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Markteinblick : Schwacher Ausblick setzt SAP-Kurs unter Druck

  • Aktualisiert am

Die SAP-Vorstände haben das Sagen Bild: dpa

SAP wird in den kommenden Jahren weniger gut verdienen als geplant. Das drückt den Kurs, derweil der Gesamtmarkt von einer Geldspritze der chinesischen Zentralbank für die heimischen Banken profitiert.

          Europas größter Softwarehersteller SAP hat am Dienstagmorgen endgültige Geschäftszahlen und einen Ausblick auf das neue Jahr vorgelegt. Die scheine es in sich zu haben, den der Aktienkurs fällt um 3 Prozent. SAP will seinen Marktanteil im Cloudgeschäft ausweiten und nimmt sich erst für 2017 vor eine operative Marge von 35 Prozent zu erreichen. Eigentlich hätte das schon im kommenden Jahr der Fall sein sollen. Es habe noch kein Unternehmen gegeben, welches den Schritt in die Software-Vermietung über das Internet gegangen wäre, ohne zwischenzeitlich bei Umsatz und Gewinn zurückzustecken, so der Vorstandsvorsitzende Jim Hagemann Snabe.

          Im laufenden Jahr wird SAP den Umsatz zudem nur noch um 6 bis 8 Prozent steigern können. 2013 waren es 11 Prozent gewesen. Damit würde eine lange Serie reißen, denn SAP war über mehrere Jahre stets prozentual zweistellig gewachsen. Das kräftigere Plus im Vorjahr resultierte allerdings auch aus der Übernahme der IT-Einkaufsplattform Ariba.

          Der Softwarekonzern steckt in einer Übergangsphase. Während das neue Geschäft mit Softwarevermietung über das Internet (Cloud) wächst, geht der Lizenzumsatz zurück. Neben der verhaltenen Nachfrage in Asien und großen Teilen Europas liegt dies auch am Wandel der Branche. Einige Kunden bevorzugen Mietsoftware über das Internet im Vergleich zu traditionell vor Ort installierten Programmen. In der Folge stagniert oder schrumpft das Stammgeschäft mit Lizenzen.

          Während SAP also unter Druck steht und damit auch den Dax etwas herunterzieht, zeigt sich der Aktienmarkt insgesamt freundlich. Der F.A.Z.-Index, der 100 Aktien umfasst und somit einen größren Teil des Marktes abbildet als der Dax gewinnt 0,2 Prozent auf 2045 Zähler, der Dax ebenso deutlich auf 9734 Stellen.

          Maßgeblich sind freundliche Vorgaben aus Asien, nachdem die Wall Street am Montag wegen eines Feiertages geschlossen geblieben war. In China gelang es der Notenbank nach den schwachen Wachstumsdaten vom Vortag, den Markt mit geldpolitischen Maßnahmen vorläufig zu beruhigen. „Außerdem wird mit Spannung auf die Ergebnisse des Treffens der Spitzenvertreter der Bank of Japan gewartet, die jedoch erst morgen veröffentlicht werden“, schrieb Dirk Gojny von der National-Bank. Die Marktteilnehmer erhofften sich offenbar „noch mehr Stimulus.“

          Deutsche Anleihen geben leicht nach

          Deutsche Staatsanleihen tendieren etwas schwächer. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, verliert 11 Basispunkte auf 141,46 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 2 Basispunkte auf 125,60 Prozent. Investoren warten auf neue Hinweise über Zustand und Ausblick für die deutsche Wirtschaft. Am Vormittag werden die ZEW-Konjunkturerwartungen veröffentlicht. Analysten rechnen mit einer abermaligen Stimmungsaufhellung. Es wäre die sechste in Folge. Weitere wichtige Daten werden nicht erwartet.

          Eurokurs kaum verändert

          Der Euro bewegt sich am Dienstag vor den ZEW-Stimmungsdaten kaum. Die Gemeinschaftswährung kostet 1,3558 Dollar und damit in etwa so viel wie am Vorabend. Der Yen gibt gegenüber den Euro, dem Dollar und den meisten anderen wichtigen Währungen nach und beendet damit einen mehrtägigen Kursanstieg. Gegenüber dem Euro gab die japanische Währung auf 141,74 Yen nach, zum Dollar verlor notiert sie bei 104,56 Yen.

          Die japanische Notenbank beginnt im Tagesverlauf ihre zweitägige geldpolitische Sitzung, und es wird spekuliert, dass BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda für dieses Jahr monetäre Stimuli plant, um Bremseffekte einer geplanten Steuererhöhung auszugleichen. „Angesichts der Umsatzssteuererhöhung, die im April wirksam wird, könnte die BoJ ihre Position in Bezug auf Stimuli bekräftigen zu wollen”, sagte Stan Shamu, Marktstratege bei der IG Ltd. in Melbourne.

          Asiatische Börsen im Plus

          An die asiatischen Aktienmärkte ist die Zuversicht zurückgekehrt. An der Tokioter Börse ging der Leitindex Nikkei ein Prozent im Plus mit 15.796 Punkten aus dem Handel. Der gesunkene Kurs des Yen schob insbesondere die Aktien von Exporttiteln an. Toyota etwa legten 1,5 Prozent zu. Aus der Reihe fiel allerdings der Elektronikkonzern Panasonic, dessen Papier 2,1 Prozent verlor. Citigroup hatte die Aktie auf die Verkaufsliste gesetzt. Ebenfalls unter Druck standen die Titel des Spielekonsolenherstellers Nintendo, dessen Kurs um weitere 2,4 Prozent abrutschte. Der Konzern hatte Anleger mit einer Verlustwarnung überrascht, weil sich seine neue Konsole Wii U als Flop erweist.

          Auch an anderen Börsen in Fernost herrschte gute Stimmung. Der MSCI-Index der wichtigsten Aktien des Asien-Pazifik-Raums außerhalb Japans notierte 0,5 Prozent höher. In Schanghai ging es 0,7 Prozent nach oben. Im Blick der Anleger standen die gesunkenen Geldmarktsätze in China.

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