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Maschinenbau : Gildemeister zieht an SDax vorbei und sendet Kaufsignal

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Gildemeister verdient sein Geld mit Dreh- und Fräsmaschinen Bild: Gildemeister

In den vergangenen Jahren ist die Aktie des lange Zeit mit einer schwachen Ertragskraft kämpfenden Maschinenbauers Gildemeister deutlich hinter dem SDax hergelaufen. Doch binnen vier Wochen hat das Bild gedreht. Und die Aktie sendet ein Kaufsignal.

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          In den vergangenen Jahren ist die Aktie des lange Zeit mit einer schwachen Ertragskraft kämpfenden Maschinenbauers Gildemeister deutlich hinter dem SDax hergelaufen. Besonders kraß wirkt der Vergleich der jeweiligen Fünf-Jahres-Performance: Während Gildemeister gut 28 Prozent an Wert eingebüßt hat, steht der Kleinwerteindex derzeit um 42 Prozent höher als Ende Januar 2001. Auch mit Blick auf die vergangenen zwölf Monaten hat der SDax mit 36 Prozent zu 22 Prozent die Nase vorn (siehe Graphik 1).

          Doch binnen vier Wochen hat das Bild gedreht. Gildemeister ist bei gestiegenen Umsätzen mit der Aktie um gut elf Prozent geklettert, der Index dagegen lediglich um 6,6 Prozent. Und viel wichtiger: Am Donnerstag kletterte die Notiz über das bisherige Zweijahreshoch bei 6,37 Euro, das gleichsam eine hartnäckige charttechnische Hürde (gewesen) ist. Das Papier ging am Donnerstag auf dem Tageshoch bei 6,45 Euro aus dem Xetra-Handel. Insofern sendet die Aktie ein frisches Kaufsignal (siehe Graphik 2). Und dieses wird von Anleger aufgenommen: Die Notiz steigt im frühen Handel bei recht hohen Umsätzen um gut 2,3 Prozent auf 6,60 Euro, hatte aber schon ein Plus von 3,7 Prozent auf 6,69 Euro erreicht, das postwendend zu Gewinnmitnahmen führte.

          Zuversicht im Maschinenbau unterstützt Aktie

          Der Auftrieb an der Börse hat einen realwirtschaftlichen Hintergrund. Vor zwei Wochen ereilte die Anleger eine gute Nachricht: Im Maschinenbau ist der langersehnte Funke des Exports auf das Inlandsgeschäft übergesprungen. Die deutsche Schlüsselindustrie erwartet nun einen anhaltenden Aufschwung in Deutschland und ist optimistisch für 2006. „Die Firmen sind wieder in Investitionslaune“, berichtete der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Da gleichzeitig der Export außerordentlich gut laufe, werde 2006 ein Wachstumsjahr mit einem Produktionsplus von zwei Prozent - nach vier Prozent Plus in 2005, berichtet dpa.

          Zuvor hatte der Konzernvorstand von Gildemeister bekräftigt, für 2005 einen Jahresgewinn von gut zehn Millionen Euro auszuweisen. Nach der erfreulich verlaufenen Fachmesse EMO und angesichts der weltweit gestiegenen Nachfrage will Gildemeister dieses Jahr den Umsatz um fünf Prozent steigern. Überdies hat der Vorstand angekündigt, für 2005 die Dividendenzahlung mit zehn Cent je Anteilsschein wieder aufzunehmen, nachdem es für 2003 und 2004 keine Dividende gegeben hatte.

          HVB sieht „gute Perspektiven“ für 2006 und 2007

          Unter Analysten gilt die Aktie bisher unter dem Strich lediglich als Halte-Position. Entsprechend hat sich zuletzt das Bankhaus Lampe geäußert, das ein Kursziel bei 6,70 Euro gesteckt hat. Dagegen bewertet die Hypo-Vereinsbank das Papier mit „outperform“ und hat das Kursziel bei sieben Euro gesteckt. Die gesamten Auftragseingänge hätten gegenüber dem Vorjahr um 10,9 Prozent auf 298,8 Millionen Euro zugenommen. Der Auftragsbestand habe gegenüber dem Vorjahresquartal um 14 Prozent auf 383,1 Millionen Euro zugelegt, hieß es nach Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal zur Begründung. Die HVB billigt Gildemeister für dieses und das nächste Jahr „gute Perspektiven“ zu.

          Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 15 ist der Titel günstiger bewertet als für das Jahr, für das ein Wert von 18,7 zu Buche steht. Auch kann sich die erwartete Dividendenrendite von 2,6 Prozent durchaus sehen lassen. Analysten gehen von einer Ausschüttung von 16 Cent je Aktie nach zehn Cent für 2005 aus.

          Derzeit steht jedoch weniger die Bewertung oder die Dividendenrendite im Fokus, sondern das vorteilhafte Kursbild. Sollten Anleger die Aktie auf der Einkaufsliste belassen und die Notiz mithin das Kaufsignal bestätigen, könnte sie erfahrungsgemäß um zehn bis 15 Prozent steigen. Auf dem weiteren Weg nach oben muß sie die vom Zwischenhoch aus dem August 2003 bei 6,80 Euro aufgestellte Hürde aus dem Weg räumen. Die nächste breitere Widerstandszone lauert dann bei gut sieben Euro, eine weitere bei etwa 7,70 Euro. Unter dem Strich wirkt das Papier durchaus attraktiv, Anleger sollte aber wegen der absehbaren Widerstände keine Kurssprünge erwarten.

          Der technische HSBC-Analyst Jörg Scherer wertet die Bewegung der Notiz vielversprechend. Für die nächsten drei bis sechs Monate erwartet er einen Test der Marke von acht Euro.

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