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Markttechik : Technischer Tausch von Spreu in Weizen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Trotz der kurzfristigen Aufwärts- und Abwärtsrallys haben sich insgesamt die mittelfristigen Konsolidierungen oder Korrekturen in den weltweit wichtigen Aktienindizes ausgeweitet. Alstom, France Télécom und Roche bleiben technische Verkäufe.

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          rotz der kurzfristigen Aufwärts- und Abwärtsrallys, die sich zuletzt an den internationalen Aktienmärkten ergeben hatten, haben sich insgesamt die mittelfristigen Konsolidierungen oder Korrekturen in den weltweit wichtigen Aktienindizes ausgeweitet. Hierbei fällt es auch dem Dax immer schwerer, seinen seit vielen Monaten bestehenden positiven Grundton durchzuhalten.

          Da auch eine oft auftretende "normale" Sommerrally die mittelfristige technische Lage nicht verändern sollte, hat die Strategie, sich von europäischen Standardwerten mit einer technischen Eintrübung konsequent zu trennen, weiterhin hohe Priorität. Neben den zuletzt besprochenen Werten wie der irischen CRH, der französischen GDF Suez und der britischen Glaxo Smith Kline, die sich weiterhin zur Liquiditätsbeschaffung oder für Tauschoperationen anbieten, gehören auch die französischen Euro-Stoxx-50-Titel Alstom und France Télécom sowie aus dem Stoxx 50 die schweizerische Roche zu diesen Werten.

          Roche kann aus technischer Sicht nicht mehr an die hervorragende, frühere Gesamtlage anknüpfen

          Der Schweizer Pharmariese Roche kann derzeit aus langfristiger technischer Sicht nicht mehr an die hervorragende technische Gesamtlage, die sich seit den frühen neunziger Jahren ergeben hatte, anknüpfen. Ausgehend von den historischen Höchstkursen im Februar 2007 bei etwa 241 Schweizer Franken, war die Aktie bereits deutlich vor den internationalen Standardwerte-Indizes in einen Baisse-Trend hineingelaufen. Dieser endete nach einer Kurshalbierung im März 2009 mit einem technischen Ausverkauf bei Kursen um etwa 123 Schweizer Franken. Zwar gelang es Roche im Juli 2009, mit einem Investment-Kaufsignal aus dem vorherigen Baisse-Trend herauszukommen, jedoch reichte diese Aufwärtsdynamik nur für einen Test der kräftigen Widerstandszone ab dem Niveau von 180 Schweizer Franken. Zum Jahreswechsel 2009/2010 ergab sich ein Trading-Doppeltop, so dass Roche nicht nur aus dem vorherigen Aufwärtstrend herausgefallen ist, sondern in Kombination mit dem Verkaufssignal (April 2010) auch einen neuen Abwärtstrend aufgemacht hat. Begleitet von zuletzt immer wieder vom Markt mit Vorsicht aufgenommenen Produktmeldungen, hat sich dieser Abwärtstrend zu einem Baisse-Trend ausgeweitet, wobei sich die Abwärtsdynamik sogar noch erhöht hat. Auch wenn der Bereich von 123 bis 130 Schweizer Franken eine kräftige, mittelfristige Unterstützungszone darstellt, fehlen bei Roche die konkreten Hinweise auf eine Bodenformation. Aufgrund der fehlenden technischen Perspektiven bietet sich bei Roche auch auf dem aktuellen Kursniveau weiterhin eine Positionsreduzierung oder ein Verkauf an. Wenn Interesse an einem technischen Tausch im europäischen Pharmasektor besteht, liegt zwar mit dem Schweizer Stoxx-50-Titel Novartis ein aus relativer technischer Sicht etwas besserer Titel vor, jedoch weist unter den europäischen Pharmawerten aktuell der britische Stoxx-50-Wert Astra Zeneca die beste technische Gesamtsituation auf.

          Im europäischen Telekom-Sektor fällt unter den Schwergewichten der Euro-Stoxx-50-Titel France Télécom aus technischer Sicht weiterhin besonders negativ auf. Diese Aktie hatte, ausgehend von ihrem Hausse-Top im November 2007, bei 27,30 Euro eine Baisse etabliert, die von einem zentralen Baisse-Trend begrenzt wurde. Bis zum Juli 2009 war die Aktie auf die alte, bereits seit vielen Jahren bestehende Unterstützungszone um 15,50 Euro zurückgefallen. Zwar gelang es France Télécom, zumindest den Baisse-Trend im August 2009 zur Seite zu verlassen, jedoch reichte es nur zu einer Seitwärtspendelbewegung im Umfeld der 200-Tage-Linie.

          France Télécom konnte aus technischer Sicht die Chance auf eine Bodenformation nicht nutzen

          France Télécom konnte aus technischer Sicht die Chance auf eine Bodenformation nicht nutzen, sondern - begleitet von neuen Verkaufssignalen - die Aktie ist in den letzten Monaten wieder unter Druck gekommen und deutlich unter die Unterstützungszone von 15,50 Euro gefallen. Mit dem Erreichen neuer Kurstiefs bei 14,00 Euro bleibt damit die seit November 2007 bestehende Baisse weiterhin intakt. Trotz der hohen und weit über dem Durchschnitt des Euro-Stoxx-50 liegenden Dividendenrendite mahnt die technische Gesamtlage bei France Télécom weiterhin zur Vorsicht. Hier bietet sich im Sektor die Deutsche Telekom als Tauschkandidat an, da sich in dieser Aktie die mittelfristige technische Lage in den letzten Monaten sogar verbessert hat.

          Beim französischen Energie- und Transportkonzern Alstom, der im Industriesektor zu finden ist und ebenfalls dem Euro-Stoxx-50 angehört, zeigt sich, dass technische Eintrübungen und mittelfristige Verkaufssignale aus gutem Grund zur Vorsicht mahnen. Alstom war nach der Baisse, die im Oktober 2008 bei Kursen um 28,60 Euro endete, sowohl in eine technische Bodenformation als auch in eine mittelfristige Erholung hineingelaufen. Jedoch bereits ab August 2009 ging die Aufwärtsdynamik in der Aktie verloren, und es ergab sich eine Trading-Top-Formation. Im April 2010 ist Alstom dann nicht nur aus dem vorherigen Aufwärtstrend, sondern auch aus dieser Trading-Top-Formation mit einem Verkaufssignal herausgefallen. Seitdem haben sich mittelfristige Abwärtstrends ergeben, die Alstom im Sektorvergleich in eine relativ schwache technische Position geführt haben. Darüber hinaus hat diese schlechte Kursentwicklung dazu geführt, dass Alstom aus indextechnischer Sicht im Kreis der Euro-Stoxx-50-Entnahmekandidaten für die im September 2010 anstehende, reguläre jährliche Indexüberprüfung angekommen ist. Trotz der Kursverluste der Vorwochen bietet sich bei Alstom auch auf dem jetzigen Kursniveau weiter ein technischer Tausch im Sektor und hier in die technisch ansprechende Siemens an.

          Der Autor leitet das europäische Index Research von Commerzbank Corporates & Markets.

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