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Markttechnik : Der Markt sendet verwirrende Signale

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Bild: FAZ.NET

Die Börsen tendieren nach oben, da sich die Anleger in der „besten aller Welten wähnen“. Allerdings sind die Gewinnprognosen unsicherer als in der Vergangenheit geworden und bei Aktienrückkäufen „wedelt der Schwanz mit dem Hund“.

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          Es gibt die normale „Unsicherheit“, die üblicherweise mit Anlageentscheidungen verbunden ist, und die kosmische Unsicherheit, die ansonsten energische und besonnene Anleger verwirrt und gelähmt zurücklässt. Es hat den Anschein, als würden Gewinnprognosen - die stärkste Triebfeder des amerikanischen Aktienmarktes - nun in das Gebiet kosmischer Unsicherheit vordringen. Wie sollten sich Anleger hierbei verhalten?

          Kosmische Unsicherheit entsteht für gewöhnlich in Zeiten der Selbstzufriedenheit - wie sie etwa im Moment zu beobachten ist. Während sich der S&P-500-Aktienindex in der Nähe eines Allzeithochs befindet, scheint der Enthusiasmus der Anleger ungebrochen. Gemessen am Rekordwert der Aktien, die auf Marge gekauft werden, waren Anleger noch nie so aggressiv wie heute. Gründe für ihre Investitionen gibt es viele: stabiles Zinsniveau, fortbestehende Übernahmefantasie, kräftige Aktienrückkäufe der Unternehmen und anhaltend starke Unternehmensgewinne.

          „Viele Leute sind ratlos“

          Bei letzterem deutet eine zunehmende Anzahl von Indikatoren indes auf größere Unsicherheit hin. Das amerikanische Wirtschaftswachstum schwächte sich im ersten Quartal ab, die Benzinpreise sind im Aufwärtstrend, der Markt für Unternehmensanleihen scheint kurz vor dem Bersten, volatile ausländische Märkte können jederzeit nachgeben und Unternehmen könnten ihre derzeit aggressiven Aktienrückkaufprogramme zurückfahren - wobei jeder dieser Punkte die Gewinne je Aktie auf Talfahrt schicken könnte. „Viele Leute in meiner Position sind ratlos“, sagt William Knapp, Stratege bei MainStay, einer New Yorker Fondsgesellschaft mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 35 Milliarden Dollar. „Wir erhalten sehr widersprüchliche Signale. Die Anleger scheinen jedoch in Wolkenkuckucksheim zu leben und davon auszugehen, dass sich die Inflation in Luft auflöst und wir ohne die Möglichkeit einer Rezession oder Finanzkrise zu höherem Wirtschaftswachstum und gesteigerter Unternehmensprofitabilität gelangen werden.“

          Die Prognose von Unternehmensgewinnen ist mittlerweile zu einem Extremsport geworden. Zu Jahresbeginn ging man an der Wall Street für das erste Quartal von Gewinnzuwächsen der S&P-500-Unternehmen von neun Prozent aus. Die Malaise auf dem Markt für zweitklassige Hypothekenkredite und die im Februar geäußerte Warnung des früheren amerikanischen Notenbankchefs Alan Greenspan vor einer Rezession 2007 führten jedoch dazu, dass die Analysten ihre Prognosen fleißig überarbeiteten. Innerhalb von wenigen Wochen senkten sie ihre Wachstumsprognosen für das erste Quartal auf klägliche 3,5 Prozent.

          Schlechtere Prognosegenauigkeit

          Nachdem mittlerweile 90 Prozent der Unternehmen des S&P-500 ihre Ergebnisse vorgelegt haben, kann man nun sicher sagen, dass die Analysten überreagiert haben. Das Wachstum im ersten Quartal verfehlte die ursprüngliche Schätzung von neun Prozent nur knapp, wobei so unterschiedliche amerikanische multinationale Konzerne wie Schering-Plough, NCR und Coca-Cola die Erwartungen um Längen übertrafen. Bis dato lagen 66 Prozent der Unternehmen über den Erwartungen, 12 Prozent entsprachen ihnen und 22 Prozent blieben dahinter zurück - ein merklicher Abstand zu den historischen Durchschnittswerten von 60, 20 und 20 Prozent. „Wall-Street-Analysten lagen klar daneben“, sagt Ashwani Kaul, leitender Analyst bei Reuters Estimates. „Niemand hat mit einem Wachstum in der Nähe des zweistelligen Bereichs gerechnet.“

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