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Marktstimmung : Tec-Optimisten realisieren Gewinne und verschwinden

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Der Optimismus der „Dax-Anleger“ hält sich nach einer Analyse von Cognitrend noch relativ gut. Die „Technologiefreaks“ neigen zu Gewinnmitnahmen. Angesichts des nahenden Jahresendes sind sie auch im Dax denkbar.

          Zwei vergebliche Anläufe, die 4.000er Dax-Marke zu erreichen, führte bei Anlegern offensichtlich zu einer Ernüchterung. Die Attentate von Istanbul und der starke Euro belasten die Stimmung und die Aktienmärkte. Während beim Dax die Optimisten die Stellung halten, übernehmen unter den TecDax-Investoren die Pessimisten das Zepter.

          „Es scheint, als sei die Börsenwelt knapp oberhalb von 3.810 Zählern vernagelt. Denn trotz zweier weiterer Anläufe scheiterte der Dax jeweils kurz vor dieser Hürde“, schreibt Joachim Goldberg von Cognitrend in seiner jüngsten Analyse zur Stimmung unter Anlegern. Dennoch machten sich die Investorren bis zum vergangenen Freitag keine allzu großen Sorgen um den Aufwärtstrend. War es noch eine Frage der Zeit, wann die 4.000er-Linie in Angriff genommen würde? „Auf jeden Fall in diesem Jahr “, hieß es vielerorts.

          Terrorangst stört optimistische Szenarien

          Gute Unternehmenszahlen und positive Konjunkturdaten böten dem Aktienbarometer ein gutes Fundament. Überdies seien deutsche Aktien immer noch relativ günstig zu haben, so argumentierte man. Auch der starke Euro, der am vergangenen Freitag bereits bei 1,1830 Dollar schloß, schien den meisten Marktteilnehmern kein Kopfzerbrechen zu bereiten. In diesen Kanon stimmten die technischen Analysten ein, so daß den Anlegern eigentlich nur eines übrig blieb: Kaufen.

          Zu Wochenbeginn allerdings waren mit einem Male diese wohl klingenden Szenarien zerstört. Die Terrorangst ist durch den Anschlag von Istanbul zurück gekehrt, Erinnerungen an Ground Zero wurden wach. Es sei eben ein Unterschied, ob es Terror am Hindukusch oder in Europa gäbe, formulierte ein Stratege sein Empfinden. Geografisch näher liegende Ereignisse wiegen offensichtlich schwerer als ein Anschlag in der Ferne.

          Die dramatisch dargestellten, orts- und zeitnahen Nachrichten sind offensichtlich stark wahr genommen worden und haben andere Informationen in den Hintergrund gerückt. Diesem Pänomen scheinen wohl einige Börsianer erlegen zu sein, schreibt Goldberg.. Denn der Dax verlor im Wochenvergleich 2,6 Prozent an Wert.

          Weitere Gewinnmitnahmen vor dem Jahresende scheinen möglich

          Deutlich weniger beeindruckt vom Ungemach geben sich die Teilnehmer des betrachteten Panels. Zwar ist der Optimismus, gemessen am Bull/Bear-Index, zurück gegangen, doch blieb der Anteil der Bullen gegenüber der vergangenen Woche unverändert. Lediglich die Gruppe der Pessimisten erfuhr Zulauf, der sich jedoch ausschließlich aus unbeteiligten Akteuren rekrutierte. Diese neuen Bären dürften sicherlich bald wieder als Käufer auftreten, um dann Gewinne mitzunehmen, wenn die Kurse wieder unter Druck geraten sollten.

          Der temporären Kursstütze steht allerdings das Gros der Optimisten gegenüber, das immer noch auf höhere Kurse wartet. Ob diese Bullen aber angesichts des näher rückenden Jahresendes und des ohnehin angeschlagenen Marktumfelds jetzt noch tatsächlich gewillt sind, stärkere Rückschläge in Kauf zu nehmen, darf bezweifelt werden. Ihr Angebot dürfte daher schon mit Versagen des jüngst indizierten kritischen Niveaus von 3.595 Zählern Wirkung zeigen: Ein weiterer Rutsch von mindestens 100 Punkten wäre dann wahrlich keine Überraschung.

          TecDax-Optimisten realisieren Gewinne und verschwinden

          Im TecDax dürfte vor allem institutionellen Markteilnehmern die Entwicklung der vergangenen Woche höchst willkommen gewesen sein. Denn es hatte sich tatsächlich gelohnt, mit bestehenden Long-Positionen noch einmal auf „bessere“ Kurse zu warten. Die gab es am vergangenen Donnerstag, als der TecDax sein Jahreshoch nur um drei Zähler verfehlte. Gutes Timing kann man denjenigen bescheinigen, die sich an dieser Marke orientiert haben. Dabei muß es nicht nur zur Realisation von Gewinnen gekommen sein. Der Anteil der Bären hat sich möglicherweise im gleichen Zuge, oder erst zu Wochenbeginn, unter dem Eindruck des Terroranschlags in der Türkei drastisch erhöht.

          Eine ähnliche Tendenz war bei den Privaten zu verzeichnen, wobei sich mehr Private als Institutionelle auf Gewinnmitnahmen beschränkten. Per Saldo ist der Bull/Bear-Index®deutlich eingebrochen und fiel auf den niedrigsten Stand seit dem sechsten August zurück. Damals stand der TecDax noch knapp 15 Prozent niedriger als heute.

          Im Gegensatz zum Dax ist damit der Markt nach beiden Seiten offen, an der Oberseite ist nicht wie zuvor mit störendem Angebot zu rechnen. An der Unterseite dürften die j üngsten Bären spätestens bei 490 bis 500 Punkten aus der Reserve gelockt werden, um Gewinne mitzunehmen. Die derzeitige Entwicklung im Stimmungsbild zeigt aber auch, dass der Markt nunmehr fast als „verzerrungsfrei“ zu bezeichnen ist. Das heißt, neue Informationen, seien sie positiv oder negativ, werden sich ohne Verzögerung im Kursbild niederschlagen. Große Trends sind unter dieser Prämisse daher nicht zu erwarten.

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