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Markttechnik : Währungssensitive Titel mit einer relativen Stärke

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Bild: F.A.Z.

International wichtige Aktienindizes hängen in technischen Korrekturen oder schwankungsintensiven Konsolidierungen fest. Für deutsche Papiere sieht es dagegen technisch konstruktiv aus. Zum Beispiel für Aktien von SAP, EADS und Qiagen.

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          International wichtige Aktienindizes hängen derzeit in technischen Korrekturen oder mittelfristigen, schwankungsintensiven Konsolidierungen fest. Bei europäischen und deutschen Aktien verstärkt sich hingegen der Einarbeitungsprozess der Währungsverschiebungen der letzten Monate. Für technisch motivierte (Neu-)Engagements sollten Käufe damit auf deutsche Aktien konzentriert werden. Und zwar besonders auf solche, deren entweder bereits ansprechende operative Entwicklung oder eine sich abzeichnende Ertragswende durch den schwächeren Euro noch verbessert oder beschleunigt wird. Zusätzlich sollte eine attraktive technische Gesamtlage bei dem entsprechenden Titel vorliegen.

          Mit Blick auf den deutschen Leitindex Dax bieten sich deshalb technische Käufe an - zum Beispiel die Aktien von Fresenius Medical Care und SAP. Im M-Dax würde EADS als spekulativer technischer Kauf auf einer Einkaufsliste oben stehen. Im Tec-Dax liegt diese attraktive Gesamtsituation bei Qiagen vor.

          SAP-Aktie arbeitet am technischen Ausbruch nach oben

          Der Software-Konzern SAP befindet sich seit April 2006 in einer moderaten langfristigen Baisse, die durch einen zentralen Baisse-Trend begrenzt wird, der aktuell bei rund 37,50 Euro liegt. Zusätzlich hat die Aktie in den letzten Jahren eine gestaffelte Widerstandszone von 40 bis 42 Euro etabliert. Nach dem ausgeprägten Kursrutsch im September und Oktober 2008 (der Kurs sank damals von 40,30 auf 20,70 Euro) hatte die Aktie eine technische Bodenformation (Aufwärtsdreieck unterhalb der Widerstandszone um 29,80 Euro) etabliert. Aus dieser lief sie im April 2009 mit einem Investment-Kaufsignal heraus. In den Folgemonaten bildete sie dann eine moderate Hausse-Bewegung oberhalb der steigenden 200-Tage-Linie heraus. Dieser Hausse-Trend liegt aktuell bei etwa 33 Euro. Durch diese Hausse-Bewegung ist SAP, das als Profiteur des schwächeren Euro gilt, an den zentralen, moderaten mehrjährigen Baisse-Trend herangeführt worden.

          Die technische Gesamtlage von SAP, die in den letzten Wochen eine relative Stärke gegenüber dem Dax etabliert hat, deutet an, dass die Aktie am Verlassen dieses vierjährigen Baisse-Trends (nach oben) arbeitet. Da sich für diesen Fall ausgeprägte technische Perspektiven bieten sollten, ist für SAP aus technischer Sicht eine Doppelstrategie interessant: Zunächst sollte die vorhandene SAP-Position aufgestockt werden. Eine abermalige Aufstockung sollte aus technischer Sicht bei einem neuen Investment-Kaufsignal, das bei Kursen über 38 Euro vorliegt, oder bei einem zweiten neuen Investment-Kaufsignal oberhalb von 42 Euro je Aktie vorgenommen werden. Der europäische Luftfahrtkonzern EADS, der mit einem Indexanteil von rund 9,5 Prozent aktuell der nach Streubesitz größte Titel im 50 Aktien umfassenden M-Dax ist, durchlief seit März 2006 eine sehr ausgeprägte Baisse. Ausgehend von einem Kursniveau um 35,50 Euro, entwickelte sich ein langfristiges Wechselspiel von Verkaufssignalen, mittelfristigen Abwärtstrends und mittelfristigen Konsolidierungen, wobei der mehrjährige zentrale Baisse-Trend zuletzt bei einem Kursniveau um 14,50 Euro herum angekommen war. Vorher - zum Jahreswechsel 2008/2009 - war die Aktie aus dem damaligen, mittelfristigen Abwärtstrendkanal (die Abwärtstrendkanallinie lag bei 12 Euro) mit einem ersten Kaufsignal herausgekommen und hatte damit aus technischer Sicht den langfristigen Übergang in eine Bodenformation angedeutet.

          Diese Bodenformation, die insgesamt seit dem ersten Quartal 2008 besteht, hat den technischen Charakter eines "Rounding"oder einer "Mehrfach-Kopf-Schulter-Kaufformation" und wird von der Widerstandszone von 16,50 Euro bis 16,70 Euro begrenzt.

          EADS profitiert überdurchschnittlich vom tieferen Kursniveau des Euro

          Zunächst lief EADS im Mai 2010 noch innerhalb dieser Bodenformation mit einem von steigenden Handelsvolumina an der Börse begleiteten Kaufsignal aus dem vierjährigen, zentralen Baisse-Trend heraus und testete die langfristige Widerstandszone. In den vergangenen Tagen arbeitete die Aktie mit dem Sprung über die Zone von 16,50 Euro bis 16,70 Euro am Verlassen dieses Bereiches. Da sich bei der EADS, die vom Markt als Gewinner des abgewerteten Euro eingestuft wird, der Übergang in eine neue technische Hausse andeutet und das nächste mittelfristige technische Kurspotential im Test der Widerstandszone um 20 Euro liegen sollte, ist dieser Wert aus spekulativer technischer Sicht ein Kauf. Hierbei sollte jede EADS-Position mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 13,50 Euro belegt werden.

          Im Tec-Dax sollte das Index-Schwergewicht Qiagen, der zweitgrößte europäische Biotechnologie-Konzern mit einem Unternehmensschwerpunkt bei Technologien für angewandte Testverfahren und Diagnostik, insgesamt ebenfalls vom schwächeren Euro profitieren. Die Aktie von Qiagen hatte die Gesamtmarkt-Baisse, ausgehend von Kursen um 16,40 Euro, mit einem Korrekturkanal überstanden. Im Juli 2009 übersprang der Titel dann im Zuge der Gesamtmarkterholung ein Investment-Kaufsignal in Höhe von 13,20 Euro und kam aus dem Korrekturkanal heraus. In den Folgemonaten etablierte die Aktie eine idealtypische Hausse-Bewegung, wobei der Hausse-Trend aktuell bei etwa 16,30 Euro liegt und damit leicht oberhalb der steigenden 200-Tage-Linie.

          In den letzten Wochen steckte die Aktie in einer trendbestätigenden Konsolidierung unterhalb der kleinen Widerstandszone um 17,90 Euro. Da die technische Gesamtlage weiterhin den defensiven technischen Wachstumscharakter von Qiagen unterstreicht und das langfristige technische Kurspotential unverändert bei der Bandbreite von 19,50 Euro bis 20 Euro liegen sollte, bleibt Qiagen ein technischer Kauf. Trotz der ansprechenden technischen Gesamtlage sollte aber auch jede Qiagen-Position mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 14,50 Euro belegt werden.

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