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Maschinenbau : MTU-Aktie markiert neues Allzeithoch

  • Aktualisiert am

Die Aussichten für MTU sind gut Bild: AP

Ein neues Allzeithoch markiert die Aktie des Triebwerkbauers MTU Aero Engines am Donnerstag. Die Aktie erscheint noch vernünftig bewertet, der Ausblick ist für die kommenden Jahre durchaus positiv.

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          Die Aktie des Münchner Triebwerkshersteller MTU Aero Engines hat sich an der Börse bislang recht leicht getan. Schon der Börsengang im Mai 2005 war recht erfolgreich, danach ging es mit der Notiz stetig bergauf.

          Zwar hatte sie in der Konsolidierung ein Jahr später heftig zu leiden und stürzte fast auf das Niveau der Erstnotiz bei 21,10 Euro ab. Doch fing sie sich danach wieder und stürmte bis Anfang Februar auf ein Hoch von 41,96 Euro, nur um dann mit dem Markt wieder nach unten zu gehen. Mittlerweile hat sie sich wieder aus diesem Tief herausgearbeitet und kann mit einem Plus von zwei Prozent am Donnerstag bei 42,84 Euro ein neues Allzeithoch markieren.

          „Positiver Konjunkturzyklus“

          Diese Kursentwicklung ist nicht zuletzt einer guten fundamentalen Entwicklung gedankt. Im Geschäftsjahr 2006 hat MTU den Umsatz um elf Prozent auf 2,4 Milliarden Euro erhöhen können. Damit einher ging eine überproportionale Zunahme des operativen Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) auf 318,2 Millionen Euro. Das sind 33 Prozent mehr als der Vorjahreswert von 238,7 Millionen Euro.

          Bild: FAZ.NET

          Deutlich gestiegen ist auch der bereinigte Gewinn nach Steuern, den MTU auf 121,8 Millionen Euro mehr als verdoppeln konnte. Damit übertraf das Unternehmen auch die gesetzte Zielgröße von 115 Millionen Euro.

          „Das Marktumfeld ist günstig“, sagte seinerzeit der Vorstandsvorsitzende Udo Stark auf der Bilanzpressekonferenz. „Unser Konjunkturzyklus wird bis 2009 oder 2010 positiv verlaufen.“ MTU werde - ausgenommen die Triebwerke für Militärflugzeuge - weiterhin schneller als der Markt wachsen. Für den Konzernumsatz rechnet MTU in diesem Jahr mit einem Plus von acht Prozent, für den bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mit einem Plus von 15 Prozent. Die Ebitda-Marge stiege somit auf 14 (Vorjahr 13,2) Prozent.

          Rücktritt beflügelt den Kurs

          Das bereinigte Ebitda klammert allerdings unter anderem Kosten für Restrukturierungen aus sowie für die Fremdfinanzierung des Kaufpreises, den der frühere Gesellschafter KKR an Daimler-Chrysler für MTU gezahlt hatte. Analysten der Hypo-Vereinsbank und von JP Morgan bewerteten die Konzernzahlen im vergangenen Jahr als solide und den Ausblick für 2007 als stark.

          Indes reichten die Zahlen als Initialzündung für den aktuellen Kursanstieg nicht aus. Denn obwohl die Notierung anfänglich mit einem Plus reagiert hatte, schloss sie am Ende doch im Minus.

          Weit positiver wirkte sich die einen Tag später erfolge Meldung aus, dass Stark sein Amt als Vorstandsvorsitzender zum Jahresende aufgeben wird. Grund ist dabei weniger, dass Starks Amtsführung als schlecht gegolten hätte. Zwar war der Manager wegen umstrittener Abgänge etwa bei der Metallgesellschaft nicht über all beliebt, und hatte auch erhebliche Differenzen mit den Gewerkschaften, doch führt der Manager dies vor allem auf die Diskussionen über geplante Produktionsverlagerungen nach Osteuropa zurück.

          Schritt zur Normalisierung

          MTU ist aber am Ende seiner Amtszeit gut aufgestellt und so lässt sich die Maßnahme vielmehr als Schritt zur weiteren Normalisierung werten. Stark hatte die Unternehmensführung im Januar 2005 auf Betreiben des der Finanzinvestors KKR übernommen, weil er im Gegensatz zu seinem branchenerfahrenen Amtsvorgänger Klaus Steffens als ausgewiesener Kapitalmarkt-Experten gilt. Stark habe, so Aufsichtsratschef Johannes Huth, MTU auf die Herausforderungen des weltweiten Wettbewerbs vorbereitet und seine Aufgabe damit in vollem Umfang erfüllt.

          Starks ursprünglicher Auftrag war es, das Unternehmen an die Börse zu bringen und bis zum vollständigen Ausstieg des Finanzinvestors zu begleiten. KKR hatte seine Anteile aber schon Anfang 2006 abgestoßen.

          Stark will auch nicht in den Aufsichtsrat wechseln. Derzeit wird auch darüber spekuliert, dass auch Aufsichtsratsvorsitzender und Europa-Chef Johannes Huth, der ursprünglich als Vertreter von KKR in den Aufsichtsrat gekommen war, in nächster Zeit seinen Abschied nehmen wird.

          Aktie erscheint vernünftig bewertet

          Bewertet ist die MTU-Aktie auf Basis der Analystenschätzungen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp 16 für das laufende und knapp 12 für das kommende Jahr. Das erscheint noch recht vernünftig.

          Die Cashflow-Entwicklung zeigt sich indes nicht so positiv. So fiel der Cashflow aus der betrieblichen Geschäftstätigkeit im Jahr 2006 um knapp 30 Prozent auf 209,8 Millionen Euro. Das führt MTU zum einen auf hohe Kundenanzahlungen im militärischen Triebwerksgeschäft im Vorjahr zurück. Zum anderen habe sich die Kapitalbindung aufgrund der anhaltend positiven Entwicklung in der zivilen Instandhaltung, der Vorbereitungen auf Auslieferung sowie von Entwicklungsarbeiten. Dadurch fiel auch der freie Cashflow mit 115,7 Millionen Euro niedriger aus.

          2007 soll dieser dann sogar auf 70 Millionen Euro sinken. Dies sei auf strategische Investments wie zusätzliche Programmbeteiligungen sowie den Aufbau eines neuen Standorts in Zentraleuropa zurückzuführen.

          Demgegenüber sind die Finanzverbindlichkeiten brutto um rund 15 Prozent auf 338,8 Millionen Euro gestiegen, netto aber aufgrund der Aufstockung der liquiden Mittel um knapp 13 Prozent auf 236,6 Millionen Euro gefallen, so dass sie nur noch 7,6 Prozent der Bilanzsumme betrügen. Die Phase der Entschuldung sei beendet und man verfüge nunmehr über einen Finanzierungsrahmen sowie Liquiditätsreserven, die es erlaubten, neu zu expandieren.

          Mit dem Ausbruch über die Widerstandszone bei 42 Euro hat sich die Notierung charttechnisch weiter Luft nach oben verschafft und könnte damit auf neue Hochs vorstoßen.

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