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Markttechnik : Besser Siemens als Alstom

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Bild: F.A.Z.

Während die Nachrichtenlage von der Schuldenproblematik vieler Staaten dominiert wird, hat sich bei wichtigen Aktienindizes die Konsolidierungstendenz verfestigt. Verkaufssignale legen einen Aktientausch von Siemens zu Alstom nahe.

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          Während an den internationalen Finanzmärkten die Schuldenproblematik vieler Staaten die Aufmerksamkeit auf sich zieht, hat sich bei vielen wichtigen Aktienindizes die mittelfristige Konsolidierungstendenz - begleitet von einer hohen Schwankungsintensität - verfestigt. Mit Blick auf europäische Aktien fällt auf, dass es neben den schon angesprochenen Aktien bei weiteren Werten zu einer grundlegenden mittelfristigen technischen Eintrübung gekommen ist.

          Beispiele aus dem Euro Stoxx 50 sind Alstom, France Télécom, GDF Suez und Nokia. Mit Blick auf die mittelgroßen deutschen Aktien aus dem M-Dax und Tec-Dax sind Gagfah, Südzucker, Freenet, Q-Cells und Solarworld zu nennen. Da all diese Titel auch für den nächsten Kursaufschwung nur stark unterdurchschnittliche technische Perspektiven aufweisen, sollten hier Investments konsequent aufgelöst werden.

          Aktie von Alstom etablierte einen moderaten Hausse-Trend

          Der französische Euro-Stoxx-50-Wert Alstom, ein industrieller Mischkonzern, hatte von August 2004 bis Juli 2008 (Kursanstieg von 6,20 auf 84,10 Euro) eine technische Bilderbuch-Hausse durchlaufen, die zum Jahreswechsel 2007/2008 in eine technische Top-Formation (Seitwärtspendelbewegung zwischen 56,50 und 84,10 Euro) mündete. Alstom hatte sich der damaligen Baisse mit Zeitverzögerung angeschlossen und war erst im September des Jahres 2008 mit Verkaufssignalen (Rutsch durch die Unterstützung um 56,60 Euro) unter Druck gekommen. Dafür endete der sehr steile Baisse-Trend bereits im Oktober 2008 mit einem Ausverkauf bei Kursen um 28,60 Euro.

          Zum Jahreswechsel bildete die Aktie eine Bodenformation (Seitwärtspendelbewegung mit der Kernzone 35 bis 45 Euro) heraus. Mit dem ersten Kaufsignal (im April 2009; Verlassen der Bodenformation) etablierte Alstom einen moderaten Hausse-Trend, der zwar bis April 2010 intakt war, aber in den vergangenen Monaten kontinuierlich an Aufwärtsdynamik verloren hatte. Nachdem Alstom im März 2010 aus dem Hausse-Trend herausgelaufen war, kam die Aktie in den vergangenen Handelstagen weiter unter Druck und hat die Seitwärtsbewegung (oberhalb der Unterstützungszone um 45 Euro) mit einem Verkaufssignal abgeschlossen. Da sich bei Alstom eine mittelfristige Abwärtsbewegung herausgebildet hat, bietet sich aus technischer Sicht ein Verkauf oder Tausch in die technisch attraktivere Siemens an, die sich in einer intakten Hausse-Bewegung befindet.

          Der im M-Dax gelistete Immobilienwert Gagfah hatte ausgehend von seinem Kurshoch bei 26,10 Euro (Dezember 2006) eine Baisse-Bewegung etabliert. Begleitet von mehreren Verkaufssignalen, endete diese Baisse nach einer sehr ausgeprägten Abwärtsbeschleunigung im Dezember 2008 bei Kursen um rund 1,90 Euro (Gesamtbaisse-Verlust von 93 Prozent). Zum Jahreswechsel ergab sich eine schwankungsintensive Bodenformation (Doppelboden) unterhalb von 4,60 Euro. Das Kaufsignal (April 2009; Sprung über 4,60 Euro) führte Gagfah in einer Erholung bis auf Kurse um 8,10 Euo (September 2009). Seit fast neun Monaten lief die Aktie dann oberhalb der Unterstützungszone um 5,80 Euro nur noch seitwärts, bevor es in den vergangenen Tagen, begleitet von sehr hohen Handelsvolumina, zu einem qualitativ hochwertigen Verkaufssignal (Rutsch unter die 200-Tage-Linie und die Unterstützungszone um 5,80 Euro) kam. Aufgrund dieser mittelfristigen technischen Eintrübung sollten Positionen in Gagfah konsequent abgebaut werden. Aus technischer Sicht bietet sich im M-Dax die Deutscher Euroshop, eine Immobilien-Aktie mit einem attraktiven technischen Gesamtbild und dem Charakter eines defensiven Wachstumswerts, als Tauschkandidat an.

          Verkaufssignal bei Freenet

          Der im Tec-Dax enthaltene Telekommunikationswert Freenet war in der Baisse ebenfalls massiv unter Druck gekommen und hatte hierbei einen Kursrückgang von 25,50 Euro (August 2007) auf 2,80 Euro (November 2008) hinnehmen müssen. Trotz dieses sehr ausgeprägten Kurseinbruchs hatte sich zum Jahreswechsel 2008/2009 eine relativ ruhige technische Bodenformation ergeben. Mit dem Kaufsignal (März 2009, Verlassen der Bodenformation) war die Aufarbeitung der Baisse in Gang gekommen und Freenet bis auf ein Kursniveau von 10,30 Euro (September 2009) gestiegen. Seitdem hatte die Aktie eine Seitwärtspendelbewegung mit der Unterstützungszone um 8,80 Euro etabliert. Nachdem diese aus technischer Sicht zunächst den Charakter einer mittelfristig trendbestätigenden Konsolidierung (nach oben) aufwies, scheiterte der technische Ausbruchsversuch im März 2010.

          Deshalb überrascht es nicht, dass die Aktie nach dem gescheiterten technischen Kaufsignal nach unten umgeschlagen ist und jetzt ein qualitativ hochwertiges Verkaufssignal (Rutsch durch die Unterstützungszone um 8,80 Euro bei hohen Volumina) geliefert hat. Aufgrund dieser mittelfristigen technischen Eintrübung sollte ein Positionsabbau vorgenommen werden. Aus technischer Sicht bietet sich kein Tausch in einen anderen deutschen Telekommunikationstitel an, da zurzeit in diesem Sektor kein Titel mit einem attraktiven technischen Gesamtbild vorliegt.

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