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Markttechnik : Salzgitter mit Verkaufssignalen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Makroökonomische Aspekte einiger Euroländer drücken viele Standardwerteindizes in eine schwankungsintensive Konsolidierung. Bei einigen Standardwerten in Europa und Deutschland kommt es aus technischer Sicht zu mittelfristigen Eintrübungen.

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          Nachdem die internationalen Aktienmärkte seit Mitte Februar 2010 deutliche Kursgewinne erzielen konnten, drücken jetzt besonders die makroökonomischen Aspekte wie zum Beispiel die Schuldenproblematik einiger Euroländer viele Standardwerteindizes in eine schwankungsintensive Konsolidierung. Während es sich hierbei zunächst um eine normale Konsolidierung im laufenden Haussezyklus handelt und damit die erwartete Abschwächung der Aufwärtsdynamik bei vielen Aktienindizes einsetzen sollte, kommt es bei einigen Standardwerten in Europa und Deutschland zu mittelfristigen Eintrübungen.

          Dies bedeutet, dass wegen der fehlenden technischen Perspektive bei Aktien wie dem britischen Stoxx-50-Titel BG, den Euro-Stoxx-50-Werten AXA, Credit Agricole, Intesa Sanpaolo, Repsol, Telecom Italia, Telefonica und Unibail Rodamco, aber auch dem Dax-Wert Salzgitter Verkäufe beziehungsweise Tauschoperationen in attraktivere Alternativen sinnvoll sind.

          Repsol und BG Group - die technische Lage hat sich verschlechtert

          Von den großen europäischen Öl- und Gaskonzernen hat sich nicht nur die technische Lage bei der spanischen Repsol, sondern auch bei der britischen BG Group verschlechtert. Einerseits gehört diese Aktie seit vielen Jahren zu den defensiven technischen Wachstumsaktien, was sich in der seit 1996 bestehenden langfristigen Aufwärtsbewegung widerspiegelt. Andererseits fehlt aktuell aber die mittelfristige technische Perspektive. Zwar war die Aktie ausgehend von ihrem Tief bei 638 britischen Pence im November 2008 in eine Hausse-Bewegung übergegangen, jedoch ist in den letzten Monaten die mittelfristige Aufwärtsdynamik vollständig verlorengegangen. Denn seit dem Juni 2009 steckt die Aktie bereits unterhalb der gestaffelten Widerstandszone von 1180 bis 1248 britischen Pence fest.

          Der dabei noch vorliegende freundliche Grundton hat aber nicht ausgereicht, diesen Widerstandsbereich zu überwinden. Im Gegenteil, in den letzten Wochen ist die Aktie mit einem von steigenden Handelsvolumina an der Börse begleiteten Verkaufssignal nach unten unter Druck gekommen. Am Donnerstag wurden für eine Aktie 1126 Pence gezahlt. Jetzt droht eine nachhaltige Kursetablierung unterhalb der noch leicht steigenden 200-Tage-Linie sowie ein neuer mittelfristiger Abwärtstrend. Aus technischer Sicht sollte BG, die mit einer Dividendenrendite von nur 1,2 Prozent deutlich unterhalb der anderen europäischen Öl- und Gaskonzerne liegt, verkauft und in Titel von Royal Dutch Shell getauscht werden. Hier gibt es ein mittelfristig attraktives Gesamtbild mit einem intakten Aufwärtstrend und einer Dividendenrendite von mehr als 5 Prozent.

          Stellvertretend für die zuletzt aufgetretene mittelfristige technische Eintrübung bei europäischen Standardwerten aus dem Finanzbereich mit einem ausgeprägten Geschäftsbezug zur aktuellen Schuldenproblematik einiger Euroländer soll die technische Lage der italienischen Bank Intesa Sanpaolo besprochen werden. In der letzten Baisse war diese Aktie ausgehend von Kursen um 6,20 Euro im Mai 2007 in eine sich beschleunigende Abwärtsbewegung übergegangen. Nach mehreren Verkaufssignalen endete diese technische Talfahrt mit einem Ausverkauf im März 2009 bei Kursen um 1,30 Euro, was einem Gesamtbaisseverlust von fast 80 Prozent entspricht. Danach gelang der Aktie die Etablierung einer Bodenformation in der Form einer Kopf-Schulter-Kaufformation unterhalb der Widerstandszone um 2,60 Euro.

          Auch viele Finanzwerte sehen angeschlagen aus

          Zwar konnte sich Intesa Sanpaolo ab August 2009 der laufenden Hausse an den europäischen Aktienmärkten anschließen, jedoch wurde das Kaufsignal durch den Sprung über Kurse von 2,60 Euro im August 2009 nicht von steigenden Volumina begleitet. Deshalb überrascht es nicht, wenn die Aktie im vierten Quartal 2009 in einer Seitwärtspendelbewegung unterhalb von 3,20 Euro festhing. Bereits im Februar 2010 kam die Aktie mit einem ersten Verkaufssignal unter Druck, wobei das jetzt aufgetretene zweite Verkaufssignal für die Etablierung eines mittelfristigen Abwärtstrends und neue Jahrestiefs gesorgt hat. Aktuell kostet eine Aktie 2,50 Euro. Wegen der fehlenden technischen Perspektiven sollten die Aktien von Intesa Sanpaolo verkauft und in andere, technisch attraktivere europäische Standardwerte getauscht werden. Im Bankensektor ist derzeit aber aus technischer Sicht keine attraktive Alternative in Sicht.

          Auch bei den deutschen Standardwerten aus dem Dax gibt es Titel, die in den letzten Tagen eine grundlegende mittelfristige technische Eintrübung hinnehmen mussten. Ein Beispiel hierfür ist der Stahlkonzern Salzgitter. Der Aktienkurs war zunächst von Juli 2007 bis November 2008 von 157 Euro auf 38 Euro gefallen. Nach der Baisse begab sich die Aktie in eine von hohen Kursschwankungen begleitete technische Bodenformation unterhalb von 69,50 Euro. Zwar hat sich die Aktie mit einem moderaten mittelfristigen Aufwärtstrend von März bis Juli 2009 der einsetzenden Hausse im Dax angeschlossen, jedoch konnte sich der Titel nicht richtig aus der Bodenformation lösen. So hatte sich insgesamt seit fast einem Jahr nur eine Seitwärtspendelbewegung mit einem positiven Grundton und einem technischen Aufwärtsdreieck unterhalb der Widerstandszone um 74,30 Euro ergeben. Am Donnerstag kostete eine Aktie 62 Euro. Aufgrund dieser ausgeprägten, mittelfristigen relativen Schwäche gegenüber dem Dax ist Salzgitter nach dem Börsenwert der frei verfügbaren Aktien bereits zum kleinsten Dax-Wert geworden. Die Aktie sollte die Diskussion bezüglich einer möglichen Dax-Entnahme nur noch schwer loswerden. In den letzten Tagen ist die Aktie zusätzlich noch mit einem Verkaufssignal aus dem vorherigen Aufwärtsdreieck herausgefallen. Wegen dieser deutlichen mittelfristigen technischen Eintrübung und der Gefahr eines neuen mittelfristigen Abwärtstrends sollten Salzgitter-Positionen reduziert oder aufgelöst und in andere Werte getauscht werden.

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