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Maschinenbau : Nano-Impuls treibt Singulus-Aktie

  • Aktualisiert am

Große Maschine, Nano-Beschichtung Bild: Singulus

Nahezu alle Indexwerte liegen an der Deutschen Börse am Mittwoch im Minus. Am besten wehrt sich die Aktie des Maschinenbauers Singulus. Offenbar lösen die verstärkten Nano-Aktivitäten des Unternehmens Begeisterung aus.

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          Der 6. Juni 2007 ist wohl mal wieder einer dieser Tage, den Aktionäre lieber vergessen möchten. Gegen Mittag liegen nicht nur alle wichtigen deutschen Indizes im Minus. Was noch schlimmer ist, von den insgesamt 110 Werten der drei wichtigsten deutschen Indizes liegt gerade einmal eine Handvoll im Plus und die meisten davon gerade ebenso.

          Am vehementesten gegen den Abstieg wehren sich Singulus Technologies, die in der Spitze sogar ein Plus von 3,35 Prozent auf 10,79 Euro verzeichnen. Hintergrund ist die Tatsache, dass das Unternehmen einen Folgeauftrag aus den Vereinigten Staaten für den Bereich Nano Deposition Technologies an Land ziehen konnte.

          „Fundamental kein Grund für diesen Kursanstieg“

          Das Auftragsvolumen der im Nano-Bereich arbeitenden Dünnschichtanlagen liege bei mehr als vier Millionen Euro. „Fundamental kann ein so kleiner Auftrag kein Grund für diesen Kursanstieg sein bei einem Jahresumsatz von 300 bis 400 Millionen Euro“, sagt indes ein Analyst. Nachdem die Aktie sich aber in den vergangenen Wochen und Monaten ohne negative Nachrichten „extrem unterdurchschnittlich“ entwickelt habe, sprängen die Anleger nun offensichtlich auf jede positive Nachricht an.

          Insofern sollte man diesen Kursgewinnen nicht allzu große Bedeutung beimessen. Denn der Kurstreiber bei Singulus ist und bleibt die Hoffnung der Anleger, dass sich der Blue-Ray-Standard als Nachfolger der DVD im großen Stil durchsetzt, getragen vom HD-Fernsehformat, für das aufgrund seiner hohen Auflösung und damit einhergehend großen Dateien herkömmliche DVDs nicht geeignet sind. Die neuen Geschäftsbereiche müssen dagegen erst einmal wachsen. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Singulus in dem neuen Bereich der Nano-Dünnschichtanlagen Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe, was positiv, aber nicht allzu viel ist.

          Charttechnische Auslöser?

          Einem Händler zufolge wirkt sich der Auftrag vor allem positiv auf die Stimmung aus - zusammen mit der besseren Charttechnik treibe dies die Aktien an. Obwohl dieses Argument angesichts der Lage etwas hilflos wirkt. Seit Ende 2003 befindet sich die Notiz in einem langfristigen Abwärtstrend. Nach dem die Erholung im Jahr 2005 lange vor den alten Hochs scheiterte und die des Jahres 2006 die Hochs vom Jahresanfang auch nicht annähernd erreichte, rutschte der Kurs weiter ab.

          Der einzig positive Aspekt ist, dass das Allzeittief vom Anfang des Jahres 2003 bislang nicht weiter unterboten wurde. Die sich seitdem stetig verbessernde Lage auf der Tiefseite erhielt aber am Montag einen Dämpfer, als die Notiz bei 10,10 Euro unter das bis dahin gültige Sieben-Monats-Tief von 10,32 Euro aus dem März rutschte.

          Am Dienstag setzte eine unvermittelte Trendwende ein, nachdem das Unternehmen die Überführung seines Bereichs Nano Deposition in eine neu gegründete Tochtergesellschaft vermeldet hatte. Damit wolle man „noch stärker von dem wachsenden Volumen in diesen Spezialmärkten profitieren“.

          Reizwort „Nano“: Versprechen bislang nicht eingelöst

          Offenbar ist das Stichwort „Nanotechnik“ immer noch sehr zugkräftig, auch wenn die Ergebnisse bisher eher weniger überzeugend waren. Der DAC-Nanotech-Fonds hat seit seiner Auflage am 1. September 2003 bislang lediglich ein Plus von 9,4 Prozent erwirtschaftet. Der im Dezember 2005 aufgelegte Fonds VCH Expert NanoTech hat auf Jahressicht über 17 Prozent verloren. Das Nanotech-Basket-Zertifikat von Merrill Lynch hat seit Auflegung im Februar 2005 14 Prozent verloren, das der WestLB seit Mai 2004 23,5 Prozent und das Themenzertifikat der Deutschen Bank seit Mai 2006 19 Prozent.

          Insofern sollte man auch vorsichtig sein, auf dieses Stichwort hin allzu große Hoffnungen auf Singulus zu setzen. Der Nano-Bereich bleibt erst einmal auch wirtschaftlich klein. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Analystenschätzungen beträgt für das laufende Jahr derzeit reichliche 23,3 und ist auch für das kommende Jahr mit 15,5 nun nicht eben überaus niedrig.

          Und bislang hat die Notierung noch nicht einmal das Mai-Hoch von 11,12 Euro überwunden. Es kann daher nicht überraschen, wenn die Kursgewinne auch am 6. Juni wieder abbröckeln. Sollte Singulus den hohen Erwartungen für das kommende Jahr gerecht werden können, dürfte sich für einen Einstieg noch ein besserer Zeitpunkt finden als ausgerechnet an diesem Mittwoch.

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