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Markttechnik : Liquiditätsbeschaffung in der Kurserholung

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

In den zurückliegenden Wochen haben sich in vielen weltweit wichtigen Aktienindizes die Konsolidierungen verfestigt. Bei den Aktien von CRH, GDF Suez und Glaxo Smith Kline sollten kurzfristige Kursgewinne zum Verkauf genutzt werden.

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          In den zurückliegenden Wochen haben sich in vielen weltweit wichtigen Aktienindizes die mittelfristigen Konsolidierungen beziehungsweise Korrekturen, die sich nach den Bilderbuch-Haussen der Vorquartale ergeben haben, verfestigt. Da die technische Gesamtlage eine zeitliche Ausweitung dieser Korrekturen andeutet, sollten zwischenzeitliche Kurserholungen oder kurzfristige Aufwärtsrallys genutzt werden, um bei Standardwerten mit einer mittelfristigen technischen Eintrübung eine Liquiditätsbeschaffung sowie Tauschoperationen vorzunehmen.

          Die technische Erfahrung zeigt, dass diese Titel nicht nur die laufenden Index-Konsolidierungen anführen, sondern auch an späteren Kursaufschwüngen nur unterproportional teilnehmen sollten. Beispiele für europäische Standardwerte, die deshalb verkauft werden sollen, sind aus dem Bausektor die irische CRH, aus dem Versorgungsbereich die französische GDF Suez und aus dem Pharmasektor die britische Glaxo Smith Kline.

          Eintrübungen aus technischer Sicht in verschiedenen Branchen

          Der irische Baukonzern CRH, der im September 2009 in den Euro Stoxx 50 aufgenommen worden ist, hatte in der Baisse von Juni 2007 bis zum März 2009 in zwei kräftigen Abwärtstrends einen Kursrückgang von 36,10 Euro auf 11,50 Euro hinnehmen müssen. Hierbei war die Aktie bereits ab dem Juli 2008 oberhalb der Unterstützung um 12,50 Euro in eine Seitwärtsbewegung hineingelaufen, so dass es im zweiten Halbjahr auch zum Verlassen des zentralen Baisse-Trends zur Seite gekommen ist. Nach dem "Mini-Ausverkauf" (technischer Sell-off) im März 2009 hatte sich CRH der einsetzenden Erholung der Gesamtmärkte angeschlossen und ebenfalls einen moderaten, 15-monatigen Aufwärtstrendkanal (untere Aufwärtstrendkanallinie lag zuletzt bei etwa 17,50 Euro) herausgebildet.

          Innerhalb dieses Aufwärtstrendkanals konnte CRH immer nur Trading-Kaufsignale etablieren, so dass eine grundlegende Aufarbeitung der vorherigen Baisse nicht in Gang gekommen ist. Parallel zur technischen Eintrübung im europäischen Bausektor sowie in vielen Sektorschwergewichten ist zuletzt auch die mittelfristige technische Lage in CRH ins Negative gedreht. In den letzten Handelstagen ist CRH mit einem Gewinnmitnahmesignal/Verkaufssignal aus dem Aufwärtstrendkanal herausgefallen. Da es nach der Kursetablierung unterhalb der 200-Tage-Linie viele Monate dauern sollte, bis sich die technische Lage wieder verbessert, weist CRH - besonders in einer Kurserholung - einen typischen Liquiditätsbeschaffungschart auf.

          Im europäischen Versorgersektor gibt es einige Titel, die in den letzten Monaten mit einer grundlegenden technischen Eintrübung zu kämpfen haben. Dazu gehört auch der französische Euro-Stoxx-50-Titel GDF Suez. Diese Aktie war - unter Berücksichtigung der vorherigen Fusion von den beiden französischen Versorgern GDF und Suez - ausgehend von Kursen um 43,50 Euro (Juni 2008) von der damals bereits laufenden Gesamtmarktbaisse erfasst worden. Die kurzfristige, aber sehr heftige Baisse hatte die Aktie mit mehreren Verkaufssignalen in einen Ausverkauf (technischer "Sell-off") mit Kursen um 21,40 Euro (Oktober 2008) geschickt.

          Liquiditätsbeschaffung heißt im Kern Verkauf

          Der Aktie war es nur unter hohen Schwankungen möglich, ab dem März 2009 eine Trading-Bodenformation herauszubilden. Zwar gelang im Juli 2009 mit dem Verlassen des zentralen Baisse-Trends und dem gleichzeitigen Sprung über die 200-Tage-Linie eine technische Verbesserung, jedoch reichte diese nicht aus, um eine Aufarbeitung der Baisse in Gang zu setzen. Seit dem Jahreswechsel 2009/2010 und den ersten Verkaufssignalen befindet sich GDF Suez schon wieder in einem Abwärtstrend, wobei die Aktie mit Kursen um 23,00 Euro bereits an der langfristigen Unterstützungszone von 21,40 Euro bis 23,00 Euro angekommen ist. Da bei GDF Suez trotz der attraktiven Dividendenrendite die mittelfristigen technischen Perspektiven fehlen, sollte die Aktie in Kurserholungen hinein verkauft oder in attraktivere europäische Standardwerte getauscht werden.

          Im europäischen Pharmasektor, in dem die 34 größten europäischen Pharma- und Biotechnologie-Unternehmen zusammengefasst sind, gibt es ebenfalls einige Aktien mit geringen technischen Perspektiven. Hierzu gehört auch das Sektorschwergewicht, der britische Pharmakonzern Glaxo Smith Kline. Diese Aktie befindet sich seit den bisherigen historischen Topkursen bei etwa 2340 britischen Pence (Januar 1999) in einer langfristigen Seitwärts-Abwärts-Bewegung. Seit dem Zwischenhoch (März 2006) bei 1590 Pence hat die Aktie wieder eine moderate langfristige Baisse-Bewegung herausgebildet. Allerdings ist es der Aktie seit dem Jahreswechsel 2007/2008 gelungen, zumindest in eine langfristige Seitwärtspendelbewegung hineinzulaufen.

          Diese wird einerseits durch die bereits mehrmals getestete Unterstützungszone um 986 Pence und andererseits durch die Widerstandszone von 1340 bis 1350 Pence begrenzt. Innerhalb dieser Seitwärtspendelbewegung gibt es sicherlich immer wieder technische Trading-Chancen, da aber die Hinweise auf ein Verlassen dieser langfristigen Range nicht vorliegen, fehlen die technischen Perspektiven für Investment-Positionen. In den letzten Monaten hat die Aktie innerhalb dieser langfristigen Seitwärtspendelbewegung wieder einen mittelfristigen Abwärtstrend (Abwärtstrendlinie bei etwa 1230 Pence) herausgebildet. Glaxo Smith Kline gehört damit aus technischer Sicht ebenfalls zu den europäischen Standardwerten, die einen Liquiditätsbeschaffungschart aufweisen.

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