 37,7 Milliarden Kronen liegt er um 21 Prozent über dem Stand des Vorjahres. Auch der Ausblick auf die kommenden Jahre ist gut: Aufgrund des hohen Ölpreises lohnt sich die Erschließung von unterseeischen Ölfeldern und damit ist Aker Kvaerner im Geschäft. 2005 soll das Vorsteuerergebnis um zehn Prozent auf 1,5 Milliarden Kronen, 2006 um 17 Prozent auf 1,75 Milliarden steigen.

          Bewertung ist schwierig

          Auch im Abbau von Altschulden ist man vorangekommen. Derzeit stehen noch 5,9 Milliarden Kronen an langfristigen Schulden zu Buche, nachdem in den verganenen zwölf Monaten immerhin 900 Millionen getilgt wurden.

          Über die fundamentale Bewertung von Aker Kvaerner kann man Aussagen nur mit aller Vorsicht treffen. Basierend auf den Ergebnissen des Vorjahres, die durch die Umstrukturierung nur von begrenzter Aussagekraft sind, ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12. Im traditionell schwächeren ersten Quartal fiel ein Ergebnis pro Aktie von 2,34 norwegischen Kronen an. Rechnet man dieses Ergebnis unter Berücksichtigung stärkerer Quartale hoch, ergibt sich ein KGV von um 10. Das klingt nicht teuer.

          Spekulationen um Kvaerner ASA

          Was Kvaerner ASA anbelangt, so sind Aussagen über die Unternehemsnentwicklung sehr schwierig, da der Restrukturierungsprozeß noch andauert. Erst im März wurden die Anteile der Kvaerner ASA auf die neu gegründete (und ebenfalls in Oslo) gelistete Holding Aker ASA übertragen, an der Kvaerner ASA wiederum 49 Prozent hält. Desweiteren werden weitere Teile aus der Holding noch verkauft - zuletzt die Kvaerner UK im Rahmen eines Management Buy-Outs.

          Interessant ist die Kvaerner ASA daher vor allem unter zwei Gesichtspunkten. Zum einen ist dies die Dividendenphantasie, die aus den derzeit boomenden Märkten von Aker Kvaerner und Aker Yards gespeist wird. Zum anderen wird auf Aktiendividenden spekuliert, so wie im März als Kvaerner-Aktionäre eine Aker Kvaerner-Aktie pro Kvaerner-Aktie als Dividende erhielten. Kandidat dafür ist die derzeit entstehende Tochter Aker American Shipping, die die Schiffbau- und Reedereiaktivitäten in den Vereinigten Staaten bündelt. Eine weitere Ausgliederung aus der Kvaerner ASA wäre auch eine durchaus plausible Fortsetzung der bisher verfolgten Strategie. Auch eingedenk der Genese der Übernahme von Kvaerner durch Aker ergibt eine schrittweise Verringerung des Gewichts des früheren Kvaerner-Konzerns durchaus Sinn.

          Weitere Themen

          Fed fürchtet hartnäckige Inflation

          Geldpolitik : Fed fürchtet hartnäckige Inflation

          Amerikas Notenbank prüft eine raschere Straffung ihrer Geldpolitik. Ihr Präsident Jerome Powell hält den Preisanstieg nicht mehr nur für vorübergehend.

          Topmeldungen

          Dafür: Winfried Kretschmann will eine Impfpflicht für ganz Deutschland

          Gutachten aus Stuttgart : Impfpflicht ja, Impfzwang nein

          Die Impfpflicht in Deutschland wird vermutlich kommen. Aber ist sie auch rechtens? Baden-Württembergs Ministerpräsident hat sie früh gefordert - und eine Kanzlei sie prüfen lassen. Das ist ihr Ergebnis.
          Jerome Powell hat seine Einschätzungen zur Inflation inzwischen verändert.

          Geldpolitik : Fed fürchtet hartnäckige Inflation

          Amerikas Notenbank prüft eine raschere Straffung ihrer Geldpolitik. Ihr Präsident Jerome Powell hält den Preisanstieg nicht mehr nur für vorübergehend.