https://www.faz.net/-gv6-nua0

Maschinenbau : Mit der Böwe-Aktie kann die Post abgehen

  • Aktualisiert am

Bild:

Auch im Zeitalter von E-Mail und Internet werden Kuvertiermaschinen nachgefragt, um herkömmliche Briefe einzutüten. Davon profitieren der europäische Marktführer Böwe und dessen Aktie.

          2 Min.

          Die Deutsche Post AG hat zwar mit Stagnation in ihrem Briefgeschäft zu kämpfen. Doch für neue Kuvertiermaschinen besteht weiter ein Markt, auf den sich aufbauen läßt. Dies geht aus dem Halbjahresbericht der Böwe AG hervor, die Marktführer für Kuvertiermaschinen in Europa ist und sich in Amerika ausgedehnt hat.

          Der Augsburger Konzern hat im ersten Halbjahr durch einen Zukauf in den Vereinigten Staaten den Umsatz enorm gesteigert, aber Einbußen beim Ergebnis hinnehmen müssen. Der Quartalsgewinn ist dagegen gestiegen und der Vorstand zuversichtlich. Dies kommt der Aktie am Donnerstag zugute: Sie steigt im Xetra-Handel um gut drei Prozent auf 30,93 Euro, nachdem sie Tagesverlauf schon ihr neues Jahreshoch markiert hat.

          Leichter Aufschwung in Europa

          Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe sich in den Monaten April bis Juni auf 5,4 Millionen Euro von 3,7 Millionen Euro im vergleichbaren Vorjahreszeitraum erhöht, teilte das im SDax gelistete Unternehmen mit. Der Umsatz stieg auf 81,6 Millionen Euro von 50,7 Millionen Euro. Grund sei vor allem die im laufenden Jahr erstmalige anteilige Konsolidierung der 50 Prozent zählenden Beteiligung an Böwe Bell + Howell, wie Reuters meldet. Zudem habe sich auch bei einigen der traditionellen Niederlassungen in Europa ein leichter Aufschwung abgezeichnet.

          Das Nettoergebnis habe sich im zweiten Quartal auf 2,5 von 1,9 Millionen Euro erhöht, teilte das Unternehmen mit. Auf Grund der angefallenen Kosten für Böwe Bell + Howell verdiente Böwe Systec im Halbjahr mit 1,1 Millionen Euro netto allerdings deutlich weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum mit 3,7 Millionen Euro.

          Lob von Analysten-Seite: Auf gutem Weg

          Böwe Systec hatte sich Ende vergangenen Jahres bei seinem Konkurrenten Bell + Howell eingekauft und Interesse an einer späteren vollständigen Übernahme gezeigt. Böwe ist eigenen Angaben zufolge europäischer Marktführer bei Kuvertiersystemen. Diese Akquisition war aus Sicht von Berenberg Bank-Analyst Roland Rapelius eine „einmalige Gelegenheit“, in Amerika fester Fuß zu fassen und auf einen Schlag Weltmarktführer zu werden. Die nun vorgelegten Zahlen bewertet er als gut. „Sie bestätigen, daß sich Böwe bei der Integration von Bell + Howell auf einem guten Weg befindet“, sagte er zu FAZ.NET.

          Die Zahlen seien gerade angesichts der Tatsache, daß Böwe Investitionsgüter herstelle, sich die Kunden zurückhielten und das wirtschaftliche Umfeld noch schwierig sei, bemerkenswert. Er geht davon, daß die Integrationskosten sich nur noch im dritten Quartal bemerkbar machen werden und anschließend die Margen steigen werden. Auch wenn im normalen Briefmarkt kein wesentliches Wachstum zu erwarten, wird auch aus dieser Richtung weiter Nachfrage nach Kuvertiermaschinen bestehen. Wachstum gebe es aber vor allem aufgrund des zunehmenden Direktmarketings über Briefe. Vor diesem Hintergrund bleibe die Aktie ein Kauf mit dem neuen Kursziel 39 Euro.

          Früher als andere Titel aus Tal der Tränen erhoben

          Diese Hochstufung vollzieht in Teilen den Kursaufschwung nach, den dieser Titel gesehen hat: Binnen Jahresfrist hat er sich um 52,2 Prozent verbessert. Und seit November vergangenen Jahres ist der Wert der Aktie sogar um 74 Prozent gestiegen. Folglich hat sich dieser Titel früher als der Gesamtmarkt aus dem Tal der Tränen erhoben, Ende April hat er sich aus dem langfristigen Abwärtstrend verabschiedet und bewegt sich seitdem stetig aufwärts.

          Dabei ist er mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,2 nicht hoch bewertet. Angesichts dessen, des zuversichtlichen Ausblicks des Managements, das den Jahresgewinnum 28 Prozent steigern will, und des aktuellen Trends dürfte das derzeitige Kursniveau nur eine Zwischenstation auf dem weiteren Weg nach oben sein. Dies gilt vor allem dann, wenn der Kurs die kleinen Widerstände bei 31,69 Euro und 32,40 Euro (markiert im Juni 1999) überwindet. Dann wäre technisch gesehen der Weg frei bis 35,25 Euro, wo der nächste Widerstand lauert. Zudem macht die Dividendenrendite von 4,0 Prozent den Titel interessant.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trumps ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton Ende September in Washington D.C.

          Wegen Ukraine-Affäre : Bolton wollte Giulianis Vorgehen überprüfen

          Die Ukraine-Affäre zieht immer weitere Kreise. Medienberichten zufolge soll Trumps ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton über das Vorgehen Rudy Giulianis so beunruhigt gewesen sein, dass er einen Anwalt einschalten wollte.
          Luisa Neubauer: Die „Fridays for Future“-Bewegung wird medial vor allem von jungen Frauen repräsentiert.

          Shell-Jugendstudie : Es ist der Klimawandel, Dummkopf!

          „Eine Generation meldet sich zu Wort“: So heißt die 18. Shell-Jugendstudie. Eine neue Entwicklung stellten die Autoren nicht nur bei Themen fest, die Jugendlichen Sorgen bereiten – sondern auch bei den Geschlechterrollen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.