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Markttechnik : Gefallene Engel haben wieder Flügel

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Vor einem Jahr war kurz nach dem Umschlagen der Aktienmärkte zum Wiedereinstieg die Strategie der "gefallenen Engel" vorgestellt worden. Die Wertentwicklung des Aktienkorbs aus Allianz, BASF, SAP, Total und Vinci kann sich sehen lassen.

          Vor einem Jahr war kurz nach dem Umschlagen der Aktienmärkte zum Wiedereinstieg sowohl in die europäischen Standardwerte als auch in die mittelgroßen deutschen Aktien die Strategie der "gefallenen Engel" vorgestellt worden (siehe: Die Stunde der "Gefallenen Engel").

          Aus technischer Sicht handelt es sich bei Aktien dann um "gefallene Engel", wenn diese Titel, die Sektorschwergewichte sein sollen, in der zurückliegenden Baisse mindestens 50 Prozent Kursverlust hinnehmen mussten und danach aber eine qualitativ hochwertige, technische Bodenformation mit einem Investment-Kaufsignal verlassen haben. Im Regelfall führen diese Titel die anschließende Kurserholung beziehungsweise die Hausse in den Aktienindizes an. Diese technische Strategie ist auch diesmal wieder ansprechend aufgegangen. Der gleichgewichtete Aktienkorb aus Standardwerten des Euro-Raums hat den Referenzindex - Euro Stoxx 50 - ebenso geschlagen wie der gleichgewichtete Aktienkorb aus mittelgroßen, deutschen Aktien seinen Referenzindex - den M-Dax.

          Die Wertentwickung kann sich sehen lassen

          Der vorgestellte, gleichgewichtete Aktienkorb mit Blick auf die Standardwerte aus dem Euro-Raum besteht aus Allianz, BASF, SAP, Total und Vinci. Dieser Aktienkorb hat seit Mitte April 2009 eine Gesamtentwicklung von 41,1 Prozent erzielt, wobei die zwischenzeitlichen Dividenden als Kasse-Position gehalten wurden. Der Euro-Stoxx-50-Performance-Index, bei dem Dividendenzahlungen in Index-Kursgewinne umgerechnet werden, hat im gleichen Zeitraum einen Kursanstieg von 33 Prozent aufgewiesen. Der gleichgewichtete Aktienkorb aus mittelgroßen deutschen Aktien besteht aus Gea, Hochtief und Lanxess. Dieser Aktienkorb hat bei gleicher Behandlung der Dividenden einen Kursgewinn von 78,6 Prozent erzielt. Der M-Dax (als Performance-Index) hat in der gleichen Zeitperiode "nur" 46,6 Prozent hinzugewonnen. Während aus technischer Sicht aus dem "Euro-Raum-Aktienkorb" Allianz, SAP, Total und Vinci auch auf dem aktuellen Kursniveau weiterhin technische (Zu-)Käufe darstellen, sollte die Lage bei den mittelgroßen deutschen Titeln aufgrund der sehr ausgeprägten Kursgewinne in den vergangenen zwölf Monaten im Detail analysiert werden.

          Der Maschinenbauer Gea ist aktuell der drittgrößte Titel im M-Dax mit einem Index-Anteil von 4,3 Prozent. Die Aktie hatte nach der Hausse (von September 2001 bis Oktober 2007, Kursanstieg von 4,30 auf 28,30 Euro) zum Jahreswechsel 2007/08 eine langfristige technische Top-Formation ("technischer Diamant") mit der gestaffelten Unterstützungszone von 18,30 bis 19 Euro herausgebildet. Im Juli/August 2008 war die Aktie mit sehr ausgeprägten Verkaufssignalen aus der Top-Formation herausgefallen und war in einen sehr steilen Baisse-Trend hineingelaufen, der im März 2009 bei Kursen um 7,30 Euro in einem mittelfristigen technischen Keil (eine positive technische Bodenformation) endete. Deshalb überrascht es nicht, dass es nach den Investment-Kaufsignalen (im April und Juli 2009) in Gea zu einem sehr steilen Hausse-Trend gekommen ist. In den letzten Wochen ist die Aktie bis an die alte Zone von 18,30 bis 19,00 Euro, die jetzt als Widerstandszone arbeiten sollte, herangelaufen. Da die Investment-Kaufsignale abgearbeitet sein sollten, aufgrund der schnellen Kursgewinne in den letzten Wochen eine mittelfristig überkaufte Lage entstanden ist und die Aktie jetzt die gesamte Zone der Top-Formation als Widerstandszone vor sich hat, ist die Aktie aktuell nur noch eine gute technische Halteposition mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 14,50 Euro.

          Lage bei den mittelgroßen deutschen Titeln sollte näher betrachtet werden

          Der Baukonzern Hochtief hat mit einem M-Dax-Anteil von 4,2 Prozent aktuell die Position vier im Index inne. Die Aktie musste in der letzten Baisse einen sehr ausgeprägten Kursrückgang (November 2008 bis Oktober 2009; von 98,30 auf 19,80 Euro) hinnehmen. Diese Baisse mündete in einer idealtypischen Bodenformation (technischer Doppelboden oder "W-Formation") unterhalb der Widerstandszone um 36,80 Euro. Nach den Investment-Kaufsignalen (Verlassen des Baisse-Trends, Abschluss der Bodenformation) kam es bei Hochtief zu einer sehr ausgeprägten Kurserholung, die im Oktober 2009 bei Kursen um 60,70 Euro ihr Zwischenhoch herausbildete. Insgesamt hatte sich in den letzten Monaten eine mittelfristige Konsolidierung in Form einer Seitwärtspendelbewegung (Unterstützung um 49,30 Euro; Widerstand um 60,70 Euro) herausgebildet. Der trendbestätigende Charakter (nach oben) zeigte sich in den letzten Handelstagen durch das neue Investment-Kaufsignal (Sprung über die Widerstandszone um 60,70 Euro). Da die technische Gesamtlage ein weiteres Kurspotential bis deutlich oberhalb von 70 Euro andeutet, bleibt Hochtief ein technischer (Zu-)Kauf. Der strategische Sicherungsstopp für eine Hochtief-Position sollte bei 49,50 Euro liegen.

          Der Chemiewert Lanxess, der aktuell an Position fünf im M-Dax mit einem Index-Anteil von 4,1 Prozent steht, war in der Baisse, begleitet von mehreren Verkaufssignalen von 43,80 Euro (März 2007) auf 10,30 Euro (November 2009) zurückgefallen. Die klassische, technische Bodenformation (Trading-Box mit der Unterstützung um 10,30 Euro; Widerstandszone um 15 Euro) zum Jahreswechsel 2008/2009 hatte Lanxess im April 2009 mit einem Investment-Kaufsignal verlassen. Seitdem befindet sich die Aktie - getragen von mehreren (Investment-)Kaufsignalen - in einem steilen Hausse-Trend (Hausse-Trendlinie bei etwa 28 Euro). Nach den sehr ausgeprägten Kursgewinnen in den letzten zwölf Monaten ist zuletzt eine mittelfristig überkaufte Lage entstanden, so dass weitere (Zu-)Käufe aus technischer Sicht jetzt einen stark prozyklischen Charakter aufweisen. Als technische Konsequenz ist Lanxess nur noch eine "gute" technische Halteposition, wobei der strategische Sicherungsstopp bei 29 Euro liegen sollte.

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